Vorbilder: Die innovativsten grünen Ideen

Vorbilder: Die innovativsten grünen Ideen

von Dieter Dürand, Jürgen Rees, Benjamin Reuter und Andreas Menn

Ob im Verkehr, in Fabriken oder bei Nahrungsmitteln: In einer Welt mit immer mehr Menschen und begrenzten Ressourcen müssen wir radikal anders denken, um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen. Weltweit finden sich zahlreiche Projekte, die zeigen, wie es gehen kann.

Zwischen Bergrücken, am Rand der Schwäbischen Alb, wo Gasthöfe Lamm und Ochse heißen, führt Wolfgang Grupp sein Burladinger Unternehmen Trigema schon lange nach eigenen Regeln: Niemals in den 43 Jahren an der Firmenspitze hat der 69-jährige Unternehmer auch nur einen Moment daran gedacht, mit seinen Trikotagen, Jacken und Hosen in Märkte außerhalb Deutschlands zu expandieren. „Größenwahn“ tituliert Grupp abfällig solchen Drang.

Sein Streben war immer, solide zu wirtschaften – die 1200 Arbeitsplätze seines Unternehmens zu sichern. Noch nie hat er jemanden entlassen, nicht einmal Kurzarbeit hat er anmelden müssen. Und vor vielen anderen begann Grupp, seine Produktion auf Grün umzustellen – von der Bio-Baumwolle über ressourcensparende Prozesse bis zu kompostierbaren T-Shirts.

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Der Textilfabrikant sieht sich nicht als Gönner. „Ich muss Geld verdienen, damit ich sozial sein kann.“ Unternehmerische Verantwortung bedeutet für ihn mehr als Marktanteile, Macht und Größe. „Solidität, Gerechtigkeit und Beständigkeit“ müssen unser Handeln bestimmen, findet er.

Lange war Grupp mit dieser Einstellung ein Exot im Unternehmerlager. Inzwischen steht er für einen Trend: Eine wachsende Zahl von Unternehmen will mehr als nur von Rekordzahl zu Rekordzahl eilen und hohe Gewinne ausschütten. Das belegt eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Deloitte. Danach wollen sich 76 Prozent der Führungskräfte weltweit nicht allein am finanziellen Erfolg messen lassen – stattdessen halten sie einen gesellschaftlichen Wertbeitrag für ebenso wichtig.

Sozial, ökologisch, ökonomisch: Gerade in Deutschland wirtschaftet eine rasch wachsende Schar an „Ecopreneuren“ nach diesem Dreiklang. Sie stellen traditionelle Monopole, Strukturen und Denkmuster infrage und erproben neue menschen- und umweltverträgliche Geschäftsmodelle.

Besonders konsequent geht dabei Sina Trinkwalder mit ihrem Mode-Label Manomama vor. Eine Werbeagentur, die sie mit ihrem Mann in Augsburg führt, hat sie wohlhabend gemacht. Doch zugleich bekam die 34-Jährige hautnah mit, wie Kunden Mitarbeiter vor die Tür setzten, um ihre Profite zu steigern. Vor zwei Jahren packte sie das Gefühl, dass hier etwas aus dem Lot geraten sei, dem sie nicht länger zusehen wollte. Und so beschloss sie, ihr unternehmerisches Selbstverständnis im Schaffen von Arbeitsplätzen für Menschen zu verwirklichen, denen der Markt eigentlich keine Chance mehr gibt.

Seit Mitte Februar schneidern 60 Näherinnen auf 1600 Quadratmeter ihre schadstofffreie Ökokollektion. 54 von ihnen hat Trinkwalder neu eingestellt, darunter 48 Kolleginnen, die im Alter von über 50 Jahren die Hoffnung auf einen Job schon aufgegeben hatten.

Lieber die Welt verbessern

Weil Banken in solche Experimente nicht investieren, hat Trinkwalder das Unternehmen mit rund einer Dreiviertelmillion Euro privat finanziert. Garne, Knöpfe und Schulterpolster bezieht die preisgekrönte Unternehmerin ausschließlich aus der Region, um umweltbelastende Transporte zu vermeiden und den Beschäftigungseffekt zu verstärken. Rund 3000 Kunden honorieren ihr Konzept bereits und bestellen online Sakkos, Hemden und Taschen. Künftige Gewinne will Trinkwalder vor allem in weitere 200 Stellen investieren.

Kokettieren hier Unternehmer mit ihrem Gutmenschentum? Die Gründer des Münchner Ökostrom- und Ökogasanbieters Polarstern kennen solche Argumente. Trotzdem geben sie als oberstes Unternehmensziel an, die Welt verbessern zu wollen. Sollen andere das als anmaßend empfinden, sie nehmen es ernst.

Den Freunden Jakob Assmann, Florian Henle und Simon Stadler hätten mit ihren exzellenten Abschlüssen glänzende Karrieren in Unternehmen oder Beratungen offengestanden. Doch dem naturverbundenen Trio aus Bayern war bald klar, dass viel Geld sie nicht glücklich machen würde. Attraktiver schien es ihnen zu sein, gegen den Klimawandel anzugehen.

So stecken sie je verkaufter Kilowattstunde Strom 1,25 Cent in neue europäische Ökokraftwerke und unterstützen Familien in Kambodscha beim Bau von Mikro-Biogasanlagen. Dass dies ihre Gewinnmarge schmälert, stört Assmann nicht. „Uns ist die soziale Rendite genauso wichtig.“

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