Jemen-Krieg: Im Nahen Osten tobt ein Stellvertreterkrieg

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Jemen-Krieg: Im Nahen Osten tobt ein Stellvertreterkrieg

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Der Konflikt im Jemen eskaliert.

von Hans Jakob Ginsburg

Die saudischen Luftangriffe auf den armen Jemen sind Teil eines Stellvertreterkrieges mit dem Iran. Lässt der sich nicht noch abwenden, treibt das den Ölpreis nach oben.

Krieg im Nahen Osten: Im armen, weltwirtschaftlich eher unbedeutenden Jemen haben Aufständische die Hauptstadt fast alle städtischen Zentren des 26-Millionen-Einwohner-Staates eingenommen. Das ruft den großen Nachbarn Saudi-Arabien auf den Plan: Die saudische Luftwaffe bombardiert die Hauptstadt Sanaa, König Salman zimmert ein Bündnis aller Golf-Monarchien zusammen. Ägypten, wirtschaftlich abhängig von den Hilfsgeldern der Saudis, verspricht Bodentruppen und Kriegsschiffe für den Kampf gegen eine Rebellenbewegung, deren Namen bis vor ein paar Wochen außerhalb der arabischen Halbinsel nur ein paar Experten kannten.

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Die Akteure des Konflikts im Jemen

  • Die Huthis

    Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Im vergangenen September eroberten rund 30.000 Anhänger die Hauptstadt Sanaa, Anfang des Jahres setzten sie dort Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung in deren Häusern fest. Binnen weniger Wochen brachten sie die Westküste und den Süden des Landes unter Kontrolle.

  • Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi

    Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi gelang im Februar die Flucht aus Sanaa in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er weiterzuregieren versuchte. Als die Huthis vorrückten, musste der von den USA und Saudi-Arabien unterstützte Staatschef auch seine dortige Residenz verlassen. Sein neuer Aufenthaltsort war zunächst unklar.

  • Saudi-Arabien

    Saudi-Arabien hat als reichster Golfstaat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten. Seit Donnerstag fliegt die Monarchie Luftangriffe gegen Huthi-Stellungen.

  • Der Iran

    Der Iran versucht hingegen als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen und forderte einen Stopp der militärischen Angriffe Saudi-Arabiens.

  • Ex-Präsident Ali Abdullah Salih

    Ex-Präsident Ali Abdullah Salih schlug einst Aufstände der Huthis nieder, heute gilt er als heimlicher Verbündeter der Rebellen. Die UN werfen ihm vor, das Chaos im Jemen geschürt zu haben und einen Weg zurück an die Macht zu suchen. Der Langzeitherrscher war nach Protesten gegen ihn Anfang 2012 zum Rücktritt gezwungen worden.

  • Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel

    Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitischen Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen.

Und in der Reaktion darauf steigt der Ölpreis nach anfänglichen hysterischen Ausschlägen immerhin noch um vier Prozent im Tagesvergleich und die Börsen haben weltweit einen schlechten Tag. Dabei macht die Ölförderung im Jemen keine 0,2 Prozent der Weltproduktion aus, weniger als ein Siebzigstel der saudischen Fördermenge. Dass der Erdölexport - vor allem nach China und nach Thailand – trotzdem für ein Viertel der jemenitischen Wirtschaftsleistung und fast zwei Drittel der Staatseinnahmen sorgt, belegt nur die Armut des Landes. Und sie saudischen Ölquellen mit ihrer großen Bedeutung für die globale Ökonomie sind weit weg, im Nordosten des großen Königreichs. Dass der saudische Krieg gegen die jemenitische Huthi-Bewegung internationalen wirtschaftlichen Akteuren Sorgen macht, lässt sich mit den Verhältnissen im Jemen nicht erklären.

Wohl aber mit dem Blick auf Lausanne.

Jemen Saudi-Arabien sperrt Flughäfen

Auf mehreren Flughäfen im Süden des Jemen wurden die Flüge ausgesetzt. Auch einen Bodeneinsatz schließt Saudi-Arabien mittlerweile nicht mehr aus.

Der saudische Verteidigungsminister Mohammad bin Salman (rechts) und der Innenminister Mohammed bin Nayef informieren sich über die Militäroperation im Jemen. Quelle: REUTERS

In der Schweizer Stadt am Genfer See hält sich derzeit der iranische Außenminister Dschawad Zarif auf: In wenigen Tagen sollen die Verhandlungen dort die mühsamen Verhandlungen über die Begrenzung des Nuklearprogramms seines Mullah-Staates zum erfolgreichen Abschluss kommen. Trotz schwieriger Detailfragen und trotz des Widerstandes von Israels Regierungschef Netanjahu sah es bisher so aus, als würden Iran einerseits, die fünf Mächte des UN-Sicherheitsrates und Deutschland andererseits in ein paar Tagen ein Ergebnis vorweisen. Mit der Folge, dass zumindest fürs erste einer der vielen Brandherde im Nahen Osten eingedämmt ist; auch mit der Folge, dass schon bald viel mehr iranisches Öl auf den Weltmarkt fließt. Damit haben die Marktteilnehmer bisher auch gerechnet.

Und jetzt? „Die von Saudi-Arabien geführten Luftschläge im Jemen müssen aufhören“, sagt Minister Zarif – und setzt fort: „Wir“ – also die Führung in Teheran – „werden alles tun, die Krise im Jemen unter Kontrolle zu bringen.“

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