VW-Werk Chattanooga: Der schwere Stand der US-Gewerkschaften

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VW-Werk Chattanooga: Der schwere Stand der US-Gewerkschaften

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VW und deutsche Autobauer in den USA: Die Belegschaft im Werk Chattanooga hat einen schweren Stand.

von Sebastian Schaal

Im US-Werk von VW gibt es eine peinliche Posse um die Mitbestimmung, bei Daimler und BMW sieht es kaum besser aus. Warum tun sich ausgerechnet deutsche Unternehmen in den USA mit den Gewerkschaften so schwer?

Niedrige Löhne, üppige Subventionen und keine Gewerkschaften – damit werben die Südstaaten der USA um Investitionen der internationalen Autoindustrie. Zumindest bei den deutschen Konzernen haben diese Argumente gewirkt. Ihre Autowerke, die seit den 1990er Jahren entstanden sind, stehen allesamt in Alabama, Tennessee oder South Carolina.

Wenn die Gegenleistung stimmt, hat natürlich kein Manager etwas gegen geringe Arbeitskosten oder Zuschüsse einzuwenden. Viele US-Arbeitnehmer und Arbeitsrechtler hatten jedoch gehofft, dass mit den deutschen Unternehmen auch deren Mitbestimmungs-Kultur in den Südstaaten Fuß fasst.

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Doch sie wurden enttäuscht: „Unternehmen und Manager, die sich in Deutschland für die Mitbestimmung einsetzen, arbeiten im Ausland mit allen Tricks“, sagt Carsten Hübner. Der 47-jährige Berliner ist Direktor des Transatlantic Labor Institute (TLI) mit Sitz in Spring Hill, Tennessee.

us-wahlTrump und Clinton Was die US-Wahl für die deutschen Autobauer bedeutet

Für die meisten deutschen Autobauer sind die USA der zweitwichtigste Auslandsmarkt – nach China. Ob die Pläne von Daimler, Volkswagen und Co aufgehen hängt auch davon ab, wer künftig im Weißen Haus regiert.

US-Wahl und die Konsequenzen für deutsche Autobauer. Quelle: dpa Picture-Alliance

Im vergangenen Jahr haben die IG Metall und das US-Pendant Union Auto Workers (UAW) das TLI als Bildungseinrichtung und Denkfabrik für den gegenseitigen Austausch gegründet. Hier sollen sich amerikanische Unternehmer und Arbeitnehmervertreter über die Gepflogenheiten und Regelungen in Deutschland informieren können – aber auch umgekehrt Deutsche über die teilweise komplizierten Arbeitsgesetze in den US-Bundesstaaten.

Über 100.000 Arbeitsplätze sind bislang bei der deutschen Autoindustrie in den USA entstanden. BMW in Spartanburg und Daimler in Tuscaloosa sind bereits seit den 1990er Jahren aktiv, 2011 öffnete das VW-Werk in Chattanooga. Bei den Autobauern selbst arbeiten heute rund 35.000 Menschen, dazu kommen über 70.000 Beschäftigte bei den Zulieferern, die sich im Umfeld angesiedelt haben.

Die US-Werke der deutschen Autokonzerne

  • Daimler

    Pkw-Werk in Vance (Tuscaloosa)
    Bundesstaat: Alabama
    Mitarbeiter: 3.500
    Modelle: C-Klasse (für Nordamerika), GLE, GLS

    Lkw-Werk in Cleveland
    Bundesstaat: North Carolina
    Mitarbeiter: ca. 3000

    Lkw-Werk in Mount Holly (Freightliner)
    Bundesstaat: North Carolina
    Mitarbeiter: 1.000

    Lkw-Werk in Portland (Western Star)
    Bundesstaat: Oregon
    Mitarbeiter: 1.000

    Van-Werk in Charleston (im Bau)
    Bundesstaat: South Carolina
    Mitarbeiter: bis zu 1.300 (geplant)
    Modelle: Sprinter

  • BMW

    Pkw-Werk in Spartanburg
    Bundesstaat: South Carolina
    Mitarbeiter: 8.000
    Modelle: X3, X4, X5, X6

  • Volkswagen

    Pkw-Werk in Chattanooga
    Bundestaat: Tennessee
    Mitarbeiter: 2.200
    Modelle: US-Passat, künftig Midsize-SUV

Doch das Mitbestimmungsprinzip mit einem starken Betriebsrat im Zentrum ist in Deutschland geblieben. Keines der Werke ist gewerkschaftlich organisiert, ebenfalls bei der Mehrheit der Zulieferer. Bei Volkswagen ist Chattanooga das einzige Werk weltweit ohne Betriebsrat, selbst in den chinesischen Werken sind die Arbeiter organisiert.

Das hat mehrere Gründe. Einer der wichtigsten sind die sogenannten „Right-to-Work“-Gesetze. Was nach Recht auf Arbeit klingt, untergräbt jedoch die Finanzierung der Arbeitnehmervertreter. Ohne Right-to-Work-Regeln können Gewerkschaften einen Betrieb organisieren und dafür von allen Angestellten (egal ob Mitglied oder nicht) Gebühren verlangen. Mit neuen Gesetzen können Gewerkschaften nur noch Mitgliedsbeiträge und freiwillige Zahlungen einstreichen. Sie organisieren aber weiterhin den gesamten Betrieb – sprich gleiche Kosten, aber weniger Einnahmen.

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