Investitionen in der Raumfahrt: Milliarden für den Mond

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Investitionen in der Raumfahrt: Milliarden für den Mond

von Andreas Menn

Forscher und Start-ups entdecken den Mond neu. Es geht um Rohstoffe, Weltraumteleskope – und Hotelzimmer mit Blick auf die Erde. Ab 2017 soll der Planet einen wahren Missionsansturm erleben.

Das Manöver, auf das er seit sieben Jahr hinarbeitet, wird Robert Böhme am Bildschirm verfolgen: Wie sein Raumschiff mit einer Rakete ins All startet, an Bord zwei ferngesteuerte Wagen, so groß wie Bobby-Cars. Wie es fünf Tage mit 36 000 Kilometer pro Stunde durchs All fliegt. Wie es schließlich sein Ziel erreicht, das Taurus-Littrow-Tal – in dem die Reste der Apollo-17-Mission liegen. Im Frühjahr 2017 soll das so weit sein und das Projekt, an dem der 29-jährige Berliner mit einem Team von Freiwilligen, den Part-Time Scientists, arbeitet, vollenden: die Landung einer privaten Mission auf dem Mond.

Ein Stück ist er diesem Erfolg gerade wieder näher gekommen: Als Sponsor und Technikpartner hat Böhme Autobauer Audi gewonnen. 30 Millionen Euro braucht er für die Mission insgesamt. Und auch jenseits des Gelds weiß Böhme: „Unheimlich viel kann schiefgehen.“ Sonnenhitze kann die Triebwerke verformen, Strahlung den Bordrechner abwürgen, Gestein die Fähre beim Landen kippen. Auf die Rover wartet feindliches Terrain. Scharfe Staubkörnchen, 1000-mal kleiner als irdischer Sand, schmirgeln sich unerbittlich in jede Lücke.

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Ab 2017 geplante Missionen auf den Mond

  • 2017

    Chandrayaan-2: Untersucht Bodenproben

    Lunar X Prize: Erster privater Rover auf dem Mond

    Chang'e 5: Bringt Bodenproben zur Erde

    DSE-Alpha (Space Adventures): Touristen-Rundflug um den Mond

  • 2018

    Moon Express: Baut zwei Teleskope
    Unbemannte Mondlandung: Erkundet den Mond
    Chang'e 4: Landet erstmals auf Mondrückseite
    Lunar IceCube: Kartiert Eisvorkommen

  • 2019

    Luna 25: Erkundet den Südpol
    Selene 2: Untersucht Mondboden

  • 2020

    Resource Prospector: Mission Gewinnt Wasser aus Gestein

  • 2020+

    Golden Spike Company: Bemannte Mondlandung
    Shackleton Energy: Treibstofffabrik auf dem Mond

  • 2021

    Luna 26: Untersucht Mondboden

  • 2023

    Luna 27: Untersucht Mondboden

  • 2024

    Exploration Mission 2: Astronauten besuchen eingefangenen Asteroiden

    Lunar Mission One: Bohrt bis zu 20 Meter tief

  • 2024+

    Bemannte Mondbasis

  • 2025+

    Bemannte Mondlandung

  • 2030+

    Bemannte Mondlandung

„Der Mond ist eine unglaublich harte Umgebung“, sagt Raumfahrtpionier Böhme. „Und genau darum wollen wir dorthin.“ Sobald die Sonde die ersten Bilder zur Erde funkt, haben die Part-Time Scientists Geschichte geschrieben: mit der ersten privaten Mission zu einem anderen Himmelskörper. 30 Millionen Dollar Preisgeld würde das geben, die Google und die kalifornische X-Prize-Stiftung ausgeschrieben haben. Der Wettlauf im All soll nicht bloß ein Medienspektakel sein – sondern das Startsignal zur kommerziellen Erschließung des Mondes.

Der Countdown läuft: Neben den Berlinern haben vier weitere Teams dank einer Finanzspritze von Google gute Chancen, im Rahmen des Lunar-X-Prize-Wettbewerbs auf den Mond zu gelangen.

Parallel dazu bietet die US-Weltraumbehörde Nasa der Wirtschaft technische Hilfe, um eine Art Paketdienst zum Mond zu entwickeln und Roboter zu bauen, die vor Ort Rohstoffe erkunden. Derzeit dürfen dafür die drei US-Start-ups Moon Express, Astrobotic und Masten Space Systems die Infrastruktur der Raumfahrtagentur nutzen.

Andere planen gar schon bemannte Missionen: Das US-Unternehmen Space Adventures will bereits 2017 zwei Touristen auf einen Rundflug um den Mond schicken – für 150 Millionen Dollar pro Ticket. Das Start-up Golden Spike entwickelt eine Landefähre für Astronauten und Touristen, die 2020 zum ersten Mal starten soll. Und die US-Gründung Shackleton Energy will aus Gestein Raketentreibstoff gewinnen.

Das mögen bisher nur Ankündigungen sein. Aber auch die großen Raumfahrtagenturen, ausgestattet mit Milliardenbudgets, haben den Mond wiederentdeckt. Weit mehr als ein Dutzend Missionen sind bis 2025 angedacht, so viele wie lange nicht mehr (siehe Grafik). Sogar eine bemannte Mondbasis ist wieder im Gespräch – auch weil die Raumstation ISS wohl 2024 außer Dienst geht.

Eine internationale Mondstation sei ein idealer Nachfolger, trommelt der deutsche Johann-Dietrich Wörner, seit Anfang Juli Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur Esa, derzeit bei jeder Gelegenheit. Auch, weil Astronauten hier alles trainieren könnten, was sie für eine bemannte Mission zum Mars lernen müssten.

Kleine Sonden, billige Missionen

In den nächsten zehn Jahren wollen Raumfahrtagenturen und Firmen die Grundlagen schaffen, um den Mond dauerhaft zu erschließen. Technische Fortschritte haben es im Vergleich zum Apollo-Programm viel leichter und preiswerter gemacht, den Erdtrabanten zu erreichen. Der Chip eines Smartphones etwa hat eine Million Mal mehr Arbeitsspeicher als der Steuercomputer der Apollo-Mondfähren.

Böhmes Raumfähre ist dadurch so rechenstark, dass sie bei der Landung mit einem Laser den Boden scannt, Steine erkennt und ausweicht.

Moderne Technik macht die Landefähre zugleich so klein und leicht, dass sie in einer preiswerten Rakete ins All fliegen kann, die sonst Satelliten transportiert. Für Unternehmen, die größere Lasten oder gar Menschen befördern wollen, stehen bis 2018 gleich zwei neue Riesenraketen bereit: die Falcon Heavy von SpaceX, der Raumfahrtschmiede von Multiunternehmer Elon Musk, und das Space Launch System der Nasa.

Neben den USA bereiten vor allem asiatische Staaten Missionen vor: Indien, China, Japan und Südkorea wollen bis 2019 jeweils eigene Rover auf den Weg bringen, die den Boden des Mondes untersuchen. China steuert mit der Mission Chang’e 4 erstmals die Mondrückseite an, Chang’e 5 soll sogar Proben zurück zur Erde bringen. Russland plant mehrere Landegeräte mit wissenschaftlichen Instrumenten an Bord, darunter auch einige von der Esa.

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