"Konservativer Aufbruch" in der CSU: Besuch bei den Unionsrebellen wider Willen

"Konservativer Aufbruch" in der CSU: Besuch bei den Unionsrebellen wider Willen

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Viele junge Parteimitglieder der CSU sind mit dem Kurs der Großen Koalition unzufrieden

von Ferdinand Knauß

In der CSU macht sich eine Basisbewegung gegen Angela Merkel und die „Modernisierung“ der Union stark – und findet im CDU-Abgeordneten Klaus-Peter Willsch einen Gleichgesinnten. Über allen schwebt der Geist eines toten bayrischen Politikers.

Weißbier in den Gläsern und blauweiße Rauten-Fähnchen auf allen Tischen – so gehört sich das bei einer CSU-Veranstaltung. Auch Franz-Josef Strauß ist anwesend an diesem Abend in einem Nürnberger Gasthaus – als Bildpostkarte auf den Biertischen und sicher in den Herzen von vielen der knapp 70 Gäste. „FJS würde den Konservativen Aufbruch in der CSU unterstützen“ steht da unter seinem Bild.

 „Gerührt“ von der Strauß-Postkarte zeigt sich der Stargast dieses Abends: Klaus-Peter Willsch. Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Hessen erzählt, dass er schon 1979 in der Jungen Union dafür stritt, dass Strauß Kanzlerkandidat wurde. „Das war die Union, in die ich mal eingetreten bin“, sagt er. Das Publikum klopft zustimmend auf die Tische.

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Partei-Bewegung gegen Eurorettung und Flüchtlingspolitik

Der „Konservative Aufbruch“ ist eine „CSU-Basisbewegung für Werte und Freiheit“. Er ist so etwas wie die institutionalisierte Fronde gegen Angela Merkel, Eurorettung und „Willkommenskultur“ im Besonderen und die so genannte „Modernisierung“ der Union im Allgemeinen. Willsch ist beim KA also hoch willkommen. „Ich bin ein Fan von ihnen“, wird er noch vor Veranstaltungsbeginn begrüßt. Er ist einer der wenigen Mandatsträger in der CDU, die sich nicht nur kritisch gegen die Bundesregierung geäußert haben, sondern auch mehrfach gegen die so genannten Griechenland-Rettungspakete gestimmt haben.

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Für Willsch, der bester Laune ist und viel lacht an diesem Abend, ist es ein Heimspiel in der Fremde. Sein aktuelles Buch – „Von Rettern und Rebellen. Ein Blick hinter die Kulissen unserer Demokratie“ – wird gut verkauft und Willsch selbst kommt bei den Zuhörern gut an. Hier mag man es, wenn jemand wie weiland Strauß noch „Sozis“ sagt. „Politiker von der Art bräuchten wir mehr in Berlin“, sagt jemand im Publikum zu seinem Nachbarn.

Willsch - Vater von fünf Kindern - kann mit Rebellenattitüde sichtbar wenig anfangen. Das wäre bei ihm auch wenig glaubwürdig. „Ich bin kein Freiheits- oder Widerstandskämpfer, bin nicht mit Hausarrest oder Straflager bedroht. Ich bin einfach nur frei gewählter Abgeordneter“, sagt Willsch. Er sei der Sohn eines Bauern und als solcher sei man eigentlich nicht rebellisch – „da versucht man einfach eine gerade Furche zu ziehen, aber vielleicht ist das heute schon rebellisch“. Damit trifft er genau die Stimmung der Zuhörer. 

Kein direkter Angriff auf Merkel

Man ist hier auf bayrischem, also CSU-Territorium. Der CDU-Fetisch des geschlossenen Auftretens und der Vermeidung öffentlicher Kritik an der Führung gilt hier nicht. „Klartext“ ist das Motto der Veranstaltung. Und Willsch erfüllt die Erwartungen: „Ich halte es für unerträglich, ausgerechnet Tsipras und Erdogan an die Lautstärkeregler zu lassen“, fasst er die Kritik an Euro-Rettungs- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zusammen. Der einzige Akt der Rücksichtnahme: Der Name Merkel kommt ihm während des gesamten Abends auf der Bühne nicht über die Lippen.

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Willsch gehört nicht zum konservativen „Berliner Kreis“ der Union um die Abgeordneten Wolfgang Bosbach und Erika Steinbach. Doch deren Zurückhaltung, die Kanzlerin frontal und namentlich anzugreifen, gilt wohl auch für Willsch. Die Mitglieder des Konservativen Aufbruchs kennen diese Scheu nicht. Den Berliner Kreis achtet man, aber man hält ihn für allzu zahm. Als KA-Sprecher Thomas Jahn die Stimmung der Bevölkerung in seinem Kreis mit den Worten beschreibt: „Wir wollen euch wählen, aber nie wieder Merkel“, klatscht und johlt der ganze Saal. Sein Sprecher-Kollege David Bendels sagt: „Die CSU darf keine Kanzlerkandidatin Merkel bei den nächsten Bundestagswahlen akzeptieren.“

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