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Privates KraftwerkFünf Wege zur Stromproduktion im Eigenheim

Die Energiekosten verschlingen immer größere Teile des Budgets. Viele Hausbesitzer wollen sich daher mit neuen Technologien von der Preispolitik der Versorger unabhängig machen. Aber wie viel Strom und Wärme können sie mit Sonne, Wind und Blockheizkraftwerk wirklich selbst erzeugen? Fünf Systeme im Test.Dieter Dürand 18.02.2013 - 20:01 Uhr

Die Wärme bleibt drin - Passivhäuser wie dieses kommen ohne klassische Heizung aus

Foto: Presse

So viel Andrang war nie. Sobald der Minutenzeiger am Wochenende gegen elf Uhr rückt, füllt sich der Parkplatz in Köln-Frechen, nicht weit von der Autobahn nach Aachen. Keine Viertelstunde später ist er rappelvoll. Viele junge Familien sind unter den Besuchern. Mit Kinderwagen und zeternden Kleinkinder rücken sie an – sogar an kalten Winterwochenenden. Sie kommen, um sich die Mustersiedlung aus 24 Fertighäusern anzusehen, die alle extrem energieeffizient gebaut sind.

Vor allem die sogenannten Plusenergiehäuser haben es den jungen Familien angetan. Denn sie wissen: Wenn sie wirklich für ihre Zukunft vorsorgen wollen, müssen sie nicht nur fürs Alter sparen. Sie müssen auch in ein energiesparendes Eigenheim investieren. Denn Strom, Gas und Heizöl werden immer teurer. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Solarzellen gehören in der Stadt von Morgen zu den wichtigsten Technologien bei der Energiegewinnung. Die Integration in die Gebäudehüllen spart Material und verbilligt den Sonnenstrom.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

Foto: WirtschaftsWoche

Strom erzeugende Straßen gehören zu der Vision des amerikanischen Startup Solar Roadways. Die Oberfläche besteht aus einem extrem harten Glas, darunter befinden sich Solarzellen.

Im US-Bundesstaat Idaho wurde so der erste Strom erzeugende Parkplatz aus Solarmodulen gebaut.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

Foto: WirtschaftsWoche

Durch transparente Farbstoffsolarzellen können zusätzlich Fassadenflächen zur Energiegewinnung genutzt werden. Das australische Solarunternehmen Dyesol und der US-Glashersteller Pilkington wollen bereits in wenigen Jahren damit beginnen, Glas mit Solarzellen aus Farbstoffen zu bedrucken.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

Foto: WirtschaftsWoche

Einzelne Haushalte können sich zukünftig durch Kleinwindräder, die sich leicht auf Hausdächern und an Balkonbrüstungen montieren lassen, mit Strom versorgen.

Der Branchenverband RenewableUK rechnet damit, dass in England bis 2020 Kleinwindräder mit einer Gesamtleistung von 1,3 Gigawatt installiert sein werden - so viel wie ein großes Atomkraftwerk derzeit produziert.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

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Elektroautos könnten in den zukünftigen Megacities direkt am Parkplatz aufgeladen werden - durch Windenergie. Sanya Skypump heissen diese Windturbinen, die vom New Yorker Kleinwindanlagen-Startup Urban Green Energy entwickelt wurden.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

Foto: WirtschaftsWoche

Selbst Biomasse lässt sich in den Städten zur Energiegewinnung nutzen. Durch Fermentierungsanlagen wird aus dem angefallenen Müll Biogas erzeugt - womit sich wiederum gasbetriebene Fahrzeuge antreiben lassen. Zudem...

Illustration: Javier Martinez Zarracina

Foto: WirtschaftsWoche

...lässt sich das gewonnene Biogas problemlos in das Gasleistungsnetz mischen. So können auch hocheffiziente Blockheizkraftwerke betrieben werden, die dann in den Kellern von Gebäuden Wärme und Strom erzeugen.

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Selbst Algen lassen sich in der Megacity zur Treibstoffgewinnung nutzen. In speziellen Tanks, die auf Dächern oder Grünflächen montiert werden könnten, werden Miniorganismen gezüchtet, die dann mit chemischen Methoden in Öl oder Gas umgewandelt werden. Wissenschaftler der Uni Bielefeld testen momentan eine Methode, bei der Algen aus Sonnenlicht und Wasser Wasserstoff produzieren. So kann umweltfreundlicher Treibstoff gewonnen werden, mit dem...

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Foto: WirtschaftsWoche

...Brennstoffzellenautos angetrieben werden können, die in der Megacity von Morgen zum normalen Stadtbild gehören. Luftverschmutzung und Smog könnte so entgegengewirkt werden.

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Auch die Wasserkraft soll in die urbanen Zentren zurückkehren - durch schwimmende Bojen, die mithilfe der Flussströmung Strom erzeugen. Das österreichische Startup Aqua Libre hat solche Strom-Bojen entwickelt - 2013 sollen sie in Serienfertigung gehen.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

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Ein wichtiges Kriterium beim Energie-Management der Städte der Zukunft ist es, Energie nicht nur zu erzeugen, sondern auch wieder zu verwerten. So hat das Schweizer Unternehmen Rabtherm ein Kanalrohr entwickelt, dass die Wärme des Schmutzwassers auf einen Wasserkreislauf in einer zweiten Rohrleitung überträgt. Durch einen Wärmetauscher wird die gewonnene Energie in eine nahegelegene Gebäudeheizung gespeist - 70 Prozent des Heizöls sollen somit gespart werden.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

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Wärme kann sogar auf Rädern verschickt werden. So hat das Dortmunder Startup LaTherm einen Container entwickelt, der mit Wärmespeichermaterial gefüllt ist. Abwärme von Gebäuden, die bisher ungenutzt durch den Schornstein ging, kann auf diese Weise gesammelt und wiederverwertet werden. In Dortmund wird so die Abwärme einer Deponiegasanlage dazu verwendet, die Heizungsanlage eines nahegelegenen Schwimmbads zu speisen.

Illustration: Javier Martinez Zarracina

Foto: WirtschaftsWoche

Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt musste vergangenes Jahr Monat für Monat knapp 300 Euro hinblättern, um es warm und hell zu haben – fast doppelt so viel wie im Jahr 2000. Aber das ist nur ein Zwischenstand: Heizöl wird nach einer Prognose der Verbraucherzentrale NRW bis 2020 um 59 Prozent teurer, Erdgas um 35 Prozent. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young erklärt die Angst der Bundesbürger vor den galoppierenden Energiepreisen in einer jüngsten Konsumstudie "zur Gefahr für die Konjunktur".

Heizen macht arm - Anstieg der jährlichen Brennstoffkosten bis 2020 (Prognose, in Euro)

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Foto: WirtschaftsWoche

Da wundert es nicht, dass Mieter und Hauseigentümer fast schon verzweifelt nach Möglichkeiten suchen, der Preislawine zu entkommen. Fast jeder zweite Deutsche dreht bereits die Heizung herunter und trägt lieber einen Pulli mehr. Das ergab eine Umfrage der Prüforganisation Dekra. Und: 80 Prozent der Befragten geißeln die Energiekonzerne als Preistreiber.

So eint die Deutschen mehr noch als ihr Sparwille der Wunsch, sich von der Preispolitik der Versorger unabhängig zu machen: Rund zwei Drittel würden laut den Marktforschern von TNS Emnid ihren Strom und ihre Wärme gern selbst produzieren. Bevorzugt aus erneuerbaren Quellen. Deren Anteil an der Energiebereitstellung hat sich seit 2000 mehr als verdoppelt – von knapp 100 auf gut 250 Milliarden Kilowattstunden.

Erneuerbare legen zu - Bereitstellung von Strom und Wärme aus regenerativen Energien in Deutschland

(zum Vergrößern bitte anklicken!)

Foto: WirtschaftsWoche

Deshalb drängeln sich viele der Besucher der Kölner Musterhaus-Siedlung in Haus 10. Es ist eines dieser Plusenergiewunder, die dank einer Solaranlage übers Jahr gerechnet mehr Kilowattstunden erzeugen, als ihre Bewohner verbrauchen – und die weder einen Gasanschluss noch einen Öltank benötigen.

Und selbst in sonnenarmen Zeiten, so versprechen die Verkäufer des Fertighausherstellers Weberhaus, werden allenfalls monatlich 40 Euro für Strom fällig, den die Hausbesitzer beim Versorger zukaufen müssen. Ein Bruchteil dessen, was viele heute zahlen.

Das Energieplus ist möglich, weil die Häuser extrem gut isoliert sind und selbst bei strenger Kälte nur wenig beheizt werden müssen. Das übernimmt eine Wärmepumpe, die alle Räume über eine zugfreie Frischluftanlage individuell temperiert und zudem das Badewasser erwärmt. Eine klassische Heizung hat das Haus nicht.

Traditionelle Erzeuger

Die Zusammensetzung des Strompreises besteht einerseits aus den sogenannten "alten Energien", also traditionellen Erzeugern, die Kohle, Erdgas oder Kernbrennstoff in Strom umsetzen. Die Einkaufspreise für den genutzten Rohstoff variieren, so kostete etwa eine Tonne Steinkohle auf dem Weltmarkt im Jahr 2011 123,90 Dollar und eine Kilowattstunde Erdgas 0,263 Euro. Neben diesen Ankäufen fallen für Erzeuger die mit fossilen Kraftwerken arbeiten ebenfalls CO2-Abgaben an, die im Jahr 2011 durchschnittlich 11,45 Euro pro Tonne betrugen.

Foto: dapd

Neue Energien

Das andere Standbein des Strompreises sind neue Energien aus regenerativen Quellen wie Wind, Biomasse und Sonne. Sie erhalten eine Förderung aus der EEG-Umlage, die jeder Stromverbraucher entrichtet. Grüner Strom wäre ohne diese Förderung auf dem Strommarkt derzeit noch längst nicht Konkurrenzfähig und wird deshalb von den Netzbetreibern an der Börse vermarktet.

Sowohl traditionelle als auch grüner Erzeuger übermitteln ihre Angebote an die Strombörse.

Foto: REUTERS

Strombörse

An der Strombörse wird tagesaktuell der Strompreis mittels Angebot und Nachfrage ermittelt. Er setzt sich zu 30% aus Spitzenlaststrom - der bei hoher Leistungsnachfrage zu 0,069 Euro pro Kilowattstunde von speziellen Kraftwerken erzeugt wird - und zu 70% aus Grundlaststrom - mit einem Preis von 0,056 Euro die Kilowattstunde - zusammen.

Foto: dpa

Verschiedener Strom

Der günstige Grundlaststrom deckt üblicherweise den normalen Tagesbedarf an Strom rund um die Uhr ab, lediglich zu Stoßzeiten wird der teurere Spitzenlaststrom benötigt. Bei einer übliche Zusammensetzung - bei dem Verhältnis von 30% zu 70% - ergab sich im Jahr 2011 ein Börsenpreis von etwa 6 Cent pro Kilowattstunde.

Foto: dpa

Endverbraucher

Die Endverbraucher zahlen unterschiedlich viel für ihren Strom. Der Preis pro Kilowattstunde richtet sich danach, auf welcher Spannungsebene die Elektrizität geliefert wird und wie viel an zusätzlichen Abgaben - beispielsweise auch Steuern - anfällt. Tendenziell zahlen Haushalte am meisten, industrielle Großverbraucher am wenigsten.

Im Jahr 2011 betrug der Strompreis pro Kilowattstunde für...
- die energieintensive Industrie 6,08 Cent (bei 0,05 Cent EEG-Abgabe),
- für die Industrie zwischen 8,15 Cent und 11,63 Cent (bei 0,05 Cent bis 3,53 Cent EEG-Abgabe),
- für Gewerbe und Dienstleistungen 19,29 Cent (inklusive 3,53 Cent EEG-Abgabe),
- für private Haushalte 25,45 Cent (bei ebenfalls 3,53 Cent EEG-Abgabe).

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EEG-Umlage

2011 bezahlte beispielsweise die energieintensive Industrie 37 Millionen Euro; Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen und private Haushalte jeweils 4,5 Milliarden. Die EEG-Umlage gleicht damit die Differenz zwischen dem Börsenpreis und den garantierten Vergütungen der Grünstromerzeuger aus. Die Einnahmen aus der EEG-Umlage werden verwendet, um die erneuerbaren Energien zu fördern und auszubauen.

Foto: dpa

Verbrauch halbieren
Geräte ausschalten
Lampen austauschen
Wasser sparen
Heizung optimieren
Kühlschrank ersetzen

Solche idealen Voraussetzungen erfüllen aber nur wenige Gebäude. Die gute Nachricht: Er gibt auch für sie Lösungen. Das Angebot an Kraftwerken fürs eigene Heim war nie größer als heute.

Wie unabhängig sie die Hausbesitzer wirklich machen und welche Techniken sich für wen rechnen, hat die WirtschaftsWoche zusammen mit den Experten der Energieagentur NRW ausgerechnet. Und auch Mieter sind nicht machtlos. Sie können ihre Energieausgaben immerhin halbieren.

Blick aus der Röhre

Viele Bergfans wollen am liebsten im Einklang mit der Natur wandern. Wenn es aber im Hochgebirge abends kalt wird, benötigen sie nicht nur Schutz, sondern sie verbrauchen oft auch Kerosin, Gas oder Batterien für ihre Kocher. Eine überlebenssichernde und umweltfreundliche Übernachtungsmöglichkeit bietet jetzt die italienische Designfirma Leap-Factory. Ihre röhrenartige, schnee- und sturmsichere Mini-Lodge ist im Schnitt 3,5 Meter breit, acht Meter lang und 2,80 Meter hoch. In ihr sind Tische, Stühle, Toiletten und Waschbecken installiert. Nach Bedarf gibt es Kojenplatz für zwei bis zwölf Personen. Dafür dass es bei traumhafter Aussicht auf Himmel und Berge warm bleibt, sorgt die Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Das Handicap: Mindestens 200 000 Euro kostet die 2500 Kilogramm schwere und mehrmodulige Schlafkapsel. Damit sich der Aufwand rechnet, bleibt das Biwak mehrere Wochen auf dem Berg und kann von verschiedenen Wanderern benutzt werden.

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Sonnengrill statt Feuerstelle

Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA wollen den ultimativen Traum aller grünen Barbecue-Fans Realität werden lassen: Sie entwickeln einen Grill, der Hitze mithilfe von Sonnenenergie erzeugt, Wärme speichern kann und dadurch sogar nachts funktioniert. Ihr Prototyp baut auf einer Technologie von MIT-Professor David Wilson auf: eine spezielle, besonders leichte Linse bündelt das Sonnenlicht, das in Lithiumnitrat-Zellen gespeichert wird. Mit der Hitze der Wärmespeicher lassen sich dann Steak und Wurst grillen. Vor allem aber ist der „Cooker“ laut Wilson als umweltfreundliche und energiesparende Alternative zu den offenen Holzfeuern gedacht, die die Menschen in Entwicklungsländern als Kochstelle nutzen. Jeden Tag verbrennen weltweit mehr als drei Millionen Tonnen Feuerholz unter Töpfen und Pfannen. Vor allem in afrikanischen Regionen wird das Holz knapp. Wilsons Grill speichert Sonnenenergie für 25 Stunden und heizt auf über 230 Grad hoch. Solargrills mit derartiger Kapazität gab es zuvor nicht.

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Wirbel-Säule

Frischer Wind aus Bayern: Das Unternehmen MRT Wind hat eine neues Minikraftwerk für den Zuhause-Gebrauch entwickelt. Das Besondere: Das 2,50 Meter hohe Windrad dreht sich nicht wie die üblichen Propeller-Systeme um die Horizontalachse, sondern um die Vertikalachse. „Dadurch kann man unabhängig von der Windrichtung Strom erzeugen“, erklärt Geschäftsführer Neil Cook. Ab einer Windgeschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde gewinne die Anlage Energie. Die Miniwindräder sind nach Herstellerangaben lautlos und lassen sich genehmigungsfrei installieren. Die ersten Testgeräte sind in Betrieb. Preis: ab 7000 Euro pro Stück.

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Leselicht in Hülle und Fülle

Der US-Hersteller SolarFocus bringt Licht ins Dunkle des E-Readers von Amazon: Mit einer leuchtenden Hülle namens Solar Kindle Lighted Cover. Sie schützt das Gerät nicht nur vor Kratzern, sondern bietet dem E-Reader auch eine netzunabhängige Notstromversorgung sowie eine LED-Leselampe. Damit lässt sich der Kindle nun auch in absoluter Dunkelheit nutzen. Gespeist wird das Licht aus einem eingebauten Akku, der über die Solarzellen auf der Außenseite der Hülle geladen wird. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, eine der weltweit größten Messen für Unterhaltungselektronik, ist die Hülle als eine der besten Innovationen 2012 in der Kategorie nachhaltige Technologien ausgezeichnet worden. Schon nach acht Stunden Sonnenlicht, so verspricht der Hersteller, habe die Batterie genug Saft, um dem Kindle drei Tage Strom zu liefern. Kosten: rund 80 Dollar.

