Audi-Vorstand: Wer die neuen Hoffnungsträger sind

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Neue Hoffnungsträger: Wie Audi seinen Vorstand umkrempelt

von Sebastian Schaal

Audi tauscht vier von sieben Vorstandsmitglieder aus, Unternehmenschef Rupert Stadler bleibt aber. Was Audi mit der Personalrochade bezweckt und wer die neuen Hoffnungsträger sind.

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Umbau im Audi-Vorstand: Hubert Waltl, Axel Strotbek, Thomas Sigi und Dietmar Voggenreiter müssen gehen.

Die wochenlangen Personalspekulationen bei Audi haben ein Ende: Die VW-Tochter tauscht vier von sieben Mitgliedern des obersten Management-Gremiums auf einen Schlag aus. Axel Strotbek, Thomas Sigi, Hubert Waltl und Dietmar Voggenreiter müssen gehen. Sie treten ihre Posten am 1. September ab, wie Audi mitteilte. Es bleiben Bernd Martens als Vorstand für Beschaffung, Entwicklungsvorstand Peter Mertens (allerdings auch erst seit dem 1. Mai 2017 auf diesem Posten) und der umstrittene Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler.

Mit dem Austausch von vier Top-Managern will der Aufsichtsrat wieder etwas Ruhe in das krisengeschüttelte Unternehmen bringen. Der Audi-Aufsichtsratsvorsitzende und VW-Konzernchef Matthias Müller dankt den Ausscheidenden für ihren Einsatz: „Die bisherigen Vorstände haben die positive Entwicklung von Audi mitgestaltet“, sagte Müller. "Zuletzt ist Audi durch eine schwierige Phase gegangen, hat aber alle Voraussetzungen, auch in der Mobilitätswelt von morgen erfolgreich zu sein. Das neue Team im Vorstand wird gemeinsam mit der Belegschaft die Transformation von Audi in Richtung Zukunft konsequent vorantreiben.“ Gerüchten um Unstimmigkeiten im Aufsichtsrat bei dem Vorstandsumbau trat Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche entgegen: „Wir stehen hinter den heute getroffenen Entscheidungen.“

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Seit Bekanntwerden des Dieselskandals vor knapp zwei Jahren gilt Vorstandschef Stadler als angezählt. Der Manager habe sich „an der Spitze von Audi bewährt“, sagte Porsche als Vertreter der Eigentümerfamilien. Es dürfte aber ein Abschied auf Raten sein, die Namen von möglichen Nachfolgern kursieren auch hier schon. Damit bleibt Stadler neben Martens die einzige langjährige Konstante im Vorstand. Im Entwicklungsressort, das die Ingolstädter VW-Tochter eigentlich auf die Mobilität der Zukunft ausrichten will, kamen und gingen mehrere Manager.

PremiumNeuer Vorstand bei Audi Warum Rupert Stadler eine Abberufung in Raten bevorsteht

Neue Enthüllungen im Abgasskandal setzen Vorstandschef Rupert Stadler zu. Erst wird er den Vorstand umbauen, danach muss er wohl selbst gehen.

Rupert Stadler. Quelle: Laif Wolf Heider-Sawall

Mit den Neubesetzungen hat Audi allerdings zwei Chancen verpasst: auf eine Frau zu setzen und externe Manager zu holen. Auch der neu zusammengestellte Audi-Vorstand bleibt eine reine Männer-Runde. Unter den vier neuen Mitgliedern ist zwar kein (Motoren-)Entwickler, also droht wohl keine spätere Verwicklung in den Abgasskandal. Der echte und nach außen zur Schau gestellte Neuanfang sieht aber anders aus, wenn Wolfsburg und Ingolstadt auf Nummer sicher spielen und nur interne Kandidaten aus dem Riesenreich des Konzerns in den Audi-Vorstand befördern.

Doch wer sind die Neuen? Was zeichnet sie aus? Und warum mussten ihre Vorgänger gehen? Eine Übersicht.

Marketing- und Vertriebsvorstand Bram Schot – der Problemlöser

Dass der Stuhl von Dietmar Voggenreiter wackelte, war früh abzusehen. Der Name des Vorstands für Marketing und Vertrieb machte als einer der ersten die Runde, als die Nachrichtenagentur Reuters im Juli über eine angebliche Personalrochade im Audi-Vorstand berichtete. Voggenreiter rückte zwar erst zum 1. November 2015, also nach Bekanntwerden des Abgasskandals, in den Vorstand auf. Doch mit seinem Ressort verantwortete er zwei wichtige Bereiche – die Außenwirkung des Unternehmens mit angekratztem Diesel-Image und den globalen Vertrieb, bei dem Audi zuletzt hinter Mercedes und BMW zurückgefallen war.

Verlorene Freunde und neue Gegner für Audi-Chef Rupert Stadler

  • Martin Winterkorn – Verschwundener Verbündeter

    Der Ex-VW-Chef stolperte über den Abgasskandal.

  • Ferdinand Piëch – Verschwundener Verbündeter

    Der frühere VW-Aufsichtsratschef spielt keine große Rolle mehr.

  • Ulrich Hackenberg – Verschwundener Verbündeter

    Einst gefeierter Audi-Technikchef, jetzt tief im Skandalsumpf.

  • Jörg Hofmann – Neuer Widersacher

    Der IG-Metall-Chef verlangt als VW-Aufsichtsrat eine zügige Skandalbewältigung.

  • Matthias Müller – Neuer Widersacher

    Der VW-Chef verliert die Geduld mit Stadler.

  • Stephan Weil – Neuer Widersacher

    Dem Ministerpräsidenten Niedersachsens liegt Wolfsburg näher als Ingolstadt.

Besonders auf dem zweiten Gebiet ist sein Nachfolger gewandt: Bram Schot (56) ist ein Vertriebsspezialist. Der gebürtige Niederländer leitete über Jahre die Italien-Tochter von Mercedes-Benz, bevor er 2011 nach Wolfsburg wechselte. Bei VW war er zunächst für strategische Projekte im Vertrieb auf Konzernebene zuständig. Diesen Job hatte er allerdings nur kurz inne, weil er bereits im Folgejahr nach Hannover zu VW Nutzfahrzeuge entsandt wurde. Dort übernahm er das Vorstandsressort für Marketing und Vertrieb und erwarb sich im Marken- und Konzernvorstand ein so hohes Ansehen, dass man ihm jetzt den ungleich komplexeren Posten in Ingolstadt zutraut. Ob Schot nicht nur das nüchtern-zahlengetriebene Nutzfahrzeuggeschäft, sondern auch das emotional geladene Premium-Geschäft beherrscht, wird sich dann bald zeigen.

Schots Aufgaben: Ruhe hereinbringen – sowohl im Marketing, aber vor allem im Vertrieb. Dieser ist neben dem Dieselskandal die derzeit wohl größte Baustelle bei Audi. Die Verkäufe laufen nicht mehr so rund, von der Premiumspitze sind die Ingolstädter inzwischen ein gutes Stück entfernt. Das hat unterschiedlichste Ursachen, die nur bedingt mit dem Abgasskandal zusammenhängen. In den USA gehen die Verkäufe allgemein zurück, Audi verliert dort aber stärker als die Konkurrenz. Und der neue A4, als klassischer Dienstwagen das Rückgrat der Audi-Flotte, läuft nur schleppend. In beiden Fällen sind die Audi-Modelle offenbar im Gesamtpaket nicht attraktiv genug.

Dazu kamen hausgemachte Probleme aus der Zeit Voggenreiters: In China wollte Audi neben FAW mit SAIC ein zweites Joint-Venture aufbauen. Die Händler von FAW-Audi gingen ob der Aussicht, dass bald wenige Meter weiter ein Händler von SAIC-Audi um die chinesischen Käufer geworben hätte, auf die Barrikaden. Die Konzernmutter VW macht das schließlich schon seit Jahrzehnten so, mit Parallel-Produktion und Vertrieb über FAW und SAIC. Die mächtigen Händler von FAW-Audi, die fast 40 Prozent aller Audis weltweit verkaufen, zogen da nicht mit und bestellten in Ingolstadt einfach keine neuen Autos mehr. Der Streik sorgte für eine immense Absatz-Delle Anfang 2017. Inzwischen hat man sich zwar geeinigt, doch beruhigt sind die Fronten noch lange nicht. Klar ist: Wegen des Streits wird das laufende Jahr Audi sicher keinen neuen Rekord einbringen.

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