Abgasskandal: VW-Diesel stoßen auch nach Umrüstung zu viel NOx aus

Abgasskandal: VW-Diesel stoßen auch nach Umrüstung zu viel NOx aus

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Abgasuntersuchung bei einem VW Golf des Baujahrs 2012: Auch nach der Umrüstung stößt der Wagen zu viel NOx aus.

VW freut sich, dass alle Umrüstungen für die Schummel-Diesel genehmigt seien. Doch jetzt gerät der Konzern erneut unter Druck: Laut einem Bericht sind die umgerüsteten Autos immer noch dreckiger als erlaubt.

Nach dem Abgasskandal umgerüstete Volkswagen-Autos mit Dieselmotor überschreiten einem Bericht zufolge immer noch die zulässigen Grenzwerte für Stickoxid (NOx). In der Sendung "ZOOM: Geheimakte VW – Wie die Regierung den Konzern schützt", die am Mittwochabend um 22:45 Uhr ausgestrahlt wird, berichtet das ZDF, dass VW mit dem Update gar nicht die Absicht hatte, die Dieselautos im Straßenbetrieb sauber zu machen.

Laut internen VW-Papieren vom November 2015 habe der Konzern selbst "Zielwerte" für die NOx-Emissionen nach dem Update festgelegt, die für den Straßenbetrieb um 300 bis 500 Prozent über dem Grenzwert liegen. Soll heißen: Statt des Grenzwerts von 180 Milligramm pro Kilometer für Euro-5-Fahrzeuge sollte das Auto nach dem Update 540 bis 900 mg/km NOx ausstoßen. Diese "Zielwerte Volkswagens" für das Software-Update sind laut dem vertraulichen Papier des VW-Konzerns "inhaltlich mit den Zulassungsbehörden (KBA) und dem Rechtswesen vereinbart."

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Mit einem Update wollte VW die Schummel-Software und die dort einprogrammierten, illegalen Abschaltvorrichtungen von 8,5 Millionen Autos in Europa entfernen. Mit der neu aufgespielten Motorsteuerung, die auf aktuelleren Forschungsergebnissen basiere, sollten die Labortests auch ohne Manipulationen bei der Abgasnachbehandlung eingehalten werden. Experten hatten schon Ende 2015, als die Umrüstlösung präsentiert wurde, Zweifel, ob das simple Update ausreicht.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: imago

Wie jetzt das ZDF unter Berufung auf das Freigabe-Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) berichtet, wurden mit der neuen Motor-Software gleich mehrere Abschalteinrichtungen aufgespielt. "Die vorhandenen Abschalteinrichtungen wurden als zulässig eingestuft", so das KBA in dem Schreiben.

Das KBA selbst will dazu keine Stellung nehmen und verweist an das Verkehrsministerium, dem es unterstellt ist. Das Verkehrsministerium wiederum erklärt auf Nachfrage des ZDF, dass Freigaben der Updates von dem KBA erfolgen, "wenn das KBA sich von der Wirksamkeit der optimierten Emissionskonzepte überzeugt hat und keine Zweifel an der Zulässigkeit der optimierten Konzepte bestehen."

Die behördliche Freigabe der zu hohen Werte stieß bei VW auf Jubel. Der Sender zitiert aus einer internen Mail, wonach ein Verantwortlicher der Qualitätssicherung geschrieben haben soll: "Halleluja. Danke. Ich gebe einen aus". Auf Anfrage erklärte VW gegenüber dem ZDF, dass die betroffenen Fahrzeuge nach dem Software-Update die gesetzlichen Anforderungen vollumfänglich erfüllten. Und VW verweist darauf, dass nach Ansicht des Konzerns die Grenzwerte nur für den offiziellen Labortest gelten. "Dagegen sind die Grenzwerte nicht auf den regulären Straßenbetrieb anzuwenden", so VW in seiner Antwort an den Sender.

Die zitierten Dokumente bringen nicht nur den Konzern und die Behörden, sondern auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unter Druck. Dobrindt steht ohnehin wegen seines Verhaltens im Abgasskandal in der Kritik. Oppositionspolitiker und Umweltexperten werfen dem Verkehrsminister bereits länger vor, zu zögerlich gehandelt und die Interessen der Industrie über die der Bürger gestellt zu haben. Erst vergangene Woche hatte Dobrindt versucht, sich zu profilieren. Er gab bekannt, dass seine Prüfbehörden bei einem Audi A8 illegale Abschalteinrichtungen gefunden hätten. In einem umstrittenen Interview mit der "Automobilwoche" sagte Audi-Chef Rupert Stadler hingegen, Audi habe die Überschreitungen selbst gemessen und an das KBA übermittelt.

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