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Die Schweinegrippe und das Golfkriegssyndrom: Krisenkommunikation per Kettenmail

von Susanne Kutter

Das Tempo, mit dem sich eine einzige ziemlich windige Ketten-Email zur Schweinegrippe-Impfung und einem angeblichen Zusammenhang zum Golfkriegsyndrom über die Republik ausbreitet, ist atemberaubend und ein Lehrstück dafür, wie Krisenkommunikation im Internet-Zeitalter funktioniert – oder auch nicht funktioniert, findet WirtschaftsWoche-Redakteurin Susanne Kutter.

Ein Schild weist am Dienstag Quelle: dpa
Ein Schild weist am Dienstag (10.11.2009) im Gesundheitsamt Kassel den Weg zur Impfung gegen die Schweinegrippe. Seit Beginn der Woche können sich Kasseler Bürger im Gesundheitsamt gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Am vergangenen Freitag war eine 15-jährige Schülerin aus Kassel an einer Herzmuskelentzündung gestorben, die mit Schweinegrippe infiziert war. Quelle: dpa
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Ich kenne die Email der Frankfurter Ärztin Juliane Sacher inzwischen fast auswendig: Sie stellt einen Zusammenhang her zwischen den beiden Schweinegrippe-Impfstoffen, dem darin enthaltenen Squalen und dem so genannten Golfkriegssyndrom.

Sacher zieht den Schluss: „Wenn die Bundesregierung ihren Willen durchsetzt und 35 Millionen Menschen geimpft werden, ist damit zu rechnen, dass acht bis neun Millionen Bundesbürger für die nächsten Jahrzehnte unter chronischer Müdigkeit und Fibromyalgie leiden werden.“

Und sie fordert in ihrer Mail, die wie die Warnung vor Computerviren daher kommt, jeden Leser auf: „Geben Sie dieses Email bitte an möglichst viele ihrer Bekannten weiter.“

Das haben offensichtlich Heerscharen von Menschen getan, denn die Warnung verbreitete sich in atemberaubendem Tempo über die  Republik.

Allein auf meinem Rechner tauchte diese Mail mit dem Anreißer-Text „Schweinegrippe-Nebenwirkungen, wer es noch nicht weiß“ in den vergangenen Tagen x-Mal auf. Erst bekam ich sie von einer Freundin, die gerade entbunden hat und deren Hebamme sie mit Hinweis auf die Frankfurter Ärztin warnte. Wie ich aus eigener Erfahrung als Mutter von drei Kindern weiß, stehen viele Hebammen Impfungen gegenüber sehr ablehnend gegenüber. Insofern wunderte mich der Text nicht sonderlich.

Doch dann funkte mich meine Steuerberaterin mit dem identischen Wortlaut an. Und kurz darauf bekam ich ihn von Kollegen und Lesern geschickt – jeweils mit einem Mega-Verteiler und einer Mail-Historie, die ganz klar erkennen lässt: Offensichtlich hat jeder, der die Mail bekam, sie an alle ihm  bekannten Menschen gesandt. Inzwischen wird sie offensichtlich im Sekundentakt verschickt, so dass ich es kaum noch bis zum Kopierraum schaffe, ohne dass mich ein Kollege darauf anspricht.

Kaum einer scheint den Wahrheitsgehalt der Mail zu zu hinterfragen

Was mich dabei so wundert: Kaum einer scheint den Wahrheitsgehalt der Mail zu hinterfragen, bevor er seinen Freundes- und Bekanntenkreis damit befeuert und ihn in Aufruhr versetzt.

Eine Ärztin als Absender scheint als Garant für die Stichhaltigkeit jedweder Argumente auszureichen.

Ich war mir zunächst nicht sicher, ob es diese Juliane Sacher wirklich gibt, oder ob sie ein Phantom ist. Doch sie scheint wirklich zu existieren, hat zumindest eine Praxis-Adresse und eine Telefonnummer. So mailte ich sie an – mit ein paar Worten zu meiner sehr anderen und eher positiven Einschätzung der Impfufng sowie einigen Web-Links auf meine Artikel zum Thema.

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53 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 05.12.2009, 19:40 UhrAnonymer Benutzer: Susanne Kutter

    @tralala

    Na, momentan habe ich ja nichts anderes, getan als meinen Gesundheitsblog anzukündigen, sehe noch nicht so recht, wo und wie ich da angeblich um mich schlage.

    Und das was Sie als vielleicht zuvor als "um sich schlagen" empfunden haben, ist jeweils als Kommentar gekennzeichnet - und damit als jene journalistische Form, die den persönlichen Meinungs-beitrag darstellt. in meinen Artikeln werden Sie feststellen, dass meine Meinung völlig in den Hintergrund tritt.

  • 05.12.2009, 13:02 UhrAnonymer Benutzer: Tralala

    Sehr geehrte Frau Kutter,
    können Sie nicht endlich aufhören, sich persönlich in die Forumsdiskussion einzumischen und mit ihren Hau-drauf-Methoden um sich zu schlagen? Von Professionalität ist bei ihnen kein Spur: trotz ihren (vermeintlich) so tollen Vita! Sie stellen Sich selber nur noch weiter bloß. ist ihnen das nicht klar?

  • 04.12.2009, 17:56 UhrAnonymer Benutzer: Susanne Kutter

    @Katrin Lauer

    Zur ihrem Einwand, dass ich vermutlich als Wirtschaftsjournalistin keine naturwissenschaftliche Ausbildung hätte: Da muss ich ganz vehement widersprechen.

    ich bin Diplombiologin und habe mich bewusst für den Journalismus entschieden - eben weil ich es wichtig finde, dass Menschen mit naturwissenschaftlichen Fachwissen komplexe Themen aus Medizin und biotechnik verständlich und gut lesbar darstellen, aber auch kritisch und mit Sachverstand hinterfragen können.

    Wie es dazu kam, können Sie in meiner Vita nachlesen: http://www.wiwo.de/autor/susanne-kutter/

    Und um noch einen oben drauf zu setzen: ich habe mir immer wieder in einer Art bildungs-Urlaub einen Auffrischungs-Aufenthalt in einem Top-Forschungslabor erlaubt - etwa bei der Entwicklungsbiologin und Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard - um nicht den Kontakt zu Forschern und aktuellen Forschungsergebnissen zu verlieren.

    Und dass ich übrigens tatsächlich im Austausch mit Dr. Juliane Sache stand, werden Sie mir hoffentlich glauben, wenn ich einen Teil unsers Mail-Wechsels in meinem neuen blog "Abgehorcht" (zu finden unter: http://www.wiwo.de/blogs/abgehorcht/ ) veröffentlichen werde. Dazu fehlt mir aber noch das Okay von Frau Sacher.

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