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Insel-Lösung in der Südsee

Es könnte ein Entwurf des US-Verpackungskünstlers Christo sein. Tatsächlich haben sich japanische Architekten der Shimizu Corporation diese überdimensionale Seerosenstadt ausgedacht – mit kompletter Infrastruktur und üppiger Vegetation. In der Südsee auf der Höhe des Äquators soll die klimafreundliche, selbstversorgende Trauminsel schwimmen. Dort gibt es viel Sonne und kaum Taifune. Das Fundament soll aus wabenförmigen, mit Wasser und Luft gefüllten Betonröhren bestehen, um so der Insel Auftrieb und Stabilität zu verschaffen. Die Technik haben die Japaner bereits bei schwimmenden Bohrinseln erprobt. Jede ihrer sogenannten grünen Flossen hat einen Durchmesser von drei Kilometern und einen Hauptwohnbezirk mit einem kelchartigen, 1000 Meter hohen Wohn- und Arbeitsturm, in und um den herum 40.000 Menschen wohnen sollen. 350 Hektar Nutzfläche bleiben den Bewohner, um ihre Lebensmittel zu produzieren. Baubeginn soll 2050 sein.

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Stadt-Tomaten

Weil es Kosten und Energie spart, erobert die Landwirtschaft die Innenstädte. In Deutschland soll nun „inFarming“ beginnen, ein Erntesystem fürs Büro, in dem Pflanzen vom gereinigten Abwasser und der Abwärme der Gebäude gedeihen. „Wir wollen Dächer für den Anbau von Gemüse nutzen“, sagt Volkmar Keuter, der verantwortliche Leiter am Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik. Die Idee: Nach dem Job erntet der Angestellte noch im Gewächshaus auf dem Bürodach sein Gemüse. Auf einem Viertel der 1200 Millionen Quadratmeter deutschen Büroflachdächer könnten die Pflanzen gedeihen, rechnet Keuter vor. Sie würden in Städten jährlich rund 28 Millionen Tonnen CO2 binden. Das entspreche 80 Prozent der CO2-Emissionen von industriellen Betrieben in Deutschland. Erste Versuche laufen derzeit im Fraunhofer-Testhaus für neue Gebäudesysteme in Duisburg.

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Superunkräuter und Powerwanzen

Gentechnisch veränderte Pflanzen schaden Bauern mehr als sie nutzen. Das ist das Fazit einer Studie von 20 führenden Umwelt- und Verbraucherschutzvereinigungen aus aller Welt, die auch Regierungen beraten. Dabei waren die Verheißungen groß: schmackhaftere Erdbeeren, weniger Unkrautvernichtungsmittel und höhere Erträge für Raps, Mais, Soja und Baumwolle. Sogar Welthunger, Klima- wandel und Bodenerosion sollten die Pflanzen zurückdrängen, deren Erbgut Biologen im Labor gezielt verändert haben. „Doch keines der Versprechen, das die Hersteller vor 20 Jahren zur Einführung der vermeintlichen Wunderpflanzen gaben, haben sie erfüllt“, heißt es in der Studie.

Stattdessen leiden Bauern unter negativen Auswirkungen: In Brasilien und Argentinien setzen sie auf ihren Feldern heute doppelt so viel Unkrautvernichtungsmittel ein wie auf konventionellen Feldern; auf Indiens Baumwollfeldern ist der Einsatz von Pestiziden sogar um das 13-Fache gestiegen. In China hat sich durch den Anbau von gentechnisch veränderter Baumwolle eine an sich harmlose Population von Wanzen verzwölffacht und bedroht jetzt die Pflanzen. In den USA, wo die meisten genmanipulierten Pflanzen wachsen, fördert ihr Anbau die Ausbreitung von Superun-kräutern, die Unkrautvernichtungsmitteln widerstehen.

Die drei großen Saatgutunternehmen Monsanto, Dupont und Syngenta kontrollieren heute mehr als zwei Drittel der weltweiten Saatgutverkäufe. Monsanto hat zudem 95 Prozent des indischen Saatgutmarktes für Baumwolle im Griff. Die Folge: Die Preise steigen stetig.

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Erneuerbare Energien

11 Milliarden Euro haben die Deutschen beim Import von Brennstoffen wie Öl und Gas durch erneuerbare Energien 2011 eingespart. Ihr Anteil an der Stromversorgung lag im Jahr 2011 bei rund 20 Prozent. Das ergab eine Studie des Bundesverbandes Erneuerbare Energie.

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1. Starkes Quartett

Es ist ein Wetter ganz nach Herbert Mauerers Geschmack. Die Sonne am fast wolkenlosen Winterhimmel über seinem 340 Quadratmeter großen Wohn- und Geschäftshaus in Pemfling-Löwendorf, unweit von Cham an der Grenze zu Tschechien, spornt seine Solarstromanlage zu Höchstleistungen an. Eine frische Brise dreht zudem das Windrad auf dem Dach und erntet zusätzliche Kilowattstunden.

Jetzt um die Mittagszeit sind es zusammen mehr, als Computer, Drucker, Kühlschrank und andere Haushaltsgeräte verbrauchen. Mit dem Überschuss füllt er einen Lithium-Ionen-Akku im Keller, damit er auch nach Einbruch der Dunkelheit noch selbst produzierten Strom hat. Die Kapazität des 20,5 Kilowattstunden fassenden Akkus reicht, um vollgeladen bis zu drei sonnenlose Tage zu überbrücken.

Ab September müssen Staubsauger ein Energielabel tragen, so wie Waschmaschine und Kühlschrank auch. Die EU-Regelung soll es einfacher machen, energiesparende Geräte zu erkennen. Ab September dürfen die Geräte maximal 1600 Watt verbrauchen, bis 2017 soll diese Grenze auf 900 Watt herabgesetzt werden. Zusätzliche hinweise auf dem Label informieren den Kunden, für welchen Bodenbelag der Sauger geeignet ist. Wichtig ist für Experten allerdings nicht nur die Watt-Zahl, sondern auch die Saugleistung. Muss länger gesaugt werden, ist die Energieersparnis durch geringeren Stromverbrauch hinüber. Deshalb sei das Label kaum mit den Energieeffizienzklassen anderer Geräte zu vergleichen.

Wenn Sie vorhaben, sich einen neuen Staubsauger anzuschaffen, achten Sie nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf die Saugleistung. Diese wird durch die Art des Motors, Saugrohr und vorhandene Filter beeinflusst. Viele Händler bieten mittlerweile "Versuchsparcours" an, auf denen man die Staubsaugermodelle testen kann.

Staubsauger, die bis Ende des Monats in den Handel kommen, werden das Label vorerst nicht bekommen und dürfen auch ohne dieses verkauft werden.

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Für Filter-Kaffeemaschinen mit einer Isolierkanne soll der EU zufolge eine Wartezeit von fünf Minuten gelten. Bei Maschinen ohne Isolierbehälter ist eine Wartezeit von maximal 40 Minuten geplant. Die Hersteller können der Kommission zufolge aber entscheiden, ob sie es den Verbrauchern ermöglichen, die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion wieder abzustellen. „Die Einschränkungen für den Verbraucher sind sehr, sehr gering. Kaffee, der 40 Minuten in der Glaskanne steht, schmeckt ohnehin nicht mehr“, sagte Scholz. Vorteile für die Verbraucher seien Einsparungen beim Stromverbrauch und damit bei den Kosten.

Der Bund der Energieverbraucher schätzt die Einsparungen auf etwa 60 Euro im Jahr, wenn täglich drei Kannen Kaffee gekocht und diese insgesamt acht Stunden warmgehalten werden. „Existierende Modelle, die automatisch abschalten, kosten kaum so viel wie der Warmhaltestrom eines Jahres“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters der dpa. „Wir bekommen die Energiewende nicht hin, ohne Strom zu sparen.“

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Kaffeemaschinen sind nur ein Beispiel für den unnötigen Stromverbrauch im Haushalt. Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Wer geben zehn Tipps, wo und wie Sie in Zukunft Strom im Haushalt sparen können.

