Volkswagen: VW soll belastende Dokumente gelöscht haben

Volkswagen: VW soll belastende Dokumente gelöscht haben

, aktualisiert 09. Juni 2016, 13:24 Uhr
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Das VW-Verwaltungsgebäude in Wolfsburg.

Hat der Volkswagen-Konzern vor der Dieselgate-Affäre versucht, belastende Unterlagen verschwinden zu lassen? Diesem Verdacht geht die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun nach. Behindern soll das die Ermittlungen aber nicht.

Volkswagen hat laut Medien zu Beginn der Abgasaffäre offenbar versucht, belastende Dokumente in größerem Stil zu beseitigen. Diesem Verdacht gehe die Staatsanwaltschaft Braunschweig nach, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch laut Vorabbericht. Ein Sprecher habe dem Rechercheverbund bestätigt, dass gegen einen VW-Mitarbeiter ein Ermittlungsverfahren wegen Urkundenunterdrückung und versuchter Strafvereitelung eröffnet worden sei.

Welche Schadstoffe im Abgas stecken

  • Stickoxide

    Stickoxide (allgemein NOx) gelangen aus Verbrennungsprozessen zunächst meist in Form von Stickstoffmonoxid (NO) in die Atmosphäre. Dort reagieren sie mit dem Luftsauerstoff auch zum giftigeren Stickstoffdioxid (NO2). Die Verbindungen kommen in der Natur selbst nur in Kleinstmengen vor, sie stammen vor allem aus Autos und Kraftwerken. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen, zu Atemproblemen oder Augenreizungen führen sowie Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei.

  • Kohlenstoffdioxid

    Kohlendioxid (CO2) ist in nicht zu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Klimagas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht laut Umweltbundesamt rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland – hier spielt CO2 die größte Rolle. Es gibt immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos und mehr Lkw-Transporte. Außerdem mehren sich Hinweise darauf, dass Autobauer nicht nur bei NOx-, sondern auch bei CO2-Angaben jahrelang getrickst haben könnten.

  • Schwefeldioxid

    Bei der Treibstoff-Verbrennung in vielen Schiffsmotoren fällt auch giftiges Schwefeldioxid (SO2) an. In Autos und Lkws entsteht dieser Schadstoff aber nicht, was am Kraftstoff selbst liegt: Schiffsdiesel ist deutlich weniger raffiniert als etwa Pkw-Diesel oder Heizöl und enthält somit noch chemische Verbindungen, die bei der Verbrennung in Schadstoffe umgewandelt werden.

  • Feinstaub

    Winzige Feinstaub-Partikel entstehen entweder direkt in Automotoren, Kraftwerken und Industrieanlagen oder indirekt durch Stickoxide und andere Gase. Die Teilchen gelangen in die Lunge und dringen in den Blutkreislauf ein. Sie können Entzündungen der Atemwege hervorrufen, außerdem Thrombosen und Herzstörungen. Der Feinstaub-Ausstoß ist in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre deutlich gesunken. Städte haben Umweltzonen eingerichtet, um ihre Feinstaubwerte zu senken.

    Feinstaub entsteht aber nicht nur in den Motoren. Auch der Abrieb von Reifen und Bremsen löst sich in feinsten Partikeln. Genauso entstehen im Schienenverkehr bei jedem Anfahren und Bremsen feiner Metallabrieb an den Schienen. All das landet ebenfalls als Feinstaub in der Luft.

  • Katalysatoren

    Katalysatoren haben die Aufgabe, gefährliche Gase zu anderen Stoffen abzubauen. In Autos wandelt der Drei-Wege-Kat giftiges Kohlenmonoxid (CO) mit Hilfe von Sauerstoff zu CO2, längere Kohlenwasserstoffe zu CO2 und Wasser sowie NO und CO zu Stickstoff und CO2 um. Der sogenannte Oxidations-Kat bei Dieselwagen ermöglicht jedoch nur die ersten beiden Reaktionen, so dass Dieselabgase noch mehr Stickoxide enthalten als Benzinerabgase. Eingespritzter Harnstoff („AdBlue“) kann das Problem entschärfen: Im Abgasstrom bildet sich so zunächst Ammoniak, der anschließend in Stickstoff und Wasser überführt wird.

Nach Recherchen von NDR, WDR und "SZ" handelt es sich bei dem Beschuldigten um einen hochrangigen VW-Juristen. Ein Konzernsprecher sagte auf Anfrage von Reuters, man äußere sich nicht zu laufenden Ermittlungen.

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Staatsanwaltschaft: Gelöschte VW-Daten erschweren Ermittlungen nicht

Die verschwundenen Daten sind laut Staatsanwaltschaft bisher kein Hindernis für die Strafverfolgung. „Wir sind im Moment relativ hoffnungsfroh, dass das unsere Ermittlungen nicht erschweren wird“, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. „Wir gehen im Moment davon aus, dass wir keinen maßgeblichen Verlust erlitten haben.“ Die Dimension des Datenverlustes lasse sich unter anderem daher abschätzen, dass ein Teil der Informationen inzwischen zurückgegeben worden sei. Ziehe sagte, Zeugenaussagen und eigene Ermittlungsergebnisse hätten die Datenlöschung zutage gefördert.

Als Ergebnis leitete die Behörde gegen einen VW-Mitarbeiter ein neues Ermittlungsverfahren ein. Dabei geht es um den Anfangsverdacht der Urkundenunterdrückung und der versuchten Strafvereitelung.

Nach dpa-Informationen wird im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal gegen 24 mutmaßlich Beteiligte ermittelt, gegen 17 davon wegen der Stickoxid-Software-Manipulationen, gegen 6 im Zusammenhang mit falschen CO2- und Verbrauchsangaben und nun gegen den Mitarbeiter, der für die Datenlöschung verantwortlich sein soll. Details zu dem Mann wollte Ziehe nicht nennen, es handle sich aber nicht um einen amtierenden oder früheren Vorstand.

Laut Ziehe werfen Zeugen dem Beschuldigten vor, im August 2015 - also wenige Wochen vor Bekanntwerden des Skandals - bei einer Besprechung Beteiligte „verklausuliert, aber deutlich genug“ angewiesen zu haben, Daten verschwinden zu lassen. Sie seien aus dem VW-System gelöscht und auf Datensticks gepackt worden. Einige dieser Datenträger im Taschenformat seien wieder da. Auf Strafvereitelung und Urkundenunterdrückung stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies sagte am Donnerstag, der Datenschwund sei bereits Thema in dem Kontrollgremium von Volkswagen gewesen. „Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte der SPD-Politiker. Details dürfe er nicht nennen.

Der Vizechef der FDP-Landtagsfraktion und Ex-VW-Aufsichtsrat Jörg Bode sagte, die Datenlöschung werfe ein neues Licht auf den Abgasskandal. Er kritisierte, dass die Sache in der im März vorgelegten VW-Erwiderung auf Aktionärsklagen nicht erwähnt würde.



Nach dpa-Informationen wird Volkswagen noch vor der Hauptversammlung am 22. Juni seine Strategie bis zum Jahr 2025 vorstellen. Dabei soll es auch um Lehren aus der Abgaskrise gehen. Zudem hat der Konzern die US-Kanzlei Jones Day mit der Aufklärung der Affäre betraut. Aus Rücksicht auf die Verhandlungen mit den US-Behörden und deren Ermittlungen legt VW zunächst keine Zwischenergebnisse dazu vor. Das soll frühestens zum Jahresende geschehen.

Derweil ist klar, dass VW es auch mit Polizisten, Feuerwehrleuten, oder Lehrern aus New York zu tun bekommt - zumindest indirekt. Denn deren Rentenkassen haben in VW-Aktien investiert - und fordern nun eine Sonderprüfung der Abgas-Krise. Dafür haben sie einen Antrag für die VW-Hauptversammlung am 22. Juni eingereicht. Die VW-Aktien verloren in der Diesel-Krise heftig an Wert. Die Vorzugsaktien büßten teils gut 40 Prozent ein, aktuell liegen sie bei etwa 75 Prozent des Niveaus vor der Krise..

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