Vorschlag von Martin Schulz: Wie die Elektroauto-Quote aussehen könnte

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Schulz-Vorschlag: Wie die Elektroauto-Quote aussehen könnte

von Lea Deuber

Martin Schulz bringt eine Elektroauto-Quote für Deutschland ins Spiel. Doch wie könnte diese überhaupt aussehen? Vorbild ist China, das seit Monaten über die Quote diskutiert. Ein Blick in das Land, das sie erfunden hat.

Schlussmachen mit der Hochnäsigkeit, fordert Kanzlerkandidat Martin Schulz von den Autobauern und will sie mittels einer Elektroauto-Quote zur grünen Revolution zwingen. Wie die aussehen soll, lässt er weitgehend offen. Kündigt aber an, der Autoindustrie mehr Druck machen zu wollen. Die deutsche Autoindustrie, sie müsste „besser“ werden.

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Diesel-Skandal Schulz fordert Quote für E-Autos

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz befürwortet eine verbindliche Quote für Elektroautos in Europa. Bundeskanzlerin Merkel möchte sich nicht auf eine solche Forderung festlegen. Die Automobilindustrie zeigt sich skeptisch.

Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verlangt strengere Regeln für die Autoindustrie. Quelle: ZB

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass sich Schulz ab September wirklich ein Konzept hinter der Quote ausdenken muss, lohnt sich ein Blick nach China. Das Kopieren wirft man ja sonst den Chinesen vor. Dieses Mal ist es andersherum, Schulz hat die Idee aus China abgekupfert. Auf dem größten Automarkt der Welt plant Peking ab kommendem Jahr eine Quote für den Verkauf von E-Autos. Diese könnte langfristig auch in Deutschland Schule machen.

Ab Januar sollen die Hersteller in der Volksrepublik acht Prozent ihrer Verkäufe mit E-Autos und Hybridmodellen machen. Das entspricht mehr als zwei Millionen Fahrzeuge. Im vergangenen Jahr wurden bereits 507.000 E-Autos und Hybride in China verkauft, über die Hälfte mehr als im Jahr zuvor. Zum Vergleich: In Deutschland waren es lediglich 11.000 Elektrofahrzeuge und 48.000 Autos mit Hybridantrieb.

Elektroautos im Kostenvergleich

  • BMW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    BMW i3Strom36.150 Euro598 Euro47,8 Cent
    Mini Cooper SSuper Plus26.600 Euro542 Euro43,4 Cent
    Mini Cooper SDDiesel28.300 Euro519 Euro41,5 Cent

    Quelle: ADAC

  • Citroën

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Citroën C-ZeroStrom19.800 Euro433 Euro34,6 Cent
    Citroën C1 Vti 68Super13.900 Euro388 Euro31,0 Cent

  • Ford

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Ford Focus ElectricStrom34.900 Euro665 Euro53,2 Cent
    Ford Focus 1.5 EcoBoostSuper25.500 Euro618 Euro49,4 Cent
    Ford Focus 2.0 TDCiDiesel28.100 Euro623 Euro49,8 Cent

  • Hyundai

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Hyundai IONIQ ElektroStrom33.300 Euro587 Euro47,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 GDISuper22.630 Euro562 Euro45,0 Cent
    Hyundai i30 1.6 CRDi blueDiesel24.030 Euro548 Euro43,8 Cent

  • Kia

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Kia Soul EVStrom28.890 Euro526 Euro42,1 Cent
    Kia Soul 1.6 GDISuper19.990 Euro529 Euro42,3 Cent
    Kia Soul 1.6 CRDiDiesel23.490 Euro539 Euro43,1 Cent

  • Mercedes-Benz

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Mercedes-Benz B250eStrom39.151 Euro713 Euro57,0 Cent
    Mercedes-Benz B220 4MaticSuper34.076 Euro773 Euro61,8 Cent
    Mercedes-Benz B220dDiesel36.521 Euro728 Euro58,2 Cent