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Eco-Programme beim Spülen benutzen

Mit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10 der größten Stromfresser im Haushalt. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens trotzdem günstiger als Handspülen: Im Geschirrspüler werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird und dass das Geschirr nicht zusätzlich von Hand vorgespült wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie. Bei geringerer Temperatur wird das Geschirr dank längerer Spülzeiten genauso sauber wie in "Normal"-Programmen.

Datengrundlage des Rankings: Energieagentur NRW: "Wo im Haushalt bleibt der Strom?"; in der Studie wurde 2011 unter anderem der Stromverbrauch von Ein- bis Sechs-Personen-Haushalten untersucht. Bei allen Punkten gilt: Es handelt sich um Durchschnittswerte. Je nach eingesetzter Technologie, Handhabung, Haushaltsgröße und -zusammensetzung kann der Stromverbrauch im individuellen Zuhause erheblich abweichen.

Tipps zum Energiesparen: Eigene Recherche und Umweltbundesamt-Broschüre "Energiesparen im Haushalt", die als PDF heruntergeladen werden kann.

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Moderne Umwälzpumpen lohnen sich

Die elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit durchschnittlich 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen.

Von den Stromkosten abgesehen (ein Sonderfall sind alte Nachtstromspeicheröfen) macht das Heizen mit 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch des HAushalts den größten Anteil aus. Ohne große Investitionen in eine neue Heizungsanlage kann man auch hier mit einigen Tricks viel Energie sparen. Ihre Heizung sollten Sie im Idealfall nicht durch Möbel zustellen. Achten Sie beim Lüften darauf, die Heizung immer aus zu machen. Die Raumtemperatur sollte zudem auf maximal 20 Grad Celsius eingestellt sein - jedes Grad weniger spart Energie. Moderne Thermostatventile können die Raumtemperatur auch konstant auf dem gewünschten Wert halten, wenn mal die Sonne durchs Fenster scheint. So wird ein überheizen der Räume und Verlust teurer Heizenergie durch zusätzliches Lüften vermieden. Laut Umweltbundesamt können so vier bis acht Prozent Heizenergie gespart werden.

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Trocknen: Nichts ist preiswerter als Sonne und Wind

Beim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für Sie erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen, das so auf Rang acht landet. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden.
Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet, also zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen.
Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft.
Beim Trocknen der Wäsche im Raum gilt: Der Raum muss unbeheizt und gut gelüftet sein - sonst droht Schimmelbefall. Wäsche im beheizten Wohnraum zu trocknen, ist nicht sinnvoll, denn durch das zusätzliche Stoßlüften um die Feuchtigkeit abzutransportieren geht viel wertvolle Heizenergie verloren.

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Alte Haushaltsgeräte durch neue ersetzen

Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalt-Stromverbrauchs aus und landen sie auf Platz sieben der größten Stromfresser. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Ab 2014 kommen auch Energieeffizienzklassen-Kennzeichnungen für Staubsauger.
Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz aber auch Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd.

In der Regel gilt die Devise: Setzen Sie die Verschwender vor die Tür. Gerade bei Haushaltsgeräten macht es sich in Sachen Strombilanz bezahlt, alte Geräte gegen neue Technologien einzutauschen.

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Keine überdimensionierten Kochplatten verwenden

Mit durchschnittlich 9,0 Prozent des Stromverbrauchs schlägt das Kochen zu Buche und landet so auf Rang sechs. Je nach eingesetzter Technologie kann der Anteil natürlich auch hier erheblich schwanken, so verbrauchen Omas gute alte Massekochplatten erheblich mehr Strom, als ein modernes Cerankochfeld oder gar ein Induktionskochfeld. Übrigens: Der Topf sollte, im Gegensatz zur Abbildung, immer möglichst genau auf die Herdplatte passen, um Energieverschwendung zu vermeiden. Und ohne Deckel auf dem Topf verbraucht man gleich das Dreifache an Energie. Damit man den Deckel während des Kochvorgangs nicht häufig abheben muss, um den Kochvorgang zu beurteilen, ist ein Glasdeckel praktisch. Kleine Mengen Wasser können Sie auch mit Hilfe eines Wasserkochers erhitzen. Das geht schneller und verbraucht deshalb auch weniger Strom. Mit ein wenig Übung kann die Energiezufuhr auch schon vor dem Ende der Garzeit erheblich reduziert oder ganz abgeschaltet werden. Nudeln müssen nicht bis zum Erreichen des Garpunkts in kochendem Wasser schwimmen, Reis kann auch auf der abgeschalteten Herdplatte oder in eine dicke Decke gewickelt ausquellen. Grundsätzlich sollte immer so wenig Wasser wie möglich erhitzt werden. Nutzen Sie einen Schnellkochtopf, wenn Sie Gerichte mit langen Garzeiten zubereiten.

Viele heizen den Backofen vor Benutzung vor. Darauf sollten Sie in Zukunft verzichten. Statt die Einstellung Ober- und Unterhitze lieber die effizientere Umluft-Lösung wählen. Hier kann die Betriebstemperatur im Schnitt 20 bis 30 Grad Celsius niedriger sein. Prüfen Sie auch, ob Sie mehrere Gerichte gleichzeitig in die Röhre schieben können. Und unterschätzen Sie die Restwärme nicht. Stellen Sie den Backofen ungefähr 15 Minuten vor Ende der Garzeit aus, denn allein die Nachwärme genügt für viele Gerichte wie etwa Aufläufe zum fertiggaren.

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Die Glühlampe als Relikt vergangener Zeiten

Ein immer seltener werdender Anblick: Die Glühlampe. Nicht ohne Grund werden sie in der EU per Gesetz verbannt, denn sie wandeln gerade einmal fünf Prozent des eingesetzten Stroms in Licht um - der Rest geht als Wärme verloren. Effizienter sind Energiesparlampen und Licht emittierende Dioden, die sogenannten LEDs. Durchschnittlich 9,7 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Haushalt auf den Posten Beleuchtung (Rang fünf). Hier lautet die Devise: Abschalten, wenn man nicht im Raum ist, und die verschwenderischen Glühlampen durch neue Technologien ersetzen. Diese sind zwar in der Anschaffung teurer, sie halten aber auch wesentlich länger und rechnen sich so durch den geringeren Stromverbrauch. Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, dass 60-Watt-Glühlampen für 8000 Stunden Licht (dies entspricht der durchschnittlichen Haltbarkeit einer Energiesparlampe) Stromkosten in Höhe von 139 Euro verursacht. Zum Vergleich wurde eine 15-Watt-Energiesparlampe herangezogen, die lediglich Stromkosten in Höhe von 34 Euro verursacht. So lassen sich also mit dem Austausch nur einer Lampe über die Lebensdauer gesehen 91 Euro sparen.
Wer noch alte Glühlampen zu Hause herumliegen hat, muss sie nicht wegwerfen - sie können etwa in Abstellkammern oder Kellerräumen eingesetzt werden, wo das Licht nur unregelmäßig und kurz eingeschaltet wird.

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Stromfresser Kühlschrank

Mit 10,4 Prozent Anteil am Stromverbrauch ist der Kühlschrank der viertgrößte Stromfresser im Haushalt. Lebensmittel müssen gekühlt werden, um ihre Haltbarkeit zu verlängern. Die niedrigen Temperaturen bremsen das Wachstum von Bakterien und Pilzen, die Schuld am Verderb sind. Je niedriger die Temperatur eingestellt wird, desto höher wird aber auch der Stromverbrauch. Experten empfehlen eine Temperatur von sieben Grad Celsius im Kühlschrank und -18 Grad Celsius im Gefrierschrank.
Beim Befüllen des Kühlschranks sollte darauf geachtet werden, niemals heiße Speisen einzustellen - das jagt den Stromverbrauch in die Höhe. Lässt man Tiefgefrorenes im Kühlschrank auftauen, senkt das hingegen den Verbrauch. Die Tür sollte natürlich gut schließen (tauschen Sie beschädigte Türdichtungen sofort aus) und so selten und kurz wie möglich geöffnet werden, damit möglichst wenig warme Luft eindringt, die dann energieintensiv heruntergekühlt werden muss. Da hilft es, die Lebensmittel übersichtlich anzuordnen um langem Suchen vorzubeugen.
Der Kühlschrank sollte so kühl wie möglich positioniert werden. Man sollte also darauf achten, den Kühlschrank nicht unnötig Wärmequellen auszusetzen, ihn also wenn möglich nicht neben dem Herd oder der Heizung aufstellen und zudem vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Schon ein Grad weniger Raumtemperatur hat einen Einfluss von sechs Prozent auf den Stromverbrauch eines Kühlschranks. Bei Gefriergeräten sind es drei Prozent.

