Währungspolitik: Droht uns ein Währungskrieg?

Währungspolitik: Droht uns ein Währungskrieg?

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Bei dem G20-Treffen am Freitag in Moskau wird sich die japanische Notenbank für ihre lockere Geldpolitik rechtfertigen müssen.

Die laxe Geldpolitik der großen Notenbanken droht in einen ruinösen Abwertungswettlauf zu münden – mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft und das globale Währungssystem.

Von Malte Fischer, Alexander Busch, Yvonne Esterházy, Karin Finkenzeller, Martin Fritz, Christof Schürmann

Eigentlich sind die Japaner seit mehr als einem halben Jahrhundert ein friedliches Völkchen. Doch jetzt finden sich die Asiaten plötzlich auf der Anklagebank der internationalen Staatengemeinschaft wieder. Der Vorwurf von Politikern aus Europa und den USA: Mit der Notenpresse als Waffe versuche Japans neuer Regierungschef Shinzo Abe, die Landeswährung Yen abzuwerten und der heimischen Wirtschaft Vorteile auf den Weltmärkten zu verschaffen.

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Auch an den Finanzmärkten sorgt Japan mit seiner „Abenomics“ genannten Wirtschaftspolitik für Wirbel. Diese zielt darauf ab, das Land mit einer extrem expansiven Geldpolitik, schuldenfinanzierten Staatsausgaben und einem schwachen Yen aus der Deflation zu boxen. Bill Gross, Gründer des weltweit größten Anleiheinvestors Pimco, wähnt die Weltwirtschaft bereits in einem Währungskrieg. Die Situation erinnere fatal an die Große Depression der Dreißigerjahre. „Auch damals gab es einen Abwertungswettlauf“, sagt Gross.

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ChefvolkswirtWährungskrieg: Der Gewinner ist Gold

Wie ernst die Finanzminister und Notenbanker der großen Industrienationen (G7), zu denen auch Japan gehört, die Sorge der Finanzmärkte nehmen, zeigt die gemeinsame Erklärung, mit der sie in der vergangenen Woche versuchten, die Börsen zu beruhigen. „Unsere Fiskal- und Geldpolitik ist an unseren jeweiligen heimischen Zielen orientiert, wir werden nicht auf Wechselkurse abzielen“, gelobten sie in dem Statement. Doch das wird kaum reichen, die Märkte zu beruhigen.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise sind die Schulden der großen Industrieländer auf Größenordnungen gestiegen, wie man sie bisher nur aus Kriegszeiten kannte. Die staatlichen Notenbanken, allen voran die amerikanische Fed und die Bank of England (BoE), haben deshalb die Zinsen nach unten gedrückt und die Geldschleusen weit geöffnet. Ihr Ziel: Die Schulden der öffentlichen Hand durch Inflation zu entwerten. Dabei gilt: Je mehr und schneller eine Notenbank im Vergleich zu anderen Geld druckt, desto stärker wertet ihre Währung ab – und desto schneller steigt die Inflation und beleben sich die Exporte.

Japan

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Fataler Wettlauf

Die weltweite Liquiditätsschwemme hat gewaltige Kapitalströme in Gang gesetzt. Auf der Suche nach rentablen Anlagen fließt das Geld in die Schwellenländer und zunehmend auch in die Krisenländer der Euro-Zone, die Anleger mit vergleichsweise hohen Zinsen locken. Der Euro – vor Kurzem noch als Kandidat für den Währungsfriedhof gehandelt – gerät so immer stärker unter Aufwertungsdruck. Schon fordert Frankreich, die Europäische Zentralbank (EZB) solle ebenfalls die Notenpresse anwerfen, um sich gegen die Aufwertung des Euro zu stemmen.

Doch den Wettlauf um die billigste Währung kann kein Land gewinnen. Denn er mündet unweigerlich in Protektionismus, Vermögenspreisblasen und Inflation. „Aus der Finanzkrise“, fürchtet Thomas Mayer, ökonomischer Chefberater der Deutschen Bank, „droht eine Krise des globalen Geldsystems zu werden.“

Noch erscheint die Metapher eines Währungskriegs übertrieben. Zwar hat sich der Yen gegenüber den wichtigsten Handelspartnerwährungen seit Mitte vergangenen Jahres um knapp 20 Prozent verbilligt. Der Dollar und das britische Pfund haben im gleichen Zeitraum gegenüber ihren wichtigsten Partnerwährungen jedoch nur um rund drei Prozent abgewertet. Der Euro verteuerte sich seither um etwas mehr als sieben Prozent.

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