US-Urteil gegen VW-Ingenieur: Wie hart wird James Liang bestraft

Urteil gegen VW-Ingenieur: Wie hart bestrafen die USA James Liang?

In den USA soll erstmals ein Volkswagen-Mitarbeiter wegen seiner Rolle im Abgas-Skandal verurteilt werden. Doch der Angeklagte ist keineswegs das „Mastermind“ des Betrugs - da sind die Strafverfolger sicher.

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Der langjährige VW-Ingenieur James Robert Liang steht in den USA vor Gericht.

Mit dem ersten Urteil gegen einen VW-Mitarbeiter beginnt im Abgas-Skandal ein neues Kapitel. Nachdem Volkswagen die „Dieselgate“-Affäre auf Konzernebene mit Milliarden-Vergleichen zumindest in den USA weitgehend abhaken konnte, sollen dort nun die verantwortlichen Menschen zur Rechenschaft gezogen werden. Der Fall „Vereinigte Staaten von Amerika gegen James Robert Liang“ taugt dazu allerdings nur bedingt. Denn die Drahtzieher hinter dem Betrug vermuten die Strafverfolger woanders.

Die Staatsanwaltschaft fordert zwar eine dreijährige Haftstrafe und 20.000 Dollar Bußgeld für den 63 Jahre alten Dieselexperten, der seine gesamte 35-jährige Berufskarriere lang für VW tätig war. Doch zugleich machte sie in ihrem Plädoyer deutlich, dass sie Liang nicht für das „Mastermind“ im Abgas-Skandal hält. „Er saß weder in den Vorstandsetagen von VW, wo die Betrugs-Software diskutiert wurde, noch hat er andere am kriminellen Komplott Beteiligte im Unternehmen angewiesen oder beaufsichtigt.“

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Liang hatte im September 2016 ein Geständnis abgelegt - rund ein Jahr, nachdem VW unter dem Druck der US-Umweltbehörden zugab, mit einer illegalen Software in großem Stil Abgastests von Dieselautos manipuliert zu haben. Seitdem kooperierte der von Justizbeamten als „sanftmütig und leise“ beschriebene Vater dreier Kinder als eine Art Kronzeuge mit den US-Behörden. Liang habe wichtige Informationen geliefert, die bei den nächsten Schritten hilfreich gewesen seien, sagen die Ermittler. Deshalb liegt die geforderte Strafe auch deutlich unter dem gesetzlichen Höchstmaß von sieben Jahren Haft und einer Geldbuße bis zu 400.000 Dollar.

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Liang, der seit 1982 beim deutschen Autoriesen angestellt ist, belastete Kollegen und Vorgesetzte zum Teil schwer - mittlerweile wurden US-Strafanzeigen gegen weitere sieben amtierende und ehemalige Mitarbeiter des Konzerns gestellt. Liangs Aussagen lassen zudem tief in die Firmen-DNA blicken. Er habe der Regierung als Mitglied einer Verschwörung zum Betrug und Verstoß gegen Umweltgesetze „Einsichten aus erster Hand in die rechtswidrigen Grundsätze und Motivationen von VW und seinen Mitarbeitern gewährt“, so die Staatsanwaltschaft.

Beschrieben wurde demnach ein „Unternehmen, das seine ethische Verankerung verloren hat im Streben nach mehr Marktanteilen und Profit“. Liangs Anwalt Daniel Nixon bezeichnet seinen Mandanten als hart arbeitenden und loyalen VW-Angestellten, dem eine Unternehmenskultur zum Verhängnis geworden sei, die „keinen Widerspruch erlaubte“. Statt sich - wie andere Kollegen - nach Bekanntwerden des Skandals in die sichere deutsche Heimat abzusetzen, sei Liang in den USA geblieben, um eine Lösung für VW zu finden.

Nun wird im größten Skandal der Konzerngeschichte mit dem Ingenieur wohl zuerst ein relativ kleines Rädchen im VW-Getriebe zur Verantwortung gezogen. Auch wenn Liang wie von der Anklage behauptet als „Leiter Dieselkompetenz“ von Volkswagens US-Tochter jahrelang beim Schwindel rund um Zertifizierung und Tests manipulierter Dieselwagen mitgeholfen hat - verglichen mit den Vorwürfen gegen andere Angeklagte ist seine Rolle überschaubar. Sein Anwalt Nixon plädiert deshalb für eine Bewährungsstrafe mit einem Jahr Hausarrest, 1500 gemeinnützigen Arbeitsstunden und einem geringen Bußgeld.

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Doch ob die US-Fahnder größere Namen auf ihrer Liste - wie etwa Ex-Entwicklunsvorstand Heinz-Jakob Neußer - je werden fassen können? Aus Deutschland droht vorerst jedenfalls keine Auslieferung. Mit Oliver Schmidt, der im Januar in Miami vom FBI festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt, erwartet neben Liang derzeit nur einen weiteren Beschuldigten ein Urteil in den USA.

Der 48-Jährige, der dort bis 2015 für Umweltfragen zuständig war, hatte Anfang des Monats ein Schuldgeständnis abgegeben. Ihm drohen bis zu sieben Jahre Haft und Geldstrafen von insgesamt bis zu 500 000 Dollar.

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