Stefan Winter: "Der Brexit macht das Geschäft teurer"

InterviewStefan Winter: "Der Brexit macht das Geschäft teurer"

von Cornelius Welp

Stefan Winter, Vorsitzender des Verbands der Auslandsbanken, erklärt, was der Brexit für die Banken bedeutet und worauf es ihnen bei der Wahl eines neuen Standorts ankommt.

WirtschaftsWoche: Herr Winter, wegen des Brexits müssen Banken Aktivitäten aus London in die EU verlagern. Seit Monaten arbeiten sie an entsprechenden Plänen. Wann sind Sie fertig?

Stefan Winter: Soweit die Entscheidungen noch nicht gefallen sind, sind die Prozesse bei allen betroffenen Häusern im finalen Stadium und auf höchstens zwei in Betracht kommende Standorte reduziert. Aber auch diese noch ausstehenden Entscheidungen werden in Kürze getroffen werden, um bis März 2019 eine voll funktionsfähige Einheit in einem Mitgliedsstaat der EU27 zu errichten. Es kann übrigens auch sein, dass die Entscheidungen teilweise bereits getroffen, aber noch nicht publiziert wurden, um Unsicherheiten bei den Mitarbeitern und den Aufsichtsbehörden zu vermeiden. Da aber auch die Kunden oft bei unseren Mitgliedern nachfragen, wie nach einem Brexit die bisherigen Dienstleistungen erbracht werden können, werden wir sicherlich in Kürze auch von weiteren Entscheidungen hören. Wir müssen auch im Auge behalten, dass es vor allem ein Thema für Banken aus Nicht-EU-Ländern ist. Für Banken aus Deutschland, Frankreich oder Spanien stellen sich andere Fragen. In der Regel wird es hier zu Verlagerungen ins Mutterhaus kommen.

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Stefan Winter ist Vorsitzender des Verbands der Auslandsbanken. Quelle: PR

Stefan Winter ist Vorsitzender des Verbands der Auslandsbanken.

Bild: PR

Viele Banken entscheiden sich offenbar für Frankfurt. Warum?

In unseren Gesprächen mit den vom Brexit betroffenen Banken haben wir festgestellt, dass neben der politischen und wirtschaftlichen Stabilität sowie der Nähe zu den Kunden die Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit der Aufsicht eine wichtige Rolle spielt. Da alle das Ziel haben, bis März 2019 über eine voll funktionsfähige Bank zu verfügen, ist die zur Verfügung stehende Zeit für die notwendigen Genehmigungen der Aufsicht begrenzt. Gefragt ist daher eine Aufsicht, die auch eine Vielzahl von Genehmigungsverfahren gleichzeitig und fristgerecht abarbeiten kann. Dass zudem die Bereitschaft der deutschen Aufsicht besteht, Gespräche in englischer Sprache zu führen und auch auf englischsprachige Dokumente nutzen zu können, ist zusätzlich hilfreich.

Suchen die Banken nicht eher eine Aufsicht, die sie besonders entgegenkommend behandelt und auch mal ein Auge zudrückt?

Die deutsche Aufsicht hat – wie wir es seit Jahrzehnten kennen – von Anfang deutlich gemacht, dass in offenen und konstruktiven Gesprächen – auch in englischer Sprache erörtert werden kann –, welche Anforderungen zu erfüllen sind und was sie zum Beispiel beim Risikomanagement oder -modellen prüfen wird. Dies dürfte für viele Banken berechenbarer und mittel- bis langfristiger verlässlicher sein als der berühmte Blankoscheck, von dem man teilweise aus anderen Jurisdiktionen gehört hat.

Brexit der Banken Immobilien-Späher am Main

Viele britische Großbanken haben ihre Immobilienmanager nach Frankfurt geschickt, um dort freie Büroflächen zu sondieren. Trotzdem dürfte Frankfurt längst nicht bei allen Bankern ganz oben auf der Umzugsliste stehen.

Die Bankenskyline von Frankfurt am Main Quelle: dpa

Worauf kommt es sonst noch an?

Es ist sicher auch noch entscheidungserheblich, dass am Finanzplatz ausreichende Büroflächen und IT-Infrastrukturen mit vergleichsweise günstigen Preisen zur Verfügung stehen und auch die Lohnnebenkosten in Deutschland auf Grund von Kappungen für den einen oder anderen überraschend wettbewerbsfähig sind. Und nicht zuletzt besteht die Hoffnung, dass die Versprechen der Politik, nach den Bundestagswahlen Lockerungen im Kündigungsschutz bei Hochverdienern vorzunehmen, nach den Wahlen auch umgesetzt werden.

Wie aufwändig sind die Verlagerungen für die Banken?

Der finanzielle Aufwand wird bei jedem Institut davon abhängen, welche Geschäfte in welchem Umfang verlagert werden sollen. Dies ist bei den uns bekannten Instituten sicherlich unterschiedlich und hängt auch davon ab, auf welchen vorhandenen Strukturen sie aufbauen können. Eine bisher mit einem europäischen Pass agierende Zweigniederlassung wird mehr Infrastruktur aufbauen müssen als eine selbstständige Tochter, die diese auch heute schon lokal vorhält, da sie nicht in dem Umfang die aufsichtsrechtlichen Erleichterungen des EU-Passes und die Kapazitäten des Konzerns nutzen kann. Zudem wird es mit einem höheren Aufwand verbunden sein, wenn Handels- und Abwicklungseinheiten installiert werden. Und nicht zuletzt wird der Aufbau paralleler Strukturen, das Vorhalten zusätzlichen Eigenkapitals und eine Fragmentierung der Liquidität das Geschäft in einigen Bereichen verteuern im Vergleich zu heute.

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