Anschlagspläne für Silvesternacht: Zwei Terrorverdächtige in Belgien verhaftet

Anschlagspläne für Silvesternacht: Zwei Terrorverdächtige in Belgien verhaftet

, aktualisiert 29. Dezember 2015, 16:04 Uhr
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Belgische Polizisten in Brüssel.

Terroristen wollten in Brüssel zu Silvester Anschläge verüben. Bei einem Antiterroreinsatz ist der Plan aufgeflogen. Einer der der Verhafteten gilt als Drahtzieher einer Terrorgruppe.

Brüssel sieht sich erneut im Visier von Terroristen: Für die Silvesternacht sollen Anschläge an mehreren „symbolträchtigen Orten“ der belgischen Hauptstadt geplant sein worden. Nach einer Reihe von Hausdurchsuchungen und Festnahmen sind zwei Terrorverdächtige in Haft, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Wachsamkeit der Behörden richtet sich nun vor allem auf größere Menschenansammlungen, wie das Nationale Krisenzentrum mitteilte. Auch die Polizei gilt offenbar als Ziel.

Einen Zusammenhang zu den tödlichen Pariser Terroranschlägen vom November gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Bei Hausdurchsuchungen wurde Propagandamaterial der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sichergestellt.

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Die Führer des IS

  • Abu Musab az-Zarqawi († 2006)

    az-Zarqawi wurde 1966 geboren und 2006 getötet. Auf seinem Kopf hatten die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt – das entspricht dem Kopfgeld, das auf Saddam Hussein ausgesetzt war. Er galt als Experte für chemische und biologische Kampfstoffe.

    Während des Irak-Kriegs gründete er al-Qaida im Irak – der Organisation aus der heute der Islamische Staat (IS) hervorgegangen ist. Er ist für mehrere Terroranschläge und die Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg verantwortlich.

    Am 7. Juni 2006 töteten ihn US-Spezialkräfte nördlich von Bagdad. Nachdem zu einem Gefecht zwischen US-Militärs und Anhängern az-Zarqawis kam, forderten die US-Soldaten einen gezielten Luftschlag auf sein Lager an. Infolge dieses Luftschlags soll az-Zarqawi gestorben sein.

  • Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi (Abu Umar al-Baghdadi) († 2010)

    Die Person hinter dem Pseudonym Abu Umar al-Baghdadi ist immer schattenhaft geblieben. Nach irakischen Angaben war er ein ehemaliger irakischer Armeeoffizier. 1985 soll er in dem Widerstand gegen Saddam Hussein beigetreten sein.
    1987 floh er nach Afghanistan, um erst 1991 zurück in den Irak zu kommen. Seine Festnahme wie sein Tod wurden mehrfach gemeldet. Beobachter äußerten immer wieder die Vermutung, hinter dem Kampfnamen existiere keine reale Person – oder er wäre nacheinander von unterschiedlichen Kämpfern verkörpert worden.
    Seit 2010 sind keine Ankündigungen von ihm mehr in die Öffentlichkeit gelangt, weshalb man ihn für tot hält.

  • Abu Bakr al-Baghdadi

    Al-Baghdadi wurde 1971 im Irak geboren. Seit 2010 ist er der Anführer des IS. Seitdem er Mitte 2014 in Teilen Syriens und des Iraks das Kalifat ausgerufen hat, nennt er sich Kalif Ibrahim.
    In Bagdad soll er ab seinem 19. Lebensjahr zehn Jahre lang in einem privaten Moscheegebäude gelebt und Religion studiert haben. Sein Studium soll er zu Beginn der 2000er Jahre mit einer Promotion in Islamischen Recht beendet haben.
    Als die USA 2003 im Irak einmarschierten, gründete al-Baghdadi eine militante Islamistengruppe. 2004 soll er von US-Streitkräften im Irak interniert worden sein.
    Seitdem er 2014 das Kalifat auf syrischem und irakischem Boden ausgerufen hat, ist er nach Ansicht seiner Anhänger oberster Führer der Muslime.

Einer der beiden Festgenommenen gilt als Drahtzieher einer Terrorgruppe. Er soll sich um die Anwerbung neuer Mitglieder zur Begehung terroristischer Taten gekümmert haben. Die zweite Person wird laut Staatsanwaltschaft als Täter oder Mittäter einer Terrorgruppe eingestuft. Vier weitere Festgenommene seien mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Die Durchsuchungen und Festnahmen seien bereits am Sonntag und Montag in Brüssel, der Region Flämisch-Brabant um die belgische Hauptstadt und in der Region Lüttich im Osten des Landes erfolgt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei den Hausdurchsuchungen wurden neben dem IS-Propagandamaterial auch Militärkleidung sowie Material zur Datenverarbeitung sichergestellt. Waffen oder Sprengstoff seien nicht gefunden worden.

Die Warnstufe für die Brüsseler Polizeidienststellen ist nach Medienberichten angehoben worden, ebenso für die Polizisten und Soldaten, die auf den Straßen patrouillieren. In einem internen Schreiben an die Brüsseler Polizei, das die belgische Nachrichtenagentur Belga einsehen konnte, ist von einer „konkreten Bedrohung“ die Rede - „im gleichen Stil wie die Anschläge von Paris“. In der französischen Hauptstadt hatten islamistische Attentäter Ende November mit Waffen und Sprengstoffwesten 130 Menschen getötet.

In Belgien herrscht derzeit die zweithöchste von vier Terrorwarnstufen. Damit gilt die Bedrohung durch einen Anschlag als „möglich und wahrscheinlich“.

Die Polizei in der belgischen Hauptstadt verschärft nun ihre Sicherheitsvorkehrungen. Vor den Kommissariaten sollen Bewaffnete stehen, wie der Polizeichef der westlichen Brüsseler Stadtteile, Johan De Becker, dem Sender RTBF sagte. Zudem sollen die Beamten etwa nicht mehr allein auf Streife gehen, sondern in Teams von zwei Personen, von denen mindestens eine bewaffnet sein muss.

Angst vor dem Terror Polizei in Wien verstärkt Terrorabwehr

Kurz vor Silvester sollen Attentäter „Richtung Europa unterwegs“ sein. Wien setzt nach Warnungen eines nicht genannten Geheimdienstes bewaffnete Polizeipatrouillen ein. Berlin reagiert zurückhaltend.

Die Angst vor Anschlägen ist auch in Deutschland groß. Erst im November war das Länderspiel: Deutschland - Niederlande wegen eines drohenden Sprengstoffattentats von Islamisten abgesagt worden. Quelle: dpa

Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur will am Mittwochabend entscheiden, ob das große Feuerwerk der Stadt stattfinden wird. „Ich will nicht zu schnell entscheiden, alles abzusagen“, sagte Mayeur der Zeitung „Le Soir“. „Und außerdem will ich nicht zur Psychose der Bevölkerung beitragen.“ Selbst bei einer Absage sei damit zu rechnen, dass in der Silvesternacht viele Menschen auf die Straße gingen.

Belgien gilt als eines der am stärksten durch Terrorismus gefährdeten Länder in Europa. Hintergrund ist die im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße hohe Zahl von Menschen, die als Dschihadisten in das Bürgerkriegsland Syrien gezogen sind. Nach Schätzungen von Sicherheitsbehörden von Ende Oktober stammen rund 500 Kämpfer in dem Krisengebiet aus Belgien. Die Paris-Attentäter hatten Verbindungen in das Land.

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