VW-Abgasskandal: Winterkorn wusste angeblich Monate früher Bescheid

VW-Abgasskandal: Winterkorn wusste angeblich Monate früher Bescheid

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Martin Winterkorn

Erst wenige Tage vor dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals im September 2015 wurde der VW-Spitze das Ausmaß bekannt. Diese Position vertritt der Autobauer bisher. Unterlagen wecken Zweifel an dieser Darstellung.

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn hat nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ mindestens zwei Monate vor Bekanntwerden des Diesel-Skandals von den Manipulationen erfahren. Ein VW-Abgasspezialist habe Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess am 27. Juli 2015 ausführlich die Betrugssoftware erklärt, mit der weltweit etwa elf Millionen Fahrzeuge manipuliert wurden, schrieb die Zeitung.

„Ich hatte nicht das Gefühl, dass Winterkorn zum ersten Mal davon gehört hat“, zitiert die „BamS“ den Experten und heutigen Kronzeugen. Das Blatt beruft sich auf „Hunderte Zeugenbefragungen, FBI-Berichte, interne E-Mails und geheime Präsentationen“.

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Volkswagen erklärte dazu auf Nachfrage: „Vor dem Hintergrund laufender Ermittlungen äußern wir uns zu den genannten Sachverhalten inhaltlich nicht.“

Was die VW-Marken 2016 verdient haben

  • Volkswagen Pkw

    Umsatz: 105,7 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 1,9 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 1,8 Prozent

    Quelle: Geschäftsbericht

  • Audi

    Umsatz: 59,3 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 4,8 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 8,2 Prozent

    inklusive der Finanzkennzahlen von Lamborghini und Ducati

  • Skoda

    Umsatz: 13,7 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 1,2 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 8,7 Prozent

  • Seat

    Umsatz: 8,9 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 153 Millionen Euro
    Operative Rendite: 1,7 Prozent

  • Bentley

    Umsatz: 2,0 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 112 Millionen Euro
    Operative Rendite: 5,5 Prozent

  • Porsche

    Umsatz: 22,3 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 3,9 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 17,4 Prozent

  • Volkswagen Nutzfahrzeuge

    Umsatz: 11,1 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 455 Millionen Euro
    Operative Rendite: 4,1 Prozent

  • Scania

    Umsatz: 11,3 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 1,1 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 9,5 Prozent

  • MAN

    Umsatz: 10,0 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 230 Millionen Euro
    Operative Rendite: 2,3 Prozent

  • Volkswagen Financial Services

    Umsatz: 27,6 Milliarden Euro
    Operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen: 2,1 Milliarden Euro
    Operative Rendite: 7,6 Prozent

Nach Konzernangaben hat die VW-Führungsspitze um den damaligen Konzernchef Winterkorn nur wenige Tage vor Bekanntwerden des Skandals in den USA detailliert von den Manipulationen erfahren. Gegen Winterkorn sowie gegen den heutigen VW-Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller, den VW-Aufsichtsratschef und ehemaligen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sowie Diess laufen in Deutschland bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Sie sollen den Kapitalmarkt entgegen der Vorschriften nicht rechtzeitig über die Probleme informiert haben. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen fast 40 Beschuldigte wegen Betrugsverdachts, auch gegen Winterkorn.

Die kalifornische Umweltbehörde CARB war dem Bericht zufolge seit Februar 2015 von einem „Defeat Device“ ausgegangen und hatte sich mehrfach mit VW-Vertretern getroffen. „Jetzt haben wir Ärger. Sie haben uns erwischt“, habe ein VW-Manager nach einem Treffen mit der Behörde am 8. Juli 2015 kommentiert, berichtet das Blatt unter Berufung auf US-Akten.

„Winterkorn hat niemanden angewiesen, die Existenz der Software preiszugeben. Und nur Winterkorn konnte diese Entscheidung treffen“, zitiert die Zeitung den Kronzeugen. Vielmehr habe der damalige VW-Chef nur genehmigt, das Problem bei Gesprächen mit den US-Behörden „teilweise“ offenzulegen. Wie der Kronzeuge nach „BamS“-Informationen sagte, erklärte er selbst schließlich in einem Treffen mit CARB-Vertretern am 19. August 2015 den Betrug.

Wie VW im ersten Quartal abgeschnitten hat

  • Absatz

    Im Auftaktquartal 2017 hat Volkswagen 2,495 Millionen Fahrzeuge abgesetzt – zum ersten Quartal 2016 ein Rückgang von 0,5 Prozent (2,508 Millionen Fahrzeuge).

  • Umsatz

    Im Vergleich zum schwachen Jahresauftakt 2016 konnte VW deutlich zulegen. Die Umsatzerlöse stiegen von 50,964 Milliarden Euro auf 56,197 Milliarden Euro – plus 10,3 Prozent.

  • Operatives Ergebnis

    Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 27 Prozent auf 4,37 Milliarden Euro – zum Jahresauftakt 2016 waren es noch 3,44 Milliarden Euro. Die operative Rendite stieg von 6,8 auf 7,8 Prozent.

  • Ergebnis nach Steuern

    Das Ergebnis nach Steuern legte deutlich zu – von 2,365 Milliarden Euro im Q1 2016 auf aktuell 3,403 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 43,9 Prozent.

