Anschlag in Jerusalem: Lkw-Fahrer fährt in Jerusalem in Menschenmenge

Anschlag in Jerusalem: Lkw-Fahrer fährt in Jerusalem in Menschenmenge

, aktualisiert 08. Januar 2017, 15:53 Uhr
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Bei einem Anschlag mit einem Lkw in Jerusalem sind vier Soldaten getötet worden.

Die vier Opfer waren allesamt Soldaten, die gerade aus einem Bus ausstiegen. Der Angreifer stammte nach Angaben der Polizei aus einem arabischen Viertel Ostjerusalems.

Ein Palästinenser ist am Sonntag in Jerusalem mit einem Lkw in eine Gruppe von Soldaten gerast und hat vier von ihnen getötet. 15 weitere seien verletzt worden, einer von ihnen schwer, teilten die Rettungsdienste mit. Der Angreifer selbst sei erschossen worden, hieß es von der Polizei. Er stammte demnach aus einem arabischen Viertel Ostjerusalems. Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas begrüßte die Tat, übernahm aber nicht die Verantwortung.

Polizeisprecherin Luba Samri sagte, der Fahrer sei auf einer Straße im Viertel Armon Hanatziw unterwegs gewesen und habe den Wagen in die Gruppe von Soldaten gelenkt, die am Straßenrand gerade aus einem Bus ausgestiegen sei. Auf einem vom israelischen Fernsehen ausgestrahlten Überwachungsvideo war der Anschlag zu sehen. Der Fahrer setzte noch einmal zurück, nachdem er in die Menge gerast war, um offenbar noch mehr Menschen niederzufahren. Schließlich wird er erschossen.

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Der Sanitäter Chen Lendi Scharon war als einer der ersten am Anschlagsort und sagte, zehn Personen seien unter dem Lkw eingeklemmt gewesen. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes waren die vier Todesopfer alle zwischen 20 und 30. Es handelte sich demnach um drei Frauen und einen Mann.

So schützen sich große Flughäfen vor Terror

  • Deutschland: Frankfurt

    Die beiden Passagier-Terminals des größten deutschen Flughafens sind über etliche Eingänge frei zugänglich. Außerdem sind zwei Bahnhöfe sowie Hotel- und Kongresszentren mit den Gebäuden verbunden. Der Sicherheitsbereich beginnt erst innerhalb der Terminals hinter den Personenkontrollstellen für den Flugbetrieb.

    Davor liegen große Hallen mit Geschäften, Schaltern und Lokalen. Die Polizei überwacht diesen Bereich mit Streifen und Video-Kameras. Wer im Sicherheitsbereich arbeitet, braucht eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, ausgestellt vom Land Hessen.

    Quelle: dpa

  • Belgien: Brüssel Zaventem

    Nach den Bombenanschlägen in einer Halle des Brüsseler Flughafens Zaventem im vergangenen März wurden dort die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. So wurden zunächst Passagiere und ihr Gepäck bereits am Eingang zu den Terminals erstmals kontrolliert. Wer die Halle betreten wollte, musste seinen Ausweis und ein Flugticket vorzeigen. Nach Protesten von Reisenden in langen Warteschlangen wurden die Maßnahmen nach wenigen Wochen wieder gelockert.

  • Türkei: Istanbul-Atatürk

    Einlasskontrollen sind an jedem türkischen Flughafen Standard. Schon beim Eintritt ins Gebäude wird das Gepäck geröntgt, also Handgepäck und aufzugebende Koffer. Jeder, der in den Flughafen will, muss durch einen Metallscanner. Nach dem Check-In folgt die zweite Sicherheitskontrolle, die der in Deutschland entspricht und die nur noch Fluggäste passieren dürfen. Beim Check-In muss ein Ausweis vorgelegt werden. Beim Einstieg ins Flugzeug wird der Name auf dem Ausweis dann mit dem auf dem Boarding-Pass abgeglichen.

  • Russland: Moskau

    Wer einen der drei Moskauer Flughäfen betritt, wird schon am Gebäudeeingang kontrolliert: Reisende wie Besucher müssen Handtaschen öffnen, Hosen- und Jackentaschen leeren und durch einen Metalldetektor laufen. Das Hauptgepäck wird von einem Röntgengerät durchleuchtet. In der Wartehalle und vor den Schaltern patrouillieren Wachleute. Nach dem Check-In folgt die eigentliche Flugsicherheitskontrolle.

  • Afghanistan: Kabul

    Am größten Flughafen des Landes in der Hauptstadt Kabul müssen Reisende vor der Ankunft im Terminal durch zwei Autokontrollen samt Sprengstoffspürhunden, drei Ticketkontrollen und fünf Körperkontrollen. Drei oder vier Mal - je nachdem, ob die Geräte gerade funktionieren - muss das Gepäck zum Durchleuchten auf Bänder gewuchtet werden.

    Kontrollen beginnen schon bei der Einfahrt auf das Flughafengelände, etwa einen Kilometer vor dem Terminal. Das Personal, das Menschen auf Sprengstoffwesten oder Waffen abtastet, ist aber oft lustlos oder lässt dies ganz sein. Ausländer werden nach Trinkgeld gefragt.

  • Israel: Tel Aviv

    Israels internationaler Flughafen Ben Gurion wird besonders streng geschützt, da das Land seit Jahrzehnten mit einer Terrorbedrohung lebt. Dabei wird ein Ring von Kontrollen eingesetzt, der einer Zwiebel gleicht. Passagiere werden bei der Ankunft im Auto schon Kilometer vor dem Terminal von bewaffneten Sicherheitskräften überprüft. Nach Passieren eines weiteren Wächters am Eingang folgen im kameraüberwachten Terminal selbst eine persönliche Befragung und eine gründliche Untersuchung des Gepäcks mit Durchleuchtungssystemen. Dabei werden Reisende in verschiedene Risikogruppen eingestuft. Bei den Kontrollen geht Sicherheit eindeutig vor Persönlichkeitsrechten - was immer wieder zu Beschwerden vor allem arabischer Reisender führt.

Seit September 2015 kommt es immer wieder zu tödlichen Attacken von Palästinensern auf Israelis. Meist setzen die Angreifer dabei Messer ein, vereinzelt rasten sie aber auch mit Autos in Menschenmengen. Mittlerweile 40 Israelis und zwei Amerikaner kamen ums Leben, 229 Palästinenser wurden erschossen, die meisten von ihnen waren nach israelischer Darstellung Angreifer.

In den vergangenen Monaten waren die Angriffe aber deutlich zurückgegangen. Die Toten vom Sonntag waren die ersten auf israelischer Seite seit drei Monaten. Gleichzeitig war es auch einer der opferreichsten Angriffe, seit diese begannen.

Terror aus ökonomischer Perspektive Niemand wird nur aus Armut zum Terroristen

Tim Krieger ist Ökonom und hat einen besonderen Blick auf das Phänomen Terrorismus. Er erklärt, was Menschen zu Terroristen macht und welche Probleme auf den Westen zukommen, wenn der "Islamische Staat" zerschlagen wird.

Terror aus ökonomischer Sicht: Einzeltäter sind für den IS unglaublich attraktiv. Sie zu akquirieren kostet kaum Geld. Quelle: dpa Picture-Alliance

Hamas-Sprecher Abdul-Latif Kanu rief andere Palästinenser auf, dem Beispiel des Angreifers zu folgen und den Widerstand gegen die Israelis auf eine neue Stufe zu stellen. Der Anschlag zeige, dass dieser gewaltsame Widerstand trotz einer Ruhephase nicht beendet sei. „Er mag ruhig sein, er mag verharren, aber er wird niemals enden“, sagte Kanu.

Der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, rief die Einwohner zur Wachsamkeit auf, forderte sie aber gleichzeitig auf, ihr Leben weiterzuleben. „Leider gibt es keine Grenze für die Grausamkeit von Terroristen, die keine Möglichkeiten auslassen, um Juden zu töten und deren Lebensart zu zerrütten.“

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