Volkswagen: VW findet Kompromiss für Drei-Liter-Dieselmotoren

Volkswagen: VW findet Kompromiss für Drei-Liter-Dieselmotoren

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Ein VW-Logo vor dem Bosch-Stammsitz.

Vor mehr als einem Jahr wurde der VW-Abgasskandal bekannt. Nun gibt es endlich einen Kompromiss mit den amerikanischen Behörden, die Einigung mit den Kunden soll rasch folgen. Auch Bosch hat einen Vergleich erzielt.

Einigung in Zeitlupe: Volkswagen hat sich nach monatelangem zähem Ringen im Grundsatz auf eine Entschädigung von 83.000 Kunden in den USA mit umweltbelastenden Dieselautos verständigt. Der Vergleich mit Behörden und Privatklägern sieht nach Angaben von Bezirksrichter Charles Breyer vor, dass die Eigner der Fahrzeuge mit Drei-Liter-Motoren von Audi eine "erhebliche Entschädigung" erhalten sollen.

VW und der Dieselrückruf - was Kunden jetzt erwartet

  • Ein Mammutrückruf

    Es ist ein Mammutrückruf: 2,6 Millionen Fahrzeuge allein in Deutschland und 8,5 Millionen in Europa sind von den geschönten Abgastests bei Volkswagen-Dieselautos betroffen und müssen in die Werkstätten. Ursprünglich hatte der Autobauer damit bis Ende 2016 durch sein wollen - doch noch ist viel zu tun. Nun haben die Wolfsburger nach eigenem Bekunden alle Genehmigungen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) für die Umrüstung von Motoren im Dieselskandal zusammen.

    Quelle: dpa

  • Welche Autos können jetzt umgerüstet werden?

    Zumindest alle Autos, die in Deutschland zugelassen und von den Manipulationen betroffen sind. Vor allem sind das die Verkaufsschlager Golf und Passat. Ursprünglich wollte VW die Rückrufe schneller anschieben. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte der Konzern mitgeteilt, das Kraftfahrtbundesamt habe die Pläne des Konzerns „bestätigt“. Jetzt dauerte doch alles länger - zu viele Softwarevarianten für verschiedene Motoren mussten die Ingenieure anpassen.

  • Können alle Autos jetzt sofort in die Werkstätten?

    Nein, das wird noch ein wenig dauern. VW will die Autobesitzer in den kommenden Wochen anschreiben. Dann können sie Termine mit einer Vertragswerkstatt vereinbaren. Bislang sind gut 750.000 Motoren der VW-Konzernmarken in Deutschland umgerüstet - von insgesamt 2,6 Millionen betroffenen Wagen. Europaweit sollen die Rückrufe bis zum Herbst des kommenden Jahres abgeschlossen sein.

  • Bekommen die Wagen jetzt einfach eine neue Software aufgespielt?

    Ja, aber nicht nur. Zwar werden die meisten Motoren lediglich an einen Computer angeschlossen. Sie bekommen dann eine Software, die die Abläufe im Motor besser steuern und für eine effizientere Verbrennung des Diesels sorgen soll. Bei Autos mit 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich noch ein sogenannter Strömungsgleichrichter eingebaut. Das kleine Gitterrohr aus Kunststoff soll verwirbelte Luft ordnen, die durch den Luftfilter Richtung Motor strömt. Über genauere Messungen könne die Motorsteuerung das laufende Aggregat dann besser abstimmen und damit auch den Stickoxidausstoß senken.

  • Stoßen die Autos dann weniger Schadstoffe auf der Straße aus?

    Das muss nicht unbedingt so sein. Die Umbaumaßnahmen von VW sind vor allem darauf ausgerichtet, dass die Autos den Test auf dem relevanten Prüfstand schaffen - und zwar ohne Betrugssoftware. Der ADAC hat zwar bei Messungen von einigen wenigen Fahrzeugen einen Rückgang von Emissionen schädlicher Stickoxide in realitätsnäheren Testzyklen gemessen. Einen Rückschluss auf alle umgerüsteten Fahrzeuge lässt das aber nicht zu.

  • Bringt die Umrüstung Nachteile für Kunden?

    VW beteuert, dass die Autos nach dem Rückruf nicht mehr verbrauchen, die Leistung nicht sinkt und sie auch nicht lauter sind. Nach VW-Angaben bestätigt das auch das KBA. Ob es aber de facto doch zu höheren Verbrauchswerten oder anderen Nachteilen kommt, bewerten derzeit mehrere Gerichte mithilfe von Gutachtern. Mehrere VW-Besitzer klagen, weil sie solche Nachteile befürchten, auf Schadenersatz oder Rückgabe ihrer Autos.

  • Bekommen Kunden in Deutschland eine Entschädigung?

    Nein. Während Kunden in den USA mindestens 5100 Dollar (4900 Euro) Entschädigung bekommen, gehen Kunden in Deutschland und Europa leer aus. Der Konzern begründet das unter anderem mit einer anderen Rechtslage. VW-Chef Matthias Müller hatte zudem bereits Mitte des Jahres gesagt, Entschädigungen in beliebiger Höhe würden Volkswagen überfordern.

Etwa 20.000 Fahrzeuge sollen zurückgekauft und weitere 63.000 umrüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Als Teil der Vereinbarung mit dem US-Justizministerium zahlt Volkswagen zudem 225 Millionen Dollar in einen Fonds zur Wiedergutmachung für überhöhte Dieselemissionen. Für Donnerstag setze das Gericht eine weitere Anhörung an, um weitere Details bekanntzugeben.

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Volkswagen teilte mit, das Gericht habe für den 31. Januar eine Frist für eine formale Übereinkunft gesetzt. Das Unternehmen habe eine Vereinbarung mit Klägern über wesentliche Aspekte des monetären Ausgleichs getroffen, den berechtigte Eigentümer und Leasingnehmer erhalten sollten. Die Höhe der Entschädigung wurde nicht genannt. Die US-Umweltbehörde EPA schätzt die Kosten der Einigung für Volkswagen auf insgesamt eine Milliarde Dollar. Außerdem sagten Wolfsburger zu, in Kalifornien bis 2020 mindestens drei zusätzliche Elektroautos auf den Markt bringen, darunter einen Geländewagen.

Abgasskandal VW findet Kompromiss mit US-Klägern

Nach monatelangem Ringen im VW-Abgasskandal gibt es nun endlich einen Kompromiss mit den amerikanischen Behörden. Die Einigung mit den Kunden soll rasch folgen. Auch Bosch hat einen Vergleich erzielt.

Ein VW-Logo vor dem Bosch-Stammsitz. Quelle: dpa

Audi hatte vergangenes Jahr zugegeben, eine nach US-Recht als illegal geltende Software bei Sechszylinder-Diesel-Motoren mit drei Litern Hubraum eingebaut zu haben, um die Abgaswerte zu manipulieren. Die Premiumtochter des Wolfsburger Konzerns ist für die Entwicklung von großen Motoren mit drei Litern Hubraum zuständig, die auch in Geländewagen von VW und Porsche eingebaut sind.

Aufarbeitung in kleinen Schritten

Mit der nun erzielten Einigung kann Volkswagen einen weiteren Brocken bei der Aufarbeitung des Abgasskandals aus dem Weg räumen, der vor gut einem Jahr in den USA ans Licht kam. Die Verhandlungen vor dem Bezirksgericht in San Francisco hatten sich hingezogen. Zuletzt hatte Richter Breyer drei Mal einen Anhörungstermin verschoben, um den Druck zu erhöhen. Erst beim vierten Anlauf gelang nun der Durchbruch für das zweite Diesel-Paket.

VW-Abgasskandal Verwirrung um zweiten Diesel-Deal in den USA

Bei den 2,0-Liter-Motoren konnte VW im Sommer ein teures Teilkapitel der Dieselkrise abschließen. Gelingt das vor dem Jahreswechsel auch bei den großen 3,0-Liter-Wagen? Es schien fast schon klar – dann wieder doch nicht.

Der VW Touareg mit dem Drei-Liter-Diesel gehört zu den betroffenen Modellen. Quelle: AP

Zu Wochenanfang hatte sich Volkswagen bereits in Kanada mit Klägern geeinigt. Sie sollen umgerechnet bis zu 1,5 Milliarden Euro Schadensersatz für Dieselautos mit Zwei-Liter-Dieselmotoren mit manipulierter Abgasreinigung erhalten. Der angestrebte Vergleich mit Sammelklägern muss Ende März noch von zwei kanadischen Gerichten gebilligt werden. Er folgt dem Muster des bis zu 16,5 Milliarden Dollar teuren ersten Diesel-Pakets für rund 475.000 Dieselautos in den USA, der im Sommer geschlossen worden war.

VW hatte vor gut einem Jahr zugegeben, bei weltweit rund elf Millionen Autos die Abgasreinigung mit einer Software so zu steuern, dass die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide auf dem Prüfstand eingehalten wurden, nicht aber auf der Straße. Bisher hat der Konzern 18,2 Milliarden Euro für die Aufarbeitung von Dieselgate beiseite gelegt. Audi hat in diesem Jahr für den US-Vergleich bisher 752 Millionen Euro zurückgelegt.

Weltweit stehen noch Klagen von Aktionären und Autokäufern aus, denn nur in den USA und Kanada zwingt das Gesetz VW zu teuren Zugeständnissen. In Europa sollen sich die Verbraucher damit begnügen, die Autos durch VW umrüsten zu lassen. Als weitere Hürde steht noch eine Geldbuße des amerikanischen Justizministeriums wegen jahrelanger Verstöße gegen US-Umweltrecht aus.

Auch Bosch erzielt Einigung

Teil des nun gefundenen zivilrechtlichen Kompromisses ist auch eine Vereinbarung mit dem Zulieferer Bosch als Lieferanten der Steuerungssoftware für die Motoren in den USA. Die Einigung umfasse die Beilegung von Forderungen gegen das Unternehmen, teilte der Stiftungskonzern mit. Reuters hatte bereits berichtet, der Stuttgarter Konzern sei zur Zahlung von mehr als 300 Millionen Dollar an Kläger bereit, die dem Zulieferer aktive Mithilfe bei der Manipulation vorwerfen. Bosch hatte jegliche Verantwortung für den Einsatz der Software von sich gewiesen.

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