  • Nissan

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Nissan LeafStrom34.385 Euro632 Euro50,6 Cent
    Nissan Pulsar 1.2 DIG-TSuper22.290 Euro574 Euro45,9 Cent
    Nissan Pulsar 1.5 dCiDiesel22.690 Euro535 Euro42,8 Cent

  • Renault

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Renault ZoëStrom34.700 Euro580 Euro46,4 Cent
    Renault Clio TCe 90Super16.790 Euro433 Euro34,6 Cent
    Renault Clio dCi 90Diesel20.290 Euro454 Euro36,3 Cent

  • Tesla

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    Tesla Model S 60 Strom71.020 Euro1206 Euro96,5 Cent
    Mercedes-Benz CLS 400Super63.427 Euro1198 Euro95,8 Cent
    Mercedes-Benz CLS 350dDiesel62.178 Euro1156 Euro92,5 Cent

    Hinweis: Da Tesla selbst keine Autos mit Diesel- oder Benzinmotor verkauft, hat der ADAC zum Vergleich den Mercedes-Benz CLS herangezogen.

  • VW

    ModellKraftstoffGrundpreisKosten pro MonatKosten pro Kilometer
    VW e-up!Strom26.900 Euro472 Euro37,8 Cent
    VW up! 1.0Super14.255 Euro375 Euro30,0 Cent

In den Folgejahren bis 2020 sollen die Verkaufszahlen der E-Autos dann mindestens noch einmal um jeweils zwei Prozentpunkte pro Jahr gesteigert werden. Verkauft ein Unternehmen zu wenig saubere Fahrzeuge, kann es Kredite bei anderen Autobauern kaufen, die bereits ihre Vorgaben erreichen. Tesla könnte somit beispielsweise nicht nur mit seinen Fahrzeugen Geld verdienen, sondern auch seine Kredite an Nachzügler verkaufen – ein lohnendes Zusatzgeschäft. Tesla hat 2016 bereits mehr als eine Milliarde Dollar in China an Umsatz gemacht, mehr als dreimal so viel wie 2015.

Dass die Quote kommt, scheint außer Frage

Nachdem die deutschen Autobauer anfangs über die Quote geschimpft haben, ist es zuletzt erstaunlich ruhig um sie geworden. Auch, weil sie zwar wahrscheinlich ein wenig verspätet mit ausreichend E-Autos auf dem Markt starten, dann aber relativ schnell aufholen und in den profitablen Kredithandel einsteigen könnten, so Experten. Wie genau die Emissionskredite später gehandelt werden sollen, ist bisher nicht bekannt. Autobauer könnten aber möglicherweise nicht nur untereinander Kredite handeln, sondern auch mit der chinesischen Regierung. Das hatten zuletzt die vier internationalen Autoverbände in einem Brief an die chinesische Regierung gefordert, der der WirtschaftsWoche vorliegt.

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Quelle: dpa

Offen ist aber noch, wie die Quote genau ausgestaltet wird. Seit vergangenem Jahr sind die Pläne Pekings bekannt. Ob das Gesetz in dieser Form Anfang kommenden Jahres kommt, wie es im aktuellen Gesetzesentwurf skizziert wird, ist noch unklar. Zuletzt hatte die Deutsche Botschaft in Chinas Hauptstadt gegenüber der WirtschaftsWoche bestätigt, dass Peking weiterhin mit der Bundesregierung über die genauen Rahmenbedingungen der Kreditquote verhandelt, und man sich auch auf erste Änderungen hätte einigen können. Dass die Quote aber kommt, scheint inzwischen außer Frage.

Grund für Pekings strenge Klimapolitik: Die schlechten Luftwerte lassen die Bürger auf die Barrikaden gehen. Diese sehen ihre Gesundheit und die ihrer Kinder aufs Spiel gesetzt. Eine Rechnung, die am Ende auch der Staat durch explodierende Kosten im Gesundheitssystem zahlen muss. Die Bürger Chinas können ihren Präsidenten zwar nicht abwählen, aber sie scheinen ihren Politikern mehr Angst zu machen als die Stuttgarter Wutbürger, die mit ihren Luftwerten den chinesischen Großstädten inzwischen Konkurrenz machen.

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