Dow-Chemical-Manager: Wasserstoffspeicher, groß wie der Kölner Dom

InterviewDow-Chemical-Manager: Wasserstoffspeicher, groß wie der Kölner Dom

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Ralf Brinkmann, Deutschland-Chef des US-Chemieriesen Dow Chemical: "Füllen wir nur eine Kaverne mit Wasserstoff, genügt das, um 480.000 Haushalte einen Monat lang mit Strom zu versorgen."

von Benjamin Reuter und Sebastian Matthes

Wie Wasserstoff als Energiepuffer, Kohlekraft und bezahlbarer Strom zusammenpassen? Das erklärt der Vorstandschef des Chemieunternehmens Dow Deutschland, Ralf Brinkmann.

Herr Brinkmann, haben Sie Angst vor den nächsten Monaten?

Brinkmann: Wieso sollte ich?

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Sie sind mit Dow einer der größten Stromverbraucher in Deutschland, und sowohl Bundesumweltminister Peter Altmaier als auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler wollen energieintensive Industrien jetzt stärker an der Energiewende beteiligen. Erschreckt Sie das?

Ja, denn wir sind bei den Strompreisen schon jetzt am Limit. Der Anteil der Energiekosten an unseren Herstellungskosten ist, verglichen mit anderen Industrien, besonders hoch. Das Umweltministerium nimmt an, wir würden von niedrigen Börsenstrompreisen profitieren und hätten noch ungenutzte Effizienzpotenziale. Beides ist falsch. Tatsächlich sind die Kosten für die langfristigen Lieferverträge, mit denen wir arbeiten müssen, gestiegen. Und in der chemischen Industrie haben wir heute schon die energieeffizientesten Anlagen und die beste Rohstoffausbeute – da geht kaum noch etwas.

Privates Kraftwerk Fünf Wege zur Stromproduktion im Eigenheim

Die Energiekosten verschlingen immer größere Teile des Budgets. Viele Hausbesitzer wollen sich von der Preispolitik der Versorger unabhängig machen. Aber wie viel Strom und Wärme können sie wirklich selbst erzeugen?

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Halten Sie das Prinzip für falsch, die Last der Energiewende auf alle zu verteilen?

Die Finanzierung der Energiewende ist ohne Frage eine schwierige Aufgabe. Ich muss aber deutlich sagen: Für die energieintensiven Unternehmen sind Eingriffe in die bestehende Regelung existenzgefährdend. Dow zahlt jetzt schon einen dreistelligen Millionenbetrag für Energie. Jeder Aufschlag geht zulasten der Wettbewerbsfähigkeit.

Sie wollen sich also nicht stärker an den Kosten der Energiewende beteiligen?

Wir sind doch schon jetzt stark beteiligt: Der EU-Emissionshandel, das Energiesteuergesetz, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz haben die deutsche Chemieindustrie im vergangenen Jahr mit mehr als 1,1 Milliarden Euro belastet.

Ist Dow in Deutschland überhaupt noch konkurrenzfähig? Was sagt Ihre Konzernspitze in den USA zur Energiewende?

Natürlich machen sich die Kollegen in der Zentrale Gedanken, wie wettbewerbsfähig ihre Standorte sind. Vor allem bei den derzeit sehr niedrigen Preisen für Strom und Gas in den USA und im Mittleren Osten. Wenn ich eine Investition in Deutschland plane, dann kommen ganz konkrete Fragen nach den langfristigen Rahmenbedingungen.

Was konkret wollen Ihre Chefs wissen?

Zum Beispiel, wie sich die Strompreise in Deutschland entwickeln und ob es genug Leitungen gibt, um den Strom von den Erzeugern zu den Verbrauchern zu bringen. Wenn wir über eine für den globalen Markt ausgelegte Chemieanlage reden, kostet die schnell eine halbe Milliarde Euro. Für solche Investitionen will die Zentrale Planungssicherheit.

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