Impfung: Pflaster statt Spritze

Impfung: Pflaster statt Spritze

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Impfung

von Susanne Kutter

Im Geschäft mit Impfungen kündigt sich ein Paradigmenwechsel an: Ein neuartiges Pflaster soll das Impfen nicht nur nahezu schmerzfrei, sondern zudem deutlich wirksamer machen.

Sie hassen Spritzen? Sie haben Angst vor dem Moment, in dem die Nadel durch Ihre Haut dringt? Die Vorstellung der spitzen Nadel quält viele Menschen so sehr, dass Sie lieber auf den Impfschutz verzichten, als sich pieksen zu lassen.

Damit könnte bald Schluss sein. Denn das Wiener Impfstoffunternehmen Intercell hat eine Technik entwickelt, die ohne Nadeln auskommt: ein Impfpflaster, das die Wirkstoffe über die natürlichen Poren in die Haut abgibt. Die erste Impfung, die Intercell so verabreichen will, schützt vor den Erregern typischer Reisedurchfälle. Die letzte Testphase des weltweit einzigartigen Impfpflasters hat im Oktober 2009 begonnen. Läuft alles nach Plan, kommt es in zwei bis drei Jahren auf den Markt, sagt Intercell-Chef Gerd Zettlmeissl: „Gerade bei einer Reiseimpfung wäre es praktisch, endlich von der Nadel wegzukommen.“

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Dieses erste Impfpflaster ist aber nur der Auftakt zu einem Paradigmenwechsel in der Welt der Schutzimpfungen. Denn die Technik eignet sich grundsätzlich für jeden vorbeugenden Impfschutz – sowohl bei bereits bestehenden Impfungen als auch bei neuen Entwicklungen. So schielen auch die großen Pharmaunternehmen nach der schmerzlosen Zukunftstechnik, die zudem noch mehr Wirksamkeit verspricht. Und das 1998 gegründete Unternehmen Intercell, das von Experten als eines der spannendsten unabhängigen Impfstoffunternehmen weltweit bezeichnet wird, hat selbst noch eine Reihe hochinteressanter Impfstoffkandidaten im Programm, die sich verpflastern lassen.

Kooperation mit GlaxoSmithKline

Tatsächlich beschäftigt die Ausgründung der Universität Wien am „Vienna Biocenter“ heute gut 400 Mitarbeiter aus 30 Ländern und ist auch am Kapitalmarkt sehr erfolgreich: Gerade feierte sie ihr fünfjähriges Jubiläum an der Börse, wobei sich der Unternehmenswert seither von damals 181 Millionen auf heute 1,12 Milliarden Euro mehr als versechsfacht hat.

Um die gesamte Impfstoffwelt allerdings zu einem Abschied von der Nadel zu bewegen, reicht die Marktmacht der Wiener noch lange nicht. „Solch eine grundlegend neue Technik in einem Massenmarkt zu etablieren geht nur mit einem starken Partner“, sagt Intercell-Lenker Zettlmeissl.

Kurz vor Weihnachten wurde Intercell mit GlaxoSmith-Kline (GSK) – einem der weltgrößten Impfkonzerne – handelseinig: GSK sicherte sich mit einem 117,6 Millionen Euro schweren Kooperationsabkommen den Zugriff auf das Impfen ohne Nadel. Und Intercell hat einen potenten Partner gefunden, um den weltweit 22 Milliarden US-Dollar großen Impfstoffmarkt auf eine neue Verabreichungstechnik umzustellen. Denn GSK ist mit seinen 25 verschiedenen Vakzinen – vom Sechsfachimpfstoff für Säuglinge und Kinder bis zum Grippeschutz für alte Menschen – in allen Ländern und allen Altersgruppen vertreten.

Schmerzfrei Impfen

Die Manager des Großkonzerns hoffen, dass sich sehr viel mehr Menschen impfen lassen, wenn das Pieksen entfällt. Zwar hegen in den Industrienationen immer mehr Menschen auch ganz grundsätzliche Bedenken gegen das Impfen – vor allem die jüngere Generation, die selbst als Kinder gegen gefährliche Erreger geimpft wurde. Denn wer nicht miterlebt hat, dass Schulkameraden an Masern erblinden, mit Kinderlähmung im Rollstuhl sitzen oder an Wundstarrkrampf sterben, verliert leicht den Blick für die Gefahr, die von vermeintlich harmlosen Kinderkrankheiten ausgeht. Zumal das markerschütternde Geschrei, das viele Kleinkinder beim Impfen veranstalten, viele Eltern beim Abwägen für oder gegen das Impfen beeinflusst. Und auch bei Erwachsenen gibt es neben den krankhaft unter Spritzen-Phobie Leidenden noch all jene, die den Nadelstich zumindest als unangenehm empfinden.

Die neue Pflastertechnik ist dagegen völlig schmerzfrei. Der Arzt raut lediglich die oberste Hornhautschicht auf, damit die Wirkstoffe optimal eindringen können. Dann klebt er das matt durchsichtige Kunststoffpflaster darauf, das etwas größer ist als eine Zwei-Euro-Münze. In seiner Mitte ist der Impfstoff aufgetragen, der nach dem Trocknen mit einem PET-Polyesterfilm beschichtet wurde. Durch diesen Film hindurch wandert die Impfsubstanz in gut sechs Stunden in die Haut – und zwar in deren oberste Schichten.

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