Davos: Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft

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Davos: Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft

von Sven Prange

Aktienmärkte fahren Achterbahn, der Ölpreis bricht ein und China bietet ein Bild des Chaos: IWF-Chefin Christine Lagarde lässt sich davon nicht beunruhigen. Sie sagt: Der Weltwirtschaft droht keine Katastrophe. Die wahre Gefahr für die Weltwirtschaft sehen viele Ökonomen denn auch in einem anderen Problem.

Wer beim Weltwirtschaftsgipfel den offiziellen Diskussionen folgt, erliegt manchmal dem Eindruck, die hohen Berge und Absperrungen rund um den Tagungsort würden neben Verkehr und Eindringlingen auch den Nachrichtenstrom von dem Graubündner Bergidyll fernhalten. Während weltweit die Märkte einem wenig geordneten Chaos gleichen, reden Ökonomen, Unternehmer und Politiker in Davos am liebsten über den „long term“, die mittel- und langfristigen Aussichten für die Weltwirtschaft.

Und die seien gut. Sicher. Ganz sicher. Allenfalls der Ölpreis stört die gute Gipfelstimmung ein wenig, aber auch nicht viel. Insbesondere in China will so recht niemand Anlass zur Sorge erkennen. Da ist etwa Christine Lagarde, als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), so etwas wie die mächtigste Wächterin über die Entwicklung der Weltwirtschaft.

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Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Sie nimmt in Davos an einer verwirrenden Vielzahl an Gesprächen teil und ist doch die Ruhe selbst: „Wir sehen in China Veränderungsprozesse in vielen Bereichen auf einmal. Das ist erstmal normal“, sagt sie. Was derzeit für so viel Unsicherheit sorge, sei vor allem ein Kommunikationsproblem: Die Märkte wissen nicht, was Chinas Verantwortliche vorhaben, und das macht sie nervös. Durch richtige Politik lasse sich das aber meistern. Lagarde: „Wir rechnen mit 6,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr in China.“

Kein Grund für Dauerkrise

Dass die chinesischen Funktionäre bei ihrem ständigen Schwanken zwischen Markt und Staat in den vergangenen Wochen diese „richtige Politik“ nicht aus den Augen verloren haben, ist in Davos Mehrheitsmeinung. Gary Cohn, Präsident und COO der Investmentbank Goldman Sachs, sagt: „Ich muss daran erinnern, dass die chinesischen Markteingriffe sich nicht sehr fundamental von solchen Schritten unterscheiden, die auch westlichen Staaten immer mal wieder an den Märkten unternommen haben.“ „Es ist schon verblüffend, dass die Menschen immer sagen, das Wachstum in China bräche ein – auf 6,8 Prozent“, sagt Lagarde.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Während Deutschland im Vorjahr noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik in diesem Jahr nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht 2015 vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern.

    Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

  • Platz 9

    Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

  • Platz 8

    Auch Dänemark konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

  • Platz 7

    Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

  • Platz 6

    Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

  • Platz 5

    Kanada hat es in diesem Jahr auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht in diesem Jahr an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

  • Platz 3

    Unter die ersten drei schafft es in diesem - wie auch schon im vergangenen Jahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

  • Platz 2

    Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das hat das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie bekannt gegeben.

    Besonders attraktiv finden Firmen in den USA - laut Ranking - die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent).

    Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es im Bereich der Schulbildung.

Sie sieht auch bei den Daten keinen Grund für Dauerkrise. Mit Blick auf die Sorge um die Schwankungen der chinesischen Währung sagt Lagarde: „Man darf den Renminbi nicht nur gegen den Dollar laufen lassen sondern muss ihn mit dem IWF-Währungskorb und den Währungen von Chinas Handelspartnern vergleichen. Dann ist er relativ stabil.“ Zudem die anwesenden Chinesen sich bemühen, die Unsicherheiten in den größeren Kontext zu stellen.

Die ständigen Eingriffe von Staat und Notenbank in den Kurs des Renmibi? Das zeitweilige Aussetzen des Aktienhandels? Die Ängste vor einer Schulden- wie Kapazitätsblase, insbesondere, bei den Staatsunternehmen? Alles nicht so schlimm – oder angeblich so geplant. Das ist die Haltung vieler Chinesen. Zhang Xin, Chefin von Soho China, sagt: „Es gibt eine totale Entkopplung von Aktienmarkt und Realwirtschaft in diesen Tagen.“ Und Fang Xinghai, Generalmanager in der chinesischen Wirtschaftsplanungsbehörde (Central Leading Group for Financial and Economic Affairs, sagt: „Es gibt eine Strategie in China und die ist richtig: Nämlich den Verbrauchern mehr Geld zu verschaffen, damit sie den Konsum ankurbeln.“ Das verursache eben „Anpassungsschwierigkeiten.“

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