Opel: "Wir kennen die Krise ja schon"

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Opel: "Wir kennen die Krise ja schon"

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Opel-Werk in Rüsselsheim.

von Andreas Macho

Die Übernahmegerüchte durch Peugeot befeuern die Unsicherheit unter den Opel-Arbeitern in Rüsselsheim. Von der Konzernspitze fühlen sich viele im Stich gelassen.

Die Nachricht, dass es seinen Arbeitsplatz womöglich bald nicht mehr geben könnte, erreichte Roland Zimmer, 61, per Smartphone. Der stämmige Arbeiter mit dem weißen Ziegenbart schraubte gerade im Opel-Werk in Rüsselsheim an der Elektronik eines Wagens, als seine Kollegen wild mit ihren Handy herumfuchtelten und auf die Displays deuteten: “Drohende Opel-Übernahme durch Peugeot.” Ein Schlag in die Magengrube für Zimmer, der seit 41 Jahren in diesem Werk arbeitet.

24 Stunden nach der Hiobsbotschaft steht Zimmer am Mittwoch vor dem Rüsselsheimer Werkstor 60, blinzelt skeptisch in die strahlende Sonne und weiß noch immer nicht, was er von der Schlagzeile aus dem Smartphone halten soll. “Wir hören nur Gerüchte. Gesagt hat uns keiner was. Selbst der Betriebsrat soll ja überrascht gewesen sein”, sagt Zimmer. 

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Mürrisch sind auch die Gesichter von Zimmers Kollegen, die an diesem frühen Nachmittag aus dem Werkstor 60 strömen. Die Unsicherheit über die Nachricht, dass Peugeot ihren Arbeitgeber womöglich von der derzeitigen Mutter General Motors übernehmen könnte, sitzt tief. Auf der anderen Seite des Geländes, im Hauptgebäude, ist während ihrer Schicht die Chefin von General Motors, Mary Barra, eingetroffen. Was Barra mit den Rüsselsheimer Managern bespricht, davon ist zu den Arbeitern nichts durchgedrungen. „Bei uns war sie jedenfalls nicht“, sagt einer von ihnen. Es klingt wie eine Mischung aus Scherz und Wut. 

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Ganz fremd ist zumindest den älteren Arbeitern die Situation nicht. „Alle Jahre wieder. Wir kennen die Krise ja schon“, sagt ein Arbeiter vor dem Werkstor. Wieder so ein Scherz, der mehr resigniert klingt, als dass er die Arbeiter von der Unsicherheit ablenken könnte. Nach der schmerzhaften Schließung des Opel-Werks in Bochum im Jahr 2014 und Jahren der roten Zahlen sind die meisten Arbeiter die vor dem Werkstor lauernden Journalisten ohnehin gewohnt. Und weil die Konzernspitze die Arbeiter im Ungewissen lässt, behelfen die sich mit Zweckoptimismus: „Es kann nur aufwärts gehen“, sagt einer der Opelaner.

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Weniger Hoffnung haben hingegen die Leiharbeiter im Rüsselsheimer Werk. Seit eineinhalb Jahren arbeitet ein 21-Jähriger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, als Leiharbeiter in Rüsselsheim. In seinem blitzblank polierten Opel fährt er gerade aus dem Werksgelände und lässt das Fenster herunter: „Als Leiharbeiter bin ich doch der Erste, der gehen muss”, sagt er. Dann lässt er das Fenster des Opels hochfahren und steuert davon. Es ist auch der Stolz der Opel-Arbeiter, der hier verletzt vom Werksgelände steuert. 

Zumindest bis Freitag wird die Zitterpartie für die Rüsselsheimer wohl weitergehen. Dann soll es eine außerordentlich Versammlung des Betriebsrats geben. “Hoffentlich gibt es dann endlich Sicherheit”, sagt Zimmer und stapft davon.

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