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Elektrische Warmwasserbereitung ist teuer

Die elektrische Warmwasserbereitung ist sehr energieintensiv. Da in vielen Haushalten das Wasser durch Gas, Solarenergie oder andere Technologien erwärmt wird, fällt der Posten im Durchschnitt mit 11,9 Prozent "nur" auf Platz drei. Betrachtet man jedoch ausschließlich Haushalte, die ihr Warmwasser elektrisch bereiten, so macht bei ihnen der Anteil am Stromverbrauch mit 27,7 Prozent den weitaus größten Anteil aus. Deutlich effizienter als elektrische Warmwasserspeicher sind elektronisch geregelte Durchlauferhitzer. Der Vorteil: Das Wasser wird nicht ständig warm gehalten. Mit kleinen Durchlauferhitzern können Sie bis zu 60 Prozent Strom sparen. Untertisch-Warmwasserspeicher verursachen erhebliche Leerlaufverluste, wenn sie rund um die Uhr eingeschaltet sind - eine Zeitschaltuhr kann hier Abhilfe bieten. Laut Berechnungen des Umweltbundesamts lassen sich so je nach Fassungsvermögen rund 38 Euro pro Jahr sparen.

Generell gilt logischerweise: Lieber Duschen als Baden und das Wasser nie länger als nötig laufen lassen. Zudem helfen bestimmte Duschköpfe und Strahlregler dabei, den Wasserverbrauch zu halbieren - und wenn weniger Wasser erhitzt werden muss, sinkt damit auch der Energieverbrauch.

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Hintergrundbeleuchtung des Fernsehers anpassen

Mit ebenfalls 11,9 Prozent Anteil steht der Bereich TV und Audio auf Rang zwei. Der Fernseher verbraucht umso mehr Strom, je heller die Hintergrundbeleuchtung eingestellt ist. Geräte mit LED-Hintergrundbeleuchtung sparen laut Umweltbundesamt gegenüber Plasma-Fernsehern etwa die Hälfte des Stroms. Natürlich gilt auch, je größer der Fernseher, desto höher auch der Stromverbrauch. Überdenken Sie also Ihre Einstellung und passen diese an den Bedarf an.
Besonders leicht lassen sich Standby-Verbräuche vermeiden, indem Fernseher, Stereoanlage, Lautsprecherboxen und Co. einfach vom Netz genommen werden, wenn man sie nicht benötigt. Um nicht jedes Mal den Stecker herausziehen zu müssen, kann man abschaltbare Steckdosenleisten einsetzen. Wer nicht auf den Komfort einer Fernbedienung verzichten mag oder kann, der kann sogenannte Vorschaltgeräte einsetzen. Diese unterbrechen unnötige Energieflüsse, indem sie nach dem Ausschalten des Fernsehers per Fernbedienung das Gerät automatisch vom Stromnetz trennen.
Ob bei Ihnen Leerlaufverluste auftreten, können Sie zum Beispiel überprüfen, indem Sie mal an das Netzteil fassen - bleibt es nach Ausschalten des Gerätes warm, fließt Strom. Auch ein Energiemessgerät kann helfen, Verschwender ausfindig zu machen.

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Gönnen Sie sich und Ihrem Rechner eine Pause

An der Spitze der Stromfresser im Haushalt steht der Heimbüro-Bereich mit 12,9 Prozent Anteil am Stromverbrauch. PC, Drucker, Faxgerät, WLAN-Router und alle damit verbundenen Signallämpchen und Netzteile verbrauchen jede Menge Strom und müssen nicht permanent eingeschaltet sein. Auch hier schaffen abschaltbare Steckerleisten Abhilfe. Und ein Laptop verbraucht übrigens bis zu 70 Prozent weniger Energie als ein Desktop-PC. Sie sparen viel Geld durch Energiesparfunktionen, auch Power-Management genannt. In der Systemsteuerung Ihres Betriebssystems können Sie die Einstellungen vornehmen. Einzelne Systemkomponenten werden automatisch abgeschaltet, wenn diese nicht verwendet werden. Bei kleinen Pausen können Sie den Rechner auch manuell in den Sleep-Modus versetzen - eine Alternative zum kompletten Ausschalten, bei der der Rechner schnell wieder hochfährt und einsatzbereit ist.

Multifunktionsgeräte eignen sich gut, um verschiedene Einzelfunktionen wie Faxgerät, Drucker, Kopierer und Scanner in einem Gerät zu vereinen und Strom zu sparen. Behalten Sie beim Kauf eines neuen Computers auch im Hinterkopf, dass sich die technische Ausstattung des Geräts ebenfalls auf den Stromverbrauch auswirkt. Bestimmte IT-Geräte erfüllen bestimmte Standards an den Energieverbrauch. Diese sind in der Regel mit dem Energy Star ausgezeichnet. Doch Achtung: Selbst bei Geräten, die mit dem Energy Star ausgewiesen sind, gibt es noch erhebliche Unterschiede.

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Mauerer ist Geschäftsführer und Eigentümer des Energiesystemanbieters 3 Plus Solar. Er hat sein zweistöckiges Haus mit ausgebautem Keller vergangenen November zum ersten Test- und Referenzobjekt einer Anlage gemacht, die das Gebäude – außer gelegentlichen Rückgriffen aufs Stromnetz – komplett aus am Standort vorhandenen Energiequellen versorgt.

Die vierte Komponente ist eine Wärmepumpe. Sie entzieht der Luft Wärme und komprimiert sie auf ein Temperaturniveau, das ausreicht, um heißes Wasser fürs Duschen und Heizen in einem Speicher bereitzuhalten. Das tut sie höchst effektiv: Sie wandelt jede Kilowattstunde Strom in rund drei Kilowattstunden Wärme um. Nach den Berechnungen der Energieagentur kann die Technik Hauseigentümer tatsächlich zu 100 Prozent energieautark machen. Wenn Lage sowie die baulichen Voraussetzungen stimmen und die Sonne sich nicht wochenlang hinter Wolken versteckt. Unter weniger günstigen Umständen lassen sich immer noch 85 Prozent erreichen. "Es ist inzwischen tatsächlich möglich geworden, mit solchen Technologien sein eigener Energieversorger zu werden", betont Energieagentur-Experte Joachim Decker.

Eine entscheidende Rolle für den hohen Autonomiegrad spielt das Windrad. Es ersetzt in der dunklen Jahreszeit zumindest teilweise die fehlenden Kilowattstunden aus der Fotovoltaikanlage. Mauerer konnte sich diesen Winter selbst an sehr trüben Tagen noch zu 50 Prozent selbst versorgen. Ganz billig ist die Unabhängigkeit von Gas und Heizöl indes nicht. Mehr als 40.000 Euro müssen Sparwillige für eine vernünftig dimensionierte Anlage investieren.

Fünf Wege in die Unabhängigkeit
Fotovoltaik - Wärmepumpe - Batterie - Windrad
Fotovoltaik - Wärmepumpe - Batterie
Sonnenkollektor - Fotovoltaik - Batterie
Mini-Blockheizkraftwerk (BHKW)
Systemvergleich - So wurde gerechnet

US-Wissenschaftler von der Purdue Universität haben einen Sensor entwickelt, der durch musikalische Schallwellen mit Energie versorgt wird. Das etwa zwei Zentimeter lange Röhrchen soll in Körpergefäßen oder der Blase Messungen durchführen – dabei wird ein Streifen aus einer speziellen Metall-Mischung durch akustische Wellen in Schwingungen versetzt, die in Energie umgewandelt werden.
Die Forscher haben dabei sogar getestet, welcher Musikstil sich am Besten eignet. Dabei erzielte Rap durch die Vielzahl niedriger Frequenzen deutlich bessere Ergebnisse, als Rock, Blues oder Jazz.
Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, Strom aus ungewöhnlichen Quellen zu gewinnen - aus der Fahrenergie von Autos beispielsweise oder indem man Batterien per Schütteln lädt...

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Der japanische Elektronikkonzern Brother hat AA- und AAA-Batterien entwickelt, die sich mit Hilfe eines eingebauten Generators per Schütteln wieder aufladen lassen.

