Baumärkte: Praktiker droht der Zerfall

Baumärkte: Praktiker droht der Zerfall

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Ein Praktiker-Baumarkt

von Henryk Hielscher

Mit einem neuen Konzept wollte Praktiker raus aus der Rabattfalle. Doch die Kunden ziehen nicht mit. Eine Exklusivstudie weckt Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Baumarktkette. Droht Praktiker jetzt die Zerschlagung?

Auf Boris Becker ist Verlass. Als Mercedes mit seiner A-Klasse ins Schleudern kam, musste Becker als Werbefigur ran. Für den Online-Dienst AOL durfte „Bobele“ den Einstieg ins Internet zelebrieren und für den italienischen Lebensmittelkonzern Ferrero Nutella-Brote schmieren.

Seit Anfang des Jahres hat der alternde Ex-Tennisstar einen neuen Job. Die Baumarktkette Praktiker schickte Becker zurück aufs Grün: zum werbetauglichen Einsatz beim Rasenmähen und Blumenpflanzen. Becker, so die Hoffnung, soll der Kette als Markenbotschafter zu einem neuen Image verhelfen – raus aus der Discounterecke, hin zum unkomplizierten Baumarkt für Laien.

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Ein Tennisspieler im Geranienbeet als Hoffnungsträger? „Endlich mal wieder ein Finale mit Becker“, spottet bereits ein Praktiker-Konkurrent in Anspielung auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Denn auch nach der Kür des Berliner Sanierungsexperten Thomas Fox zum neuen Praktiker-Chef in der vergangenen Woche ist fraglich, ob der Wandel gelingt.

Zu tief steckt der Konzern in der Krise. Seit Jahren geht es mit der Kernmarke Praktiker abwärts in Deutschland. Einige Zeit konnten das stramme Wachstum im Ausland und die solide Entwicklung der Zweitmarke Max Bahr die Verfallserscheinungen übertünchen. Aber spätestens seit die Billigkette im Juli eine Gewinnwarnung veröffentlichte, Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe bekannt gab und der Aktienkurs binnen Tagen kollabierte, lässt sich das Desaster nicht mehr kaschieren. Schafft Praktiker aus eigener Kraft die Wende?

Zweifel sind angebracht. So zeichnet der Handelsexperte Thomas Roeb in einer exklusiven Studie für die WirtschaftsWoche ein düsteres Bild für die Sanierungschancen des Konzerns. „Praktiker steht vor dem Nichts: kein Konzept, keine Ressourcen, keine Zukunft“, lautet das Fazit des Professors von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Über kurz oder lang hält er eine Zerschlagung für die wahrscheinlichste Entwicklung, also den Weiterverkauf der Auslandsgesellschaften, die Trennung von Max Bahr sowie die paketweise Abgabe von deutschen Praktiker-Standorten.

Ein Praktiker-Sprecher verweist derlei Schlussverkaufsszenarien ins Reich der Fantasie. Statt einer Zerschlagung gehe es um Restrukturierung, heißt es offiziell. Ab Oktober soll Praktiker unter Fox wieder Anschluss an die Konkurrenz finden. Zuvor darf bereits Josef Schultheis als sogenannter Chief Restructuring Officer ran.

Der resolute Sanierer Fox und Finanzspezialist Schultheis sind Vorstände des Berliner Beratungsunternehmens Modalis und, so viel scheint sicher, keine Dünnbrettbohrer. Beim Warenhauskonzern Karstadt hat das Duo bereits bewiesen, dass es sein Handwerk versteht. „Wenn es jemand schafft, dann Fox“, sagt Experte Roeb. Doch die Aufgabe ist gewaltig.

Unter dem Druck der Wettbewerber zerbröseln Praktikers Umsätze derzeit wie Gipskartonplatten unterm Abbruchhammer. Und der Abstand wird größer. Egal, ob Eigenmarkenspezialist Obi oder Online-Pionier Hagebau – sämtliche Rivalen erobern derzeit Marktanteile. Sogar der Rewe-Ableger Toom, bis vor Kurzem selbst baufällig, schaltet wieder auf Angriff um. Doch vor allem der Flächengigant Bauhaus und die Produktivitätsmaschine Hornbach zeigen der blau-gelben Heimwerkertruppe derzeit, wo die Hämmer hängen.

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