Volkswagen: Porsche-Familie distanziert sich von Piëch

Volkswagen: Porsche-Familie distanziert sich von Piëch

, aktualisiert 12. April 2015, 16:46 Uhr
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Ferdinand Piëch (l.) und Wolfgang Porsche: Im Machtkampf bei Volkswagen ist Porsche auf Distanz zu Piëch gegangen.

Neue Wendung im VW-Machtkampf: Die kritischen Aussagen von Aufsichtsratschef Piëch über Vorstandschef Winterkorn waren nicht mit der Porsche-Familie abgestimmt. Offenbar hat Piëch einen Alleingang hingelegt.

Im Machtkampf bei Volkswagen ist VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche auf Distanz zu Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gegangen. „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist“, ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie über einen Sprecher am Sonntag in Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur mitteilen. Piëch war zuvor völlig überraschend von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn abgerückt.

Die Familien Piëch und Porsche halten die Mehrheit an VW. Wolfgang Porsche ist der Sprecher des Porsche-Zweigs. Zuvor hatten bereits der VW-Betriebsrat und das Land Niedersachsen als VW-Anteilseigner Winterkorn den Rücken gestärkt.

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Wolfgang Porsche als zentrale Figur des Porsche-Flügels

Damit steht Piëch mit seinen Äußerungen zunehmend isoliert da. Bisher gab es aus dem VW-Aufsichtsrat keine öffentliche Unterstützung der Position Piëchs.

Piëch hatte dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ gesagt: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Dies kam einer Demontage Winterkorns (67) gleich. Piëch hatte außerdem gesagt: „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen.“ Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen.

Winterkorns Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus. Konzerninsider hatten zuletzt übereinstimmend berichtet, dass Winterkorn Piëch im Kontrollgremium ablösen dürfte. Nur der Zeitpunkt schien unklar. So ließ es auch Winterkorn zuletzt offen, ob für ihn eine Vertragsverlängerung infrage komme.

Winterkorn selbst will laut Medienberichten kämpfen. Er wolle sich von Piëch nicht vom Hof jagen lassen, erfuhr die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ aus dem Unternehmen. Die „Bild am Sonntag“ zitierte einen „Vertrauten“ Winterkorns mit den Worten: „Piëch will ihn killen, aber Winterkorn kämpft.“

Was VW 2014 in den USA verkauft hat

  • Beetle

    29.182 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

    Quelle: CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen

  • CC

    9.995 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Eos

    3.411 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Golf

    33.675 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Jetta

    160.873 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • US-Passat

    96.649 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Routan

    1.103 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Tiguan

    25.121 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Touareg

    6.961 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Wolfgang Porsche (71) ist auch Aufsichtsratschef der Porsche Holding SE. Er gilt als zentrale Figur des Porsche-Flügels. Die Porsches sitzen in Person von Wolfgang Porsche und Ferdinand Oliver Porsche im VW-Aufsichtsrat.

Jahrelanges Vertrauensverhältnis zwischen Piëch und Winterkorn

Der einflussreiche VW-Betriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh hatte Winterkorn den Rücken gestärkt: „Wir haben eine klare Haltung, an der sich nichts geändert hat: Wir haben mit Dr. Winterkorn den erfolgreichsten Automobilmanager an Bord.“ Der Betriebsrat mache eine Personaldebatte nicht mit.

Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) sagte: „Ich halte eine öffentliche Diskussion über die Spitzen von VW für schädlich.“ Weil sitzt ebenfalls im VW-Aufsichtsrat.

Die Aussagen Piëchs kommen einem Erdbeben bei Volkswagen gleich. Piëch stand einst selbst als Vorstandschef an der VW-Konzernspitze - wie heute Winterkorn. Jahrzehntelang hatten die beiden ein enges Vertrauensverhältnis.

Produktionskapazitäten deutscher Autobauer in Nordamerika 2000-2025

  • 2000

    BMW Mexiko: 1.594 Einheiten

    BMW USA: 83.672 Einheiten

    Daimler Mexiko: 0 Einheiten

    Daimler USA: 83.720 Einheiten

    Volkswagen Kanada: 0 Einheiten

    Volkswagen Mexiko: 423.807 Einheiten

    Volkswagen USA: 0 Einheiten

    Quelle: IHS Global

  • 2005

    BMW Mexiko: 0 Einheiten

    BMW USA: 124.816 Einheiten

    Daimler Mexiko: 0 Einheiten

    Daimler USA: 105.474 Einheiten

    Volkswagen Kanada: 0 Einheiten

    Volkswagen Mexiko: 299.862 Einheiten

    Volkswagen USA: 0 Einheiten

    Quelle: IHS Global

  • 2010

    BMW Mexiko: 0 Einheiten

    BMW USA: 154.276 Einheiten

    Daimler Mexiko: 0 Einheiten

    Daimler USA: 134.447 Einheiten

    Volkswagen Kanada: 15.342 Einheiten

    Volkswagen Mexiko: 436.128 Einheiten

    Volkswagen USA: 0 Einheiten

    Quelle: IHS Global

  • 2015 (Prognose)

    BMW Mexiko: 0 Einheiten

    BMW USA: 371.475 Einheiten

    Daimler Mexiko: 0 Einheiten

    Daimler USA: 302.129 Einheiten

    Volkswagen Kanada: 0 Einheiten

    Volkswagen Mexiko: 460.237 Einheiten

    Volkswagen USA: 117.152 Einheiten

    Quelle: IHS Global

  • 2020 (Prognose)

    BMW Mexiko: 94.707 Einheiten

    BMW USA: 383.288 Einheiten

    Daimler Mexiko: 171.535 Einheiten

    Daimler USA: 307.077 Einheiten

    Volkswagen Kanada: 0 Einheiten

    Volkswagen Mexiko: 738.607 Einheiten

    Volkswagen USA: 241.631 Einheiten

    Quelle: IHS Global

  • 2025 (Prognose)

    BMW Mexiko: 155.308 Einheiten

    BMW USA: 260.330 Einheiten

    Daimler Mexiko: 140.403 Einheiten

    Daimler USA: 281.273 Einheiten

    Volkswagen Kanada: 0 Einheiten

    Volkswagen Mexiko: 796.325 Einheiten

    Volkswagen USA: 257.960 Einheiten

    Quelle: IHS Global

Der „Spiegel“ führte für die Verstimmung zwischen Winterkorn und Piëch auch die großen strategischen Probleme an, vor denen Volkswagen allem Erfolg zum Trotz seit Jahren steht. Die Gewinnkraft der Kernmarke VW-Pkw hinkt der Konkurrenz beständig hinterher. Daher greift seit vergangenen Sommer ein milliardenschwerer Sparplan.

Im Juli gibt Winterkorn das Amt als VW-Markenchef, das er in Personalunion mit dem Konzernvorstand führt, an den früheren BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess ab. In den USA fehlen zudem die richtigen Modelle, so dass VW seit Jahren in einem wachsenden Markt - dem nach China zweitgrößten der Welt - Anteile verliert.

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