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Das südafrikanische Startup Roundabout Outdoor hat in Afrika in den vergangenen Jahren mehr als sechshundert Karusselle namens Playpump gebaut, mit denen spielende Kinder ganz nebenbei Wasser aus einem Brunnen in einen Tank pumpen.

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Das israelische Startup Innowattech will Straßen bauen, die den Druck der Autoreifen zur Stromerzeugung nutzen. Dazu will es so genannte piezoelektronische Materialien in den Asphalt einbringen, die bei Druck unter elektrische Spannung geraten. Eine einen Kilometer lange Spur soll 200 Hauhalte versorgen können. Eine längere Teststraße steht aber noch aus.

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Sogar Bäume geben Strom ab, und das US-Startup Voltree Power weiß, wie: Mit zwei Elektroden, in die Baumwurzel und den Boden daneben gesteckt, nutzen die Amerikaner den Unterschied zwischen den PH-Werten beider Umgebungen, um eine elektrische Spannung zu erzeugen und Strom zu produzieren - wie bei einem Apfelradio. Der soll reichen, um kleine Status-LEDs zu betreiben oder Uhren für Sensornetzwerke.

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Das Robotor-U-Boot Solo-Trec der US-Raumfahrtbehörde Nasa braucht kein Benzin und keine Steckdose. Auf seinen Tauchfahrten nutzt es die Wärmeunterschiede der Wasserschichten zur Stromerzeugung für Antrieb und Sensoren: Bei jedem Abtauchen dehnen sich spezielle Phasenwechselmaterialien aus und komprimieren dabei ein Öl. Der Druck des Öls treibt dann einen Stromgenerator an.

 

Texte: Andreas Menn

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Elektroautos tanken künftig vielleicht Windstrom, den die Ladesäule selbst erzeugt - so jedenfalls stellt sich der amerikanische Kleinwindanlagenhersteller Urban Green Energy es vor. Ihre Ladesäule Sanya Skypump erzeugt mit 4 Kilowatt Leistung genug Strom für den Autoakku.

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Ingenieure des Karlsruher Instituts für Technologie haben mit Industriepartnern den Prototypen eines berührungsfreien Wasserhahns namens PowerFluid entwickelt, der mit Wasserkraft funktioniert: Eine winzige Wasserturbine und ein Generator speisen Strom in einen Speicher, der den Näherungssensor versorgt.

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Abfallenergie liefern Gebäude im Überfluss: Bis zu 1000 Watt Wärmeenergie flutet ein Heizkörper ins Wohnzimmer – genug für hundert Energiesparlampen. Thermogeneratoren, etwa vom Freiburger Startup Micropelt, fangen davon allerdings nur ein paar Milliwatt auf. „Aber schon mit geringen Mengen Energie“, sagt Burkhard Habbe, Chef der Micropelt-Geschäftsfeldentwicklung, „lassen sich die erstaunlichsten Dinge verwirklichen.“ Zum Beispiel energieautarke Heizungsventile, die sich per Smartphone steuern lassen – kommendes Jahr soll es sie zu kaufen geben. Kurz vor der Marktreife stehen auch batterielose Temperaturfühler von Micropelt und dem Ratinger Elektronikunternehmen Schneider Electric für die Industrie. Sie sollen an den Stromschienen von Werkzeugmaschinen Überhitzung registrieren, bevor das Metall durchschmilzt.

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Mit den GenShock-Stoßdämpfern wird jedes Holpern und Rumpeln im Bus oder LKW zu wertvollem Strom für das Bordnetz. Bis zu 400 Watt Strom kann ein LKW so produzieren und damit die Tankrechnung um 800 Dollar pro Jahr reduzieren, verspricht der Anbieter. Marktstart ist im kommenden Jahr.

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Solar-Dächer im Auto sind keine Spielerei mehr, sondern ein wichtiger Schritt, um CO2-Emission zu senken oder Elektroflitzer weiter fahren zu lassen. Die Dächer des Erfurter Solar-Spezialisten Asola Power erzeugen im Modell Karma des US-Autoherstellers Fisker 120 Watt Strom für die Klimaanlage, das Radio, den GPS-Empfänger oder die Sitzheizung. Text: Andreas Menn Fotos: PR, Screenshots, Unternehmen

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In mehr als 60 amerikanischen Fitness-Studios erzeugen Sportler auf Rädern des Startups The Green Revolution Strom.

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Der britische Mobilfunkanbieter Orange lässt T-Shirts entwickeln, die Strom aus Schall erzeugen.

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Im Funklichtschalter des Oberhachinger Hausautomationsunternehmens EnOcean steckt ein Minidynamo. „Schon mehr als 200000 Gebäude nutzen unsere Technik“, sagt Enocean-Technikchef Frank Schmidt.

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Der Wave Glider des US-Startups Liquid Robotics bewegt sich mit Wellenkraft im Meer und sammelt dabei Daten für Wissenschaftler. BP verfolgte mit dem Roboterboot im Golf von Mexiko die Ölspur der havarierten Bohrinsel Deepwater Horizon. 

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Das US-Startup Solar Roadways hat ein 13 Quadratmeter großes Solar-Straßenteil gebaut, das mit LEDs Warninfos anzeigt. Andere Unternehmen arbeiten an Straßen, die Energie durch den Druck rollender Autos erzeugen. Foto

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Spielend Strom erzeugen können Kinder in Afrika bald mit dem Soccket-Fußball des US-Anbieters Uncharted Play. Ein eingebauter Dynamo speist bei Stößen Strom in einen Akku, der via Stromkabel eine LED zum Leuchten bringt.

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Mit dem Wasserkocher Tellurex World Pot des US-Thermoelektrik-Spezialisten Tellurex können Menschen in Entwicklungsländern beim Wasskochen ihr Handy oder Akkus für andere Gerätet laden. Möglich macht das ein Thermogenerator, der Wärme in Strom umwandelt und via USB-Kabel weiterleitet. Eine halbe Stunde lang Kochen sterilisiert einen Liter Wasser - und liefert genug Strom, um vier LEDs vier Stunden lang zum Leuchten zu bringen.

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Das Kleinflugzeug Electraflyer-X des amerikanischen Herstellers Electraflyer fliegt leise und umweltfreundlich mit Batteriestrom, aber nicht nur das: Im Sinkflug oder bei starken Aufwinden kann der Pilot per Knopfdruck den Motor ausschalten und dann den Propeller in eine Stromturbine verwandeln, die den Akku nachlädt. Bei passendem Wetter könne ein Pilot "praktisch den ganzen Tag lang fliegen", sagt Gründer Randall Fishman.

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Ein vorbeifahrender LKW wirbelt nicht nur die Frisur von Passanten auf - sondern treibt künftig vielleicht auch Windturbinen an. Das amerikanische Startup Medianwind hat ein Hüfthohes Windrad konzipiert, dass sich an Leitplanken befestigen ließe - pro Meile Autobahn 1760 Stück nebeneinander. Zusammen sollen sie 0,46 Megawatt Strom liefern; fünf Kilometer Highway entsprächen damit einer gängigen großen Windturbine. Die Produktionskosten sollen unter 1500 Dollar pro Stück liegen; über den Produktionsstart ist noch nichts bekannt.

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Sogar Drehtüren wollen Forscher künftig in Kraftwerke verwandeln. Das Bild zeigt die Designstudie "Revolution Door" des US-Designbüros Fluxxlab.

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Mit dem Mini-Kraftwerk nPowerPED des US-Startups Tremont Electric erzeugt jeder Schritt beim Wandern Strom. In den Rucksack gesteckt, verwandelt der 23 Zentimeter lange Rundstab per eingebautem Dynamo die Vibrationen in Elektrizität. Eine Minute Wandern soll genug Energie liefern, um eine Minute lang einen iPod-Nano zu betreiben.

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Das Geld ist laut Energieagentur gut angelegt: Mit der Technik sparen Hausbesitzer 2.000 Euro Energiekosten im Jahr gegenüber einer Gas-Brennwerttherme mit Solarkollektor. Eingerechnet sind die Vergütungen für die Einspeisung überschüssigen Sonnenstroms in die Netze. Nach 15 Jahren ist das System bezahlt – dann wird verdient.

Das kann sogar schneller gehen. Denn die Energieberater haben zu heutigen Preisen kalkuliert. Bewahrheiten sich die Prognosen, dass Gas und Öl ständig teurer werden, kann sich das Hauskraftwerk schon nach weniger als zehn Jahren amortisieren. Berücksichtigt man staatliche Fördermittel etwa der KfW-Bankengruppe oder des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, ist die Investition ins eigene Kraftwerk noch schneller zurückverdient.

Insofern ist der Einstieg in die Energieunabhängigkeit nicht nur etwas für Öko- und Technikfreaks, sondern auch für kühle Rechner. Die stellen bei energetischen Sanierungsmaßnahmen die klare Mehrheit, wie Umfragen belegen. 3-Plus-Solar-Chef Mauerer hört das auch von seinen Kunden. "Die wollen ihren Geldbeutel und nicht die Umwelt retten."

Heiztemperatur richtig wählen

Auch wenn die Räume im Haus unterschiedlich warm sind, fühlen wir uns wohl. In Wohnräumen sind zwischen 20 und 22,5 Grad für die meisten Menschen angenehm, in Kinder- und Badezimmern darf die Temperatur auch gern zwei oder drei Grad darüber liegen. Für Schlafzimmer sind 15 bis 17 Grad ausreichend.

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Temperaturabsenkung bei Abwesenheit

Moderne Heizungen senken je nach Uhrzeit und Außentemperatur die Zieltemperatur der Heizanlage, bei älteren Anlagen muss die Steuerung von Hand über die Heizkörperregler erfolgen. Wer tagsüber nicht da ist, sollte die Raumtemperatur aber nicht unter 15 Grad fallen lassen. Fällt die Temperatur unter zwölf Grad, dauert das erneute Aufheizen zu lange und verschlingt besonders viel Energie. Zudem steigt das Schimmelrisiko, weil warme feuchte Luft an den kalten Wänden kondensiert. Deshalb sollte auch bei längerer Abwesenheit wegen Urlaubs die Temperatur auf mindestens zwölf Grad eingestellt sein. Eine um ein Grad gesenkte Temperatur kann die Heizkosten um bis zu sechs Prozent drücken.

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Türen, Fenster und Rolllädenkasten abdichten

Durch die Ritzen an Türen und Fenstern geht insbesondere in Altbauten viel Wärme verloren. Mit Hilfe von selbstklebenden Isolierbändern, Bürstendichtungen oder Zugluftstoppern für Türen und dünnen Dämmmatten für Rollladenkästen lässt sich der Wärmeverlust oft deutlich reduzieren. Dichte Fenster können die Heizkosten angeblich um bis zu 30 Prozent senken.

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Heizkörper entlüften

Ein Heizkörper, in dessen Innerem sich Luft befindet, wird nicht richtig warm, weil der Durchfluss des aufgeheizten Wassers vermindert ist und Luft zudem hervorragend isoliert. Weil die Räume aber nicht warm werden, bleiben die Thermostatventile offen und die Heizung läuft ständig, um die Zieltemperatur zu erreichen. Idealerweise entlüftet man alle Heizkörper zu Beginn der Heizperiode einmal. Dadurch sollen sich die Heizkosten um bis zu 15 Prozent reduzieren.

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Regelmäßige Wartung

Gerade der Brenner von Heizungsanlagen – gemeinhin Heizkessel genannt – muss regelmäßig eingestellt werden, damit er effizient arbeitet. Außerdem beseitigt der Heizungstechniker Brennrückstände und kann kontrollieren, ob An- und Abluft freie Bahn haben. Durch die Wartung können bis zu fünf Prozent der Heizkosten eingespart werden.

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Heizkörper frei lassen, zur Wand isolieren

Das Sideboard oder das Sofa vor dem Heizkörper bremst dessen Effizienz. Von einer warmen Kommodenrückwand hat niemand etwas. Rund um den Heizkörper muss die Luft zirkulieren können. Damit kalte Luft ungehindert vom Heizkörper erwärmt werden kann, benötigt dieser auch mehrere Zentimeter Abstand zum Boden. Nur dann heizt sich kalte Luft schnell auf und es verteilt sich die erwärmte Luft auch im Raum. Vorhänge und Gardinen, die vor Heizkörpern hängen, sind ebenfalls unbedingt zu vermeiden. Umgekehrt kann eine nur wenige Millimeter dicke Isolierfolie beziehungsweise -tapete hinter dem Heizkörper dafür sorgen, dass wesentlich weniger Wärme nach außen gelangt, sondern dem Raum zugute kommt.

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Zeitprogrammierung nutzen

Entweder über die zentrale Heizungssteuerung oder über programmierbare Thermostate lässt sich die Heiztemperatur ideal an die Bedürfnisse anpassen. So kann zum Beispiel werktags zwischen 8 und 15 Uhr die Heizleistung reduziert werden, am Wochenende aber wird auf die Absenkung verzichtet.

Foto: WirtschaftsWoche

Richtiges Lüften

Manche Vermieter händigen schon mit Unterschrift unter den Mietvertrag Regeln für das richtige Lüften der Wohnung aus, vor allem, um Schimmelbildung zu vermeiden. Denn täglich verdunstet literweise Wasser in einem Haushalt. Die feuchte Luft kann da, wo sie abkühlt und kondensiert, Schimmelbildung auslösen. Deshalb muss sie raus. Eigentlich dürfte es sich längst herumgesprochen haben: Lieber drei- bis viermal täglich mit weit geöffneten Fenstern und Durchzug stoßlüften, statt Fenster dauernd gekippt zu lassen. Gleiches gilt auch für Frischluft in der Nacht: Wer sparen will, muss Fenster und Rollläden des Nachts sowie Türen zu unbeheizten Räumen geschlossen halten und erst morgens kräftig lüften.

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Sparsame Technik einsetzen, Rohre dämmen

Inzwischen sind gedämmte Heizungsrohre vorgeschrieben. Mit PU-Schaum-Röhren lassen sich die Heizungsrohre auch nachträglich dämmen. Vor allem im Keller ist das sinnvoll, dann sind acht Prozent Ersparnis drin. Auch eine alte Umwälzpumpe sollte gegen ein stromsparendes Modell getauscht werden. Da die Pumpe häufig läuft, lassen sich mit einer sparsamen Variante jährlich bis 130 Euro an Stromkosten sparen. Wer hingegen eine Heizung hat, die schon 20 Jahre und mehr auf dem Buckel hat, kann mit einer modernen Brennwert-Heizung durch Wärmerückgewinnung schon 15 bis 30 Prozent der Ausgaben sparen. Steht der Austausch der Heizung ohnehin an, sollte man auch über Alternativen wie Wärmepumpe, Pellet-Heizung oder Solarthermie nachdenken. 

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Warme Böden

Wer keine Fußbodenheizung hat, sondern nur kalten Fliesen- oder Steinboden, fröstelt schneller und dreht die Heizung höher. Teppiche und Läufer vermitteln hingegen ein wärmeres Gefühl, so dass die Heizung nicht so schnell hochgedreht wird. Mit Läufern und Teppichen lässt so wie auch mit Pullovern und warmen Socken Energie sparen.

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2. Strom vom Dach

Hausbesitzer, die knapper kalkulieren müssen und dennoch autark sein wollen, können auf das Windrad verzichten. Auf diesem Weg sparen sie rund 8000 Euro und erreichen im Idealfall dennoch eine 100-prozentige Selbstversorgung.

Im Durchschnitt sind sie mit einer solchen Lösung schon nach 13 statt erst nach 15 Jahren in der Gewinnzone – wiederum im Vergleich zu einer Gastherme mit Kollektor. Auch bei dieser Variante gilt: Rechnet man Fördermittel und steigende Energiepreise ein, können Immobilienbesitzer damit schon nach sieben oder acht Jahren Geld verdienen. Sollte die Bundesregierung außerdem wie angekündigt von Ostern an die Anschaffung eines Keller-Akkus mit bis zu 3.000 Euro bezuschussen, zahlt sich die Investition noch früher aus.

Fast alle namhaften Heizungshersteller, ob Viessmann, Vaillant oder Buderus, haben solche Komplettpakete aus Solaranlagen, Speichern und Wärmepumpen im Programm. Ebenso Spezialisten wie Stiebel Eltron oder Centrosolar.

Beheizbare Klobrillen

Japaner und Südkoreaner lieben es, wenn der Sitz auf dem stillen Örtchen wohlig warm wird. Besonders luxuriöse Varianten duschen und föhnen auch noch mit anschließender Massage. Sechs Prozent des Stromverbrauchs gehen in Südkorea allein für beheizbare Klobrillen drauf. In Deutschland sind die Edel-Klobrillen inzwischen auch erhältlich, die meisten Haushalte begnügen sich aber weiterhin mit einem kalten Toilettensitz.

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Heizdecken

.... verursachten in Südkorea regelmäßig Stromausfälle, denn große Teile der Bevölkerung drehten nachts gleichzeitig den Regler hoch. In Deutschland sind sie dank gut beheizter Wohnungen weniger begehrt.

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Ja, für gewöhnlich ist es in Regionen mit Schnee kalt - sehr kalt. Beheizbare Handschuhe und Skischuhe halten die Gliedmaßen bis zu 18 Stunden warm - dafür sorgt ein aufladbarer Akku. Für passionierte Wintersportler sind diese High-tech-Kleidungsstücke sicherlich praktisch - in puncto Energieverbrauch aber auch ein verzichtbarer Luxus.

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Der Clou für Menschen, die unter akuter Morgenmüdigkeit leiden oder schlicht zu faul sind einen Löffel aus der Schublade zu holen - die selbst umrührende Tasse. Ein eingebauter Quirl wirbelt Milch und Zucker durcheinander. Sieht aus wie von Zauberhand, ist aber batteriebetrieben. Bei derartiger Energieverschwendung könnte einem glatt schwindlig werden.

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Vorbei die Zeiten als Männer gemütlich ein Pfeifchen schmauchten - jetzt kommt die E-Pfeife. Hier glimmt allerdings kein Tabak. Mittels eines Verdampfers lassen sich verschiedene Geschmacksrichtungen wie Vanille, Schokolade, Kirsche oder Café in die Luft pusten. Ober man dafür tatsächlich Akkus laden muss...

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Computermäuse lassen sich per USB-Kabel über den Computer beheizen und über ein kleines Rädchen regulieren. Zwar verbrauchen die beheizbaren Mäuschen allein nicht viel Strom, aber ganz ehrlich - wirklich brauchen tut sie keiner. Man könnte die klammen Fingerchen auch einfach zwischendurch ordentlich gegeneinander reiben - ganz ohne Strom.

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Um einen hohen Eigenverbrauch zu erzielen, müssen die Anlagen allerdings mit einer intelligenten Steuerung kombiniert sein. Die startet zum Beispiel den Trockner und die Waschmaschine erst dann, wenn die Solaranlage auf dem Dach auf Hochtouren läuft.

3. Solares Duett

Am unwirtschaftlichsten ist es nach den Berechnungen der Energieagentur NRW, Strom produzierende Solarzellen mit einem Wärme liefernden Sonnenkollektor und einer Batterie zu kombinieren. "Das ist derzeit nur etwas für Liebhaber, reich wird damit bei den heutigen Energiepreisen niemand", urteilt deren Experte Decker. Das System rechnet sich erst nach 29 Jahren, spart nur rund 625 Euro Energiekosten pro Jahr, und gerade einmal die Hälfte des Stroms und der Wärme wird selbst erzeugt.

Energiekosten in Zahlen
300
59
100

Die Schwachstelle dieser Variante ist der Kollektor. Denn er produziert ausgerechnet während der Heizperiode am wenigsten Wärme. Dann muss ein elektrischer Heizstab einspringen und den Warmwasserspeicher auf Temperatur bringen. Das jedoch treibt den Stromverbrauch ziemlich in die Höhe.

Für welche solare Lösung sich Hausbesitzer auch entscheiden – immer gilt: Voraussetzung für einen hohen Ertrag ist, dass ihr Haus möglichst viele südlich ausgerichtete Flächen hat. Ist dies gegeben, lässt sich die Technik nach Ansicht der Energieagentur-Experten auch in Mehrfamilienhäusern wirtschaftlich einsetzen.

4. Doppelte Ausbeute

Für Autarkie-Fans, deren Gebäude wenig Sonnenlicht abbekommen, bieten sich Blockheizkraftwerke (BHKW) als Alternative an. Sie nutzen jeden Kubikmeter Gas doppelt, indem ein Verbrennungs- oder Stirlingmotor daraus zugleich Wärme und Strom produziert.

Das klingt verlockend – doch die Tandem-Technik hat ein Problem: Sie liefert zu 75 Prozent und mehr Wärme. Das führt dazu, dass die Kellerkraftwerke außerhalb der Heizperiode zumeist stillstehen, weil der Warmwasserspeicher rasch voll ist und die Wärme nicht abgenommen werden kann. Während der kalten Jahreszeit hingegen reicht das Wärmeangebot oft nicht aus. Dann springt ein Zusatzbrenner ein. Beide Effekte reduzieren die Rentabilität.

Grundsätzlich gilt damit – zum Graus von Umweltschützern: Je mehr Wärme eine Immobilie verbraucht, desto sinnvoller ist der Einsatz der Strom erzeugenden Heizung. Denn damit steigt die Stromproduktion. Und darin liegt der finanzielle Charme. Jede selbst gewonnene Kilowattstunde hat einen Wert von etwa 31 Cent: 26 Cent für nicht eingekauften Strom plus 5,11 Cent Kraft-Wärme-Kopplungs-Bonus.

Die Hürde für den wirtschaftlichen Einsatz ist laut der Berechnungen der Energieagentur-Experten dennoch hoch. Mindestens an 5.000 von 8.760 Stunden im Jahr sollte das Kleinstkraftwerk laufen. Das ist am ehesten in großen Gebäuden wegen ihres tendenziell höheren Wärmebedarfs zu schaffen. In Mehrfamilienhäusern kann sich die Anschaffung daher schon nach fünf Jahren rechnen – im Eigenheim dauert es mindestens doppelt so lang. Dort kommen die Geräte oft auf gerade einmal 2.500 Betriebsstunden, so die Erfahrung der Energieagentur. Beim Autarkie-Check schneiden die BHKWs mittelmäßig ab: Mehr als 50 Prozent sind nicht drin – die Abhängigkeit von einem Brennstoff bleibt.

5. Wärme aus Wasserstoff

Sind die ersten vier Systeme bereits fest am Markt etabliert, warten Geräte, die aus Erdgas Wasserstoff gewinnen und diesen in einer Brennstoffzelle in Energie umwandeln, noch auf ihren Durchbruch. Sie produzieren im Vergleich zu BHKWs mehr Strom und dafür weniger Wärme. Das macht sie für gut gedämmte Häuser mit geringem Heizbedarf interessant.

In Japan laufen die ersten Geräte bereits. Sie sind unauffällig und kaum größer als eine herkömmliche Gastherme. In Deutschland werden sie noch getestet. Vor allem ihr Durchhaltevermögen soll laut Herstellerangaben noch geprüft werden.

Bei Hans-Gerd Funke, der mit seiner Frau, drei Kindern und einem Hund im niedersächsischen Oldenburg wohnt, hängt seit gut sechs Monaten ein Brennstoffzellen-Prototyp von Vaillant im Keller. Dessen Wärmeleistung von gerade einmal zwei Kilowatt ist allerdings viel zu gering, um das 200-Quadratmeter-Haus in kalten Nächten warm zu halten. Dann muss ein Gaskessel einspringen. Immerhin produziert die Brennstoffzelle bis zu 24 Kilowattstunden Strom am Tag. Und Funke kann sagen: "Bisher arbeitet sie zuverlässig."

Wegen der geringen Leistungsfähigkeit und dem hohen Anschaffungspreis von 25.000 Euro hält Decker von der Energieagentur die neue Technik derzeit für keine Alternative: "Da ist noch eine Menge Entwicklungsarbeit notwendig." Gerade einmal rund 540 Euro könnten Anwender ihre jährliche Energierechnung mit einer Brennstoffzelle drücken. Zwar ist der Autarkie-Grad mit 80 bis 100 Prozent beim Strom relativ hoch. Doch die Abhängigkeit vom Gas besteht fort.

Bleibt die Erkenntnis: Jeder Immobilienbesitzer kann heute sein eigener Energieerzeuger werden. Und oftmals schon nach wenigen Jahren kräftig sparen.

Energieexperte Decker warnt allerdings vor übereilten Entscheidungen. Die Berechnungen seien nur Orientierungsgrößen. "Ob sich ein Umstieg lohnt und welche Technik sich am meisten auszahlt, muss in jedem Einzelfall gründlich geprüft werden."

Andernfalls könnte der Traum vom eigenen Kraftwerk am Ende zum Kosten-Albtraum werden.

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