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Daimler: Angst um den Stern: Kommt Mercedes unter die Räder?

von Franz W. Rother und Martin Seiwert

Trotz eines kleinen Gewinns im dritten und vierten Quartal wird Daimler im laufenden Jahr Milliardenverluste schreiben. Audi und BMW hängen Mercedes ab, neue Qualitätsmängel erschüttern das Image. Die bekannteste deutsche Automarke droht unter die Räder zu kommen.

Daimler-Vorstandschef Dieter Quelle: dpa
Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche auf der Frankfurter IAA 2009 Quelle: dpa

Tausende Messegäste strömen am Morgen des 16. September auf das Gelände der Automobilausstellung IAA in Frankfurt. Vor den Drehkreuzen am Eingang stauen sich die Besucher. Unter den Wartenden steht ein Mann, der auffällt: groß gewachsen, Halbglatze und ein freundlicher, schneeