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Geldanlage: Russische Aktien nur im Einzelfall

von Florian Willershausen (Moskau)

Viele staatsdominierte Unternehmen sind an der russischen Börse notiert. Diese ist das Spiegelbild eines Landes, das seine politische Mitte immer noch nicht gefunden hat.

Börse Moskau: Die größte Volkswirtschaft Osteuropas schrumpfte im ersten Halbjahr 2009 um 10 Prozent Quelle: Reuters
Börse Moskau: Die größte Volkswirtschaft Osteuropas schrumpfte im ersten Halbjahr 2009 um 10 Prozent Quelle: Reuters

Moskau macht Sommerpause. Die stickige Hitze in der russischen Hauptstadt treibt viele der 17 Millionen legalen und illegalen Bewohner hinaus auf ihre Datschen. Im August verliert die Stadt etwas an Hektik, die sonst alltäglichen Dauerstaus bilden sich höchstens auf den Zubringerstraßen zu den Baggerseen am Stadtrand. Auch die Börsenhändler halten sich offenbar an die traditionelle Ruhepause: In der vergangenen Woche haben die Aktienindizes bei Weitem nicht so heftig geschwankt wie noch im Juni und Juli.

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Der dollarbasierte RTX-Index pendelt sich derzeit bei 1600 Punkten ein, auch der in Rubel gehandelte MICEX stabilisiert sich. Das entspricht zwar noch einem Wertverlust von 60 Prozent gegenüber dem Mai 2008, als beide Kursbarometer historische Rekordwerte erreichten. Nach den Kursverlusten geht es aber nun immerhin etwas ruhiger zu. Die Zeiten 20-prozentiger Tagesschwankungen, die die Börsianer vor einem Jahr während des Kaukasuskriegs erlebten, sind vorerst passé. Die Ruhe vor dem Sturm?

Drastischer Einbruch der Wirtschaft

Die Fundamentaldaten der russischen Wirtschaft verschlechterten sich zuletzt deutlich. Im ersten Halbjahr ist die größte Volkswirtschaft Osteuropas um zehn Prozent geschrumpft. Was den Wirtschaftseinbruch betrifft, hält Russland damit die rote Laterne unter den BRIC-Staaten. Die Industrieproduktion des Landes brach in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um acht bis zwölf Prozent zum Vorjahr ein. Die Arbeitslosigkeit steigt in Rekordhöhen, Banken kämpfen mit Kreditausfällen.

Derweil liegt die Binnenkonjunktur brach, da Kredite zuletzt nur zu Zinssätzen von 20 Prozent aufwärts zu bekommen waren. Mit dem Verkauf von Devisenreserven im Wert von 200 Milliarden Dollar hat die Zentralbank zwar den Rubel stützen können, doch ein mehr als 80 Milliarden Dollar teures Konjunkturpaket will in der Realwirtschaft noch nicht so recht greifen.

Rally auf wackeligen Beinen

Insbesondere Privatunternehmen sind ihrem Schicksal ausgeliefert – Hilfe bekommen in Russland vor allem staatliche Großkonzerne, die auch den RTX dominieren. Schon mehren sich deshalb Stimmen, dass jene Rally, die den Index von 800 Punkten im Januar bis Anfang Juni auf 1900 Zähler klettern ließ, auf sehr wackeligen Beinen stehe. Im Frühsommer gab es schon einen zwischenzeitlichen Absturz um 30 Prozent. Den größten Teil dieser Verluste hat der Index jedoch bis heute wieder aufgeholt.

Das wertet Angelika Millendorfer als Zeichen, dass der russische Aktienmarkt inzwischen auf die weltweite Erholung reagiert – was in der Vergangenheit oft kaum der Fall war und zu lokalen Russland-Blasen geführt hatte, die in schöner Regelmäßigkeit in Kursdesastern endeten. Die Osteuropa-Expertin bei Raiffeisen Capital in Wien hat den Kursverfall im Juni genutzt, um vor allem bei Rohstoffwerten aufzustocken. „Die Aktien der Öl- und Gasunternehmen waren absolut unterbewertet, das haben wir ausgenutzt.“

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.08.2009, 13:25 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    "Die Aktien der Öl- und Gasunternehmen waren absolut unterbewertet"

    Diese Aktien sind weiterhin massiv unterbewertet. Der russische Staat, der hinter diesen Unternehmen steht, hat beliebig viel finanztechnische Macht, um die Märkte für Termingeschäfte zu manipulieren. Diesmal wird der Ölpreis auch bei 200 US$ nicht halt machen. Wer also Spielgelt hat, hat hier sagenhafte Chancen.

  • 13.08.2009, 13:09 UhrAnonymer Benutzer: Easterling

    Sorry, aber ich sprach von der USA. Man könnte noch von der Pressemanipulationen und offener Korruption in der Regierung sprechen und dabei handelte es sich nicht um Russland, sondern um italien. Die Gesellschaft wird immer weiter durch gewissenlose Propagandamedien virtualisiert.

  • 13.08.2009, 13:06 UhrAnonymer Benutzer: str

    @Moskauer

    so Unrecht hat Easterling auch nicht. Dass die Wirtschaft, die sich nur auf Rohstoffe spezialisiert, international konkurrenzunfähig ist, läßt sich nicht bestreiten. Die Wissenschaften und Forschung (außer in Militärbereich aber auch da sieht es nicht so rosig aus) wird seit Jahren vernachläßigt: die meisten großen Wissenschaftler und Forscher sind ausgewandert oder führen klägliches Dasein. Fast alle Leute denen es gut geht, verdienen ihr Geld mit Kaufen / Verkaufen (nennen sich alle business-Man) --> kaufen / verkaufen bringt keinen Fortschritt. Es gibt keinen innovativen Mittelstand. Was soll man noch dazu sagen?

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