Solarkraftwerke: Die Solar-Millennium-Saga

Solarkraftwerke: Die Solar-Millennium-Saga

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Utz Claassen

von Niklas Hoyer

Utz Claassen hat Solar Millennium wegen Kontroversen zur Unternehmenspolitik verlassen. "Es gab unterschiedliche Standpunkte zu Governance und Unternehmenskultur", erklärte sein Anwalt. Die WirtschaftsWoche hatte mehrfach kritisch über Solar Millennium berichtet. Die Vorwürfe im Überblick.

Als Solar-Millennium-Chef Utz Claassen am vergangenen Montag nicht mehr zur Arbeit erschien, war das für die Anleger des Erlanger Solarthermieunternehmens ein Schock. Sie hatten auf den bekannten Manager gehofft, der seinen Posten erst im Januar angetreten hatte. Claassen sei nach Kontroversen zur Unternehmenspolitik zurückgetreten, sagte jetzt Claassens Anwalt Klaus Menge. „Es hat unterschiedliche Standpunkte zu Governance und Unternehmenskultur gegeben.“

Anwalt Menge sagte, Claassen habe von einem ihm nachträglich, nach Vertragsabschluss, eingeräumten Rücktrittsrecht Gebrauch gemacht. Er habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Pflaumer am Dienstag die Gründe seines Rücktritts telefonisch erläutert. Ein Sprecher von Solar Millennium bestätigte, dass die beiden telefoniert hätten. Die Rücktrittsgründe habe Claassen aber nicht erläutert.

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Ohne Claassen dürfte es Solar Millennium noch schwerer fallen, Investoren zu gewinnen. In diesem Jahr braucht das Unternehmen geschätzte 300 Millionen Euro für Kraftwerksprojekte. Doch schon ein im Dezember aufgelegter geschlossener Fonds über rund 48 Millionen Euro ist erst zu 60 Prozent gezeichnet.

Die WirtschaftsWoche hatte mehrfach über kreative Bilanzierung und mögliche Finanzierungsprobleme bei Solar Millennium berichtet. Das Unternehmen wies Vorwürfe zurück, Sachverhalte in den Bilanzen unrichtig dargestellt zu haben, und bestritt Finanzprobleme.

Hier die wichtigsten Kritikpunkte und die Stellungnahmen des Unternehmens im Überblick:

1. Mögliche Finanzierungsprobleme

Solar Millennium hat bei Privatanlegern viel Geld eingesammelt. Insgesamt stellten sie dem Unternehmen in den vergangenen Jahren über sechs Anleihen 190 Millionen Euro zur Verfügung. An der Börse stehen derzeit noch knapp 280 Millionen Euro Marktwert auf dem Spiel. Die WirtschaftsWoche berichtete im Januar darüber, dass sich angesichts des kapitalintensiven Baus weiterer Solarthermiekraftwerke Finanzierungsprobleme abzeichnen. "Das Geld der Anleihezeichner steckt in der Projektentwicklung, fast nichts mehr in Kraftwerken", berichtete damals ein Unternehmenskenner, der in leitender Funktion an Projekten des Solar-Millennium-Konzerns beteiligt war. Damit werde es für das Unternehmen schwierig, die hohen Zins- und Tilgungszahlungen für die Anleihe aufzubringen - nach Berechnungen der WirtschaftsWoche rund 30 bis mehr als 40 Millionen Euro jährlich.

Aus dem operativen Geschäft kam zumindest im vergangenen Geschäftsjahr kein Geld: Der Cash-Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit lag bei Minus 27 Millionen Euro. Weitere Informationen vom Januar zu den möglichen Finanzierungsproblemen finden Sie hier.

Nach Erscheinen des Artikel gab Solar Millennium bekannt, dass „es keine entsprechenden Finanzierungsprobleme“ bei Solar Millennium gebe. So sollten die US-Projekte mit Partnern umgesetzt werden, außerdem könnten staatliche Förderungen oder steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten genutzt werden.

Zur Finanzierung der weiteren Kraftwerksprojekte vor allem in den USA, stellte Solar Millennium am 16. März eine neue Tochter vor, die Solar Millennium Invest. Diese Tochter, an der neben Solar Millennium auch der Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, Professor Wolfgang Gerke, Anteile hält, soll weitere Anlageprodukte vertreiben und Geld einsammeln.

Kurzfristig sucht Solar Millennium noch nach Anlegern für einen geschlossenen Fonds über 50 Millionen Euro (Andasol-3-Fonds), der bislang erst zu 60 Prozent gezeichnet ist. Im Laufe des Jahres plant Solar Millennium auch einen geschlossenen Fonds für das spanische Kraftwerk Ibersol – das Volumen könnte dafür bei bis zu 180 Millionen Euro liegen. Für die US-Projekte werden im Laufe des Jahres zudem noch geschätzte 150 Millionen Euro benötigt. Wie Solar Millennium diese Summen auftreiben will, ist fraglich. Finanzvorstand Thomas Mayer hofft, dass sich große institutionelle Investoren engagieren werden. Der plötzliche Abgang von Claassen dürfte es jedoch noch schwerer machen, Anleger für die Projekte zu gewinnen.

2. Konzerninterne Transaktionen

Gleich mehrfach hat Solar Millennium in den vergangenen Jahren Kraftwerksanteile an verbundene Unternehmen verkauft. Diese Verkäufe seien aber nicht wie konzerninterne Umsätze behandelt, sondern wie Verkäufe an fremde Unternehmen verbucht worden, berichtete der WirtschaftsWoche im Januar ein Unternehmenskenner, der in leitender Position an Solar-Millennium-Projekten beteiligt war. "Es gab dann zwar entsprechende Buchungen, aber es war kein Cash da."

Die Deals folgten folgendem Muster: Kraftwerksanteile werden an ein verbundenes Unternehmen verkauft, das nicht konsolidiert, also nicht in den Konzernabschluss hereingerechnet wurde - zum Beispiel die Solar Millennium Verwaltungs GmbH und die Solar Millennium Beteiligungen GmbH. So konnte Solar Millennium den Verkauf dieser Anteile wie Umsätze mit konzernfremden Unternehmen verbuchen. Auf solche Transaktionen entfielen etwa 2006/07 39 Prozent des Jahresumsatzes.

Später wurde das verbundene Unternehmen in den Konzernabschluss einbezogen oder der Anteil wieder in das Mutterunternehmen zurückgeholt - ausgerechnet dann, wenn kurz darauf tatsächlich der Weiterverkauf der Anteile an Dritte erfolgte. Die Spanne zwischen dem Preis, zu dem die Kraftwerksanteile an die Tochter gegangen waren und dem letztendlichen Verkaufspreis an einen Dritten konnte Solar Millennium für sich verbuchen.

Das Unternehmen verwies jedoch darauf, dass diese Praxis geltenden Bilanzierungsregeln entsprach. Außerdem sei die Werthaltigkeit der Anteilsverkäufe stets durch spätere Verkäufe an externe Unternehmen, wie etwa den spanischen Großkonzern ACS/Cobra (bei den spanischen Kraftwerken Andasol 1 und 2) oder Stadtwerke München, RWE Innogy und RheinEnergie (Andasol 3) und Ferrostaal (Andasol 3 und Ibersol) bestätigt worden.

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