Schuldenkrise: "Eine Reichensteuer würde helfen"

InterviewSchuldenkrise: "Eine Reichensteuer würde helfen"

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Kenneth Rogoff sieht die Lösung der Schuldenkrise in einem ganzen Mix aus Maßnahmen

von Tim Rahmann

Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff bedauert, dass die Euro-Zone nicht früher die Inflation angeheizt hat. Um die Krise zu lösen, müsste man nun über andere Strategien nachdenken – etwa über Schuldenschnitte oder eine Vermögensabgabe.

WirtschaftsWoche: Herr Rogoff, ist die Euro-Krise überstanden?

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Kenneth Rogoff: Die Situation hat sich ohne Frage stabilisiert. Schauen Sie, vor zwei Jahren haben Experten wie Paul Krugman gesagt, innerhalb weniger Wochen werde der Euro-Raum zusammenbrechen. Die Folgen wären für die Weltwirtschaft schlimmer gewesen als die Lehman-Pleite. Aber nichts dergleichen ist passiert. Europa hat viel bewegt und ein Scheitern des Euro abgewehrt. Von einem Ende der Krise kann zwar noch keine Rede sein – da reicht allein ein Blick auf die Schuldenberge und Arbeitslosenquoten in Südeuropa. Die Lage bleibt angespannt, doch Europa verdient Respekt für den bisherigen Weg.

Trotzdem gibt es insbesondere aus den USA immer wieder Kritik am Krisenmanagement Europas. Warum?

Die Euro-Krise ist eine der großen Sorgen der Weltwirtschaft. Deswegen äußern sich auch viele internationale Ökonomen und Politiker zur Situation in Europa. Ich warne davor, das Gefühl zu vermitteln, wir US-Amerikaner wüssten alles besser. Es ist einfach, heute zu sagen, dieses oder jenes Handeln nach dem Ausbruch der Krise 2010 wäre besser gewesen. Noch einmal: Die Euro-Krise ist eine große Herausforderung und Europa hat Anerkennung verdient.

Zur Person

  • Kenneth Rogoff

    Rogoff, 60, lehrt an der Harvard University. Von 2001 bis 2003 war er Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.

Wer hat Anerkennung verdient: Die Nationalregierungen oder die Europäische Zentralbank?

Ohne die Unterstützung der Politik hätte die EZB niemals auf den Kapitalmärkten eingreifen können. Die Notenbank ist nicht unabhängig. Zumindest nicht finanziell. Wenn die Zentralbank Geld verliert, müssen die Regierungen für die Verluste aufkommen. Man kann also den Regierungen wie der EZB-Führung zu ihrem Mut gratulieren. Einzige Einschränkung: Ich denke, die Notenbank hätte schon früher reagiert, wenn die Regierung nicht so zögerlich gewesen wäre. Das Abwarten hat Zeit gekostet. Und Geld.

Die Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, alles zur Rettung des Euro zu tun, hat die Märkte beruhigt. Dennoch, Sie haben es gesagt, bleibt die Situation angespannt. Wieso gibt es immer noch keinen Durchbruch in der Euro-Rettung?

Weil die Schuldenlast in den Peripherie-Ländern viel zu hoch ist. Am Grundübel, die Euro-Krise ist eine Verschuldungs-Krise, hat sich nichts geändert. Die Schulden der Länder verhindern Wachstum und zerstören Jobs. 

Was ist zu tun?

Ich denke, Europa sollte sich Gedanken machen, wie den betroffenen Ländern geholfen werden kann. Auch wenn es unpopulär in den Geberländern ist: Die gesamte Peripherie braucht eine Umstrukturierung der Schulden. Es gibt da eine Vielzahl von Möglichkeiten: Die Zinsen für Kredite könnten gesenkt, die Rückzahlung zeitlich verlängert – oder die Schulden gestrichen werden.

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