BrandIndex: Was der Dieselskandal mit Mercedes macht

BrandIndex: Was der Dieselskandal mit Mercedes macht

von Simon Kluge

Das Image von Mercedes hat stark unter der Dieselaffäre gelitten. Das Gesamtbild des Vorzeige-Autobauers ist zerkratzt. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Neulich in der Lokalpresse: „Oberbürgermeister Geisel bestellt neuen Diesel als Dienstwagen.“ Die Überschrift der Rheinischen Post aus Düsseldorf lässt keinen Zweifel daran, dass der Dieselskandal mehr ist als nur ein Problem der Autoindustrie. Das schlechte Image färbt ab auf diejenigen, die einen Diesel fahren. Dass der Oberbürgermeister sich ausgerechnet für einen Mercedes entschied, dürfte ihm nicht geholfen haben. Die Nachricht kommt zu einer Zeit, in der die Marke das schlechteste Image hat, das wir für Mercedes jemals in Deutschland gemessen haben. 

Seit 2008 liegen im BrandIndex, dem Markenmonitor von YouGov, Daten für Mercedes vor. Aktuell erreicht Mercedes nur noch +22 Imagepunkte auf unserer Skala, die von einem sehr negativen (-100 Punkte) bis zu einem sehr positiven Image (+100 Punkte) reicht. Vor drei Monaten waren es noch elf Punkte mehr – ein herber Verlust. 

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Dieselgate, Runde 2

Baut Mercedes gute Autos? Ja, sagt immer noch eine überwältigende Mehrheit derjenigen, die die Marke kennen. Keiner anderen Marke bescheinigen deutsche Verbraucher eine so gute Qualität. Aber das ist eben nicht alles, was zählt. Was durch den Dieselskandal Schaden genommen hat, ist nicht so sehr die Qualitätswahrnehmung, auch nicht die Kundenzufriedenheit – auch wenn diese Werte leicht zurückgegangen sind. Es ist mehr das Gesamtbild, das Kratzer - eher sogar tiefe Beulen - bekommen hat. Wenn wir nämlich fragen, ob Kenner der Marke einen eher positiven oder einen eher negativen allgemeinen Eindruck von ihr haben und das Ergebnis auf unserer Skala saldiert auftragen, dann reicht es für Mercedes nur noch zu +20 Punkten. 15 Punkte weniger als vor drei Monaten.

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Der Markt für gebrauchte Diesel ist aus dem Gleichgewicht geraten. Gerade die Rabatt-Aktionen der Hersteller beschleunigen den Wertverfall der Gebrauchten noch zusätzlich, wie verschiedene Test-Käufe zeigen.

Quelle: imago

Mercedes hat im Juli quasi die zweite Runde im Dieselskandal eröffnet. Wenig später geriet dann auch BMW in die Schlagzeilen. Zuvor standen vor allem Volkswagen und Audi im Mittelpunkt. Alle diese Marken haben, nachdem die Vorwürfe gegen Mercedes und BMW laut wurden, kräftig Punkte im BrandIndex eingebüßt. 

Im Ausland kaum wahrgenommen

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn aus Sicht von Mercedes hätte es deutlich schlimmer kommen können. Während nämlich in den USA scharf gegen Volkswagen vorgegangen wird und die Verhaftung eines Managers Schlagzeilen machte, bekam die Öffentlichkeit dort vom Dieselgate der Stuttgarter offenbar kaum etwas mit. Der amerikanische BrandIndex verzeichnet in den vergangenen drei Monaten sogar einen Aufwärtstrend für Mercedes. Selbst bei unseren europäischen Nachbarn, etwa in Frankreich und Großbritannien, bleiben die Werte der Marke stabil.

Welche Schadstoffe im Abgas stecken

  • Stickoxide

    Stickoxide (allgemein NOx) gelangen aus Verbrennungsprozessen zunächst meist in Form von Stickstoffmonoxid (NO) in die Atmosphäre. Dort reagieren sie mit dem Luftsauerstoff auch zum giftigeren Stickstoffdioxid (NO2). Die Verbindungen kommen in der Natur selbst nur in Kleinstmengen vor, sie stammen vor allem aus Autos und Kraftwerken. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen, zu Atemproblemen oder Augenreizungen führen sowie Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei.

  • Kohlenstoffdioxid

    Kohlendioxid (CO2) ist in nicht zu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Klimagas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht laut Umweltbundesamt rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland – hier spielt CO2 die größte Rolle. Es gibt immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos und mehr Lkw-Transporte. Außerdem mehren sich Hinweise darauf, dass Autobauer nicht nur bei NOx-, sondern auch bei CO2-Angaben jahrelang getrickst haben könnten.

  • Schwefeldioxid

    Bei der Treibstoff-Verbrennung in vielen Schiffsmotoren fällt auch giftiges Schwefeldioxid (SO2) an. In Autos und Lkws entsteht dieser Schadstoff aber nicht, was am Kraftstoff selbst liegt: Schiffsdiesel ist deutlich weniger raffiniert als etwa Pkw-Diesel oder Heizöl und enthält somit noch chemische Verbindungen, die bei der Verbrennung in Schadstoffe umgewandelt werden.

  • Feinstaub

    Winzige Feinstaub-Partikel entstehen entweder direkt in Automotoren, Kraftwerken und Industrieanlagen oder indirekt durch Stickoxide und andere Gase. Die Teilchen gelangen in die Lunge und dringen in den Blutkreislauf ein. Sie können Entzündungen der Atemwege hervorrufen, außerdem Thrombosen und Herzstörungen. Der Feinstaub-Ausstoß ist in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre deutlich gesunken. Städte haben Umweltzonen eingerichtet, um ihre Feinstaubwerte zu senken.

    Feinstaub entsteht aber nicht nur in den Motoren. Auch der Abrieb von Reifen und Bremsen löst sich in feinsten Partikeln. Genauso entstehen im Schienenverkehr bei jedem Anfahren und Bremsen feiner Metallabrieb an den Schienen. All das landet ebenfalls als Feinstaub in der Luft.

  • Katalysatoren

    Katalysatoren haben die Aufgabe, gefährliche Gase zu anderen Stoffen abzubauen. In Autos wandelt der Drei-Wege-Kat giftiges Kohlenmonoxid (CO) mit Hilfe von Sauerstoff zu CO2, längere Kohlenwasserstoffe zu CO2 und Wasser sowie NO und CO zu Stickstoff und CO2 um. Der sogenannte Oxidations-Kat bei Dieselwagen ermöglicht jedoch nur die ersten beiden Reaktionen, so dass Dieselabgase noch mehr Stickoxide enthalten als Benzinerabgase. Eingespritzter Harnstoff („AdBlue“) kann das Problem entschärfen: Im Abgasstrom bildet sich so zunächst Ammoniak, der anschließend in Stickstoff und Wasser überführt wird.

Auch der Buzz, unser empfindlichster Indikator für eine Veränderung des Markenimages, zeigt in diesen Ländern höchstens eine kleine Delle. Für den Buzz fragen wir Verbraucher, ob sie in letzter Zeit eher Positives oder eher Negatives über eine Marke gehört haben. Während der Buzz von Mercedes in Deutschland auf bis zu -31 Punkte absackte, blieb er mit Ausnahme Schwedens in allen 15 anderen BrandIndex-Regionen im positiven Skalabereich. 

Trendumkehr durch Dieselgipfel

Doch auch der deutsche Buzz enthält eine gute Nachricht für Mercedes und die anderen Premium-Autobauer: Er deutet darauf hin, dass die Hersteller mit dem Dieselgipfel Anfang August die Kurve gekriegt haben. Software-Updates für fünf Millionen Autos wurden dort als Kompromiss herausgehandelt. Das stieß auf viel Kritik von denjenigen, die eine Hardware-Aufrüstung verlangten. Doch für Verbraucher scheint die Bilanz des Dieselgipfels positiv zu sein. Zumindest steigen seitdem die Buzz-Werte für Mercedes, BMW und weitere deutsche Autobauer wieder. Mehr und mehr Verbraucher sagen, dass sie Positives über diese Marken gehört haben. 

Ob damit das schlechte Image des Diesel langfristig aufgebessert werden kann, bleibt fraglich. Mit einer lapidaren Aussage wie der des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel lässt es sich sicher nicht wegwischen: „Dieses Modell ist nur mit einem Dieselmotor verfügbar“, begründete er die Auswahl seines neuen Mercedes. Der Durchschnittsverbraucher begeistert sich hingegen immer mehr für Alternativen zum Diesel. Seit wir Mitte Mai einen ausführlichen Blick auf die Elektroauto-Marke Tesla geworfen haben, ist sie von Platz 18 in die Top 10 der bestbewerteten Automarken in Deutschland aufgestiegen. 

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