  • Mitarbeiter

    Zum Stichtag 31. März 2017 haben 632.800 Menschen für VW gearbeitet. Gegenüber dem Jahr 2016 sind das 1,0 Prozent mehr – damals waren es 626.700 Menschen.

  • VW-Pkw

    Bei dem Pkw-Kerngeschäft der Marke Volkswagen ist es schwierig, die Daten mit dem Aftaktquartal 2016 zu vergleichen. Im Zuge der Neuausrichtung der Konzernstrukturen ist die Zuordnung von Gesellschaften zwischen der Marke Volkswagen Pkw und dem Konzern ab 2017 angepasst worden. Damit soll die Transparenz und Vergleichbarkeit erhöht werden. In den ersten drei Monaten 2017 gingen die Umsatzerlöse der Marke infolge der damit einhergehenden Veränderung im Konsolidierungskreis um 24 Prozent auf 19,0 Milliarden Euro zurück. Das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen verbesserte sich von 73 auf 869 Millionen Euro. Neben Volumen-, Mix- und Margeneffekten wirkten sich Wechselkurseffekte positiv aus.

  • Audi

    Mit 1,2 Milliarden Euro hat Audi das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen des Vorjahres knapp verpasst – damals waren es noch 1,3 Milliarden Euro.

  • Skoda

    Bei Skoda stieg das operative Ergebnis aufgrund positiver Mixeffekte und geringerer Materialkosten um gut 32 Prozent auf 415 (315) Millionen Euro.

  • Seat

    Seat verbesserte sein Operatives Ergebnis minimal von 54 auf 56 Millionen Euro.

  • Porsche

    Die Umsatzerlöse von Porsche Automobile lagen wie im Vorjahr bei 5,0 Milliarden Euro. Mixverbesserungen und positive Wechselkurseffekte sorgten für einen Anstieg des Operativen Ergebnisses von Porsche Automobile auf 932 (855) Millionen Euro. Neu ist, dass das Finanzdienstleistungsgeschäft von  Porsche wird ab Januar 2017 als Teil der Volkswagen Finanzdienstleistungen berichtet.

  • Bentley

    Wie schon im ersten Quartal 2016 muss Bentley rote Zahlen ausgeben. Lag im Vorjahreszeitraum das Minus noch bei 54 Millionen Euro, waren es in diesem Jahr minus 30 Millionen Euro. Im Gesamtjahr 2016 war Bentley hingegen profitabel.

  • Nutzfahrzeuge

    Aufgrund der hohen Nachfrage nach den Modellen Multivan/Transporter und Caddy stiegen in den ersten drei Monaten weltweit Absatz und Umsatz von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Das Operative Ergebnis verbesserte sich um 44,5 Prozent auf 205 Millionen Euro. Bei der Marke Scania fiel in den ersten drei Monaten das Operative Ergebnis mit 324 Millionen Euro um 80 Millionen besser aus als ein Jahr zuvor. Bei MAN Nutzfahrzeuge übertraf das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen mit 93 (65) Millionen Euro das Niveau des Vorjahres. Der Anstieg resultierte im Wesentlichen aus dem höheren Volumen und Kosteneinsparungen. Bei MAN Power Engineering belief sich das Operative Ergebnis auf 26 (48) Millionen Euro.

  • VW Financial Services

    Die Volkswagen Finanzdienstleistungen konnten ihr Operatives Ergebnis um 12,2 Prozent auf 551 Millionen Euro steigern, was – neben der erstmaligen Einbeziehung der Porsche Finanzdienstleistungen - vor allem auf das Geschäftswachstum zurückzuführen ist.

Wie die „BamS“ weiter schreibt, sei Winterkorn, Diess und dem damaligen Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer in einer Sitzung am 25. August 2015 vorgerechnet worden, dass der Skandal den Autobauer allein in den USA bis zu 18,5 Milliarden Dollar kosten könne.

Der Spezialist wurde nach eigenen Worten 2007 von seinem Vorgesetzten gezwungen, die Betrugssoftware in die erste VW-Dieselgeneration in den USA einzubauen, um seine Karriere nicht zu gefährden. Ähnlich äußerte sich demnach ein weiterer Zeuge, der ehemalige Leiter der Dieselentwicklung. Die Software sollte helfen, die strengen US-Abgasgrenzwerte einzuhalten.

2015 hatten Behörden in den USA aufgedeckt, dass Volkswagen die Stickoxid-Werte von Dieselfahrzeugen manipulierte. Weltweit waren schließlich rund elf Millionen Autos betroffen, darunter knapp 2,4 Millionen in Deutschland. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden brach der Börsenkurs der VW-Aktie ein. Winterkorn trat bald danach zurück.

Mittlerweile hat der Konzern in den USA Vergleiche in Höhe von mehr als 22 Milliarden Euro geschlossen. Ein VW-Manager sitzt in den USA in Haft, ein langjähriger Ingenieur hat sich in einem US-Verfahren schuldig bekannt, fünf weitere Mitarbeiter sind dort angeklagt, darunter Ex-VW-Entwicklungschef Neußer. Erst kürzlich wurde im Zuge der Ermittlungen gegen die VW-Tochter Audi wegen geschönter Diesel-Abgaswerte erstmals in Deutschland ein Beschuldigter verhaftet. Ihm werde Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen. Daneben gibt es in Europa unzählige Klagen von Aktionären und Autobesitzern gegen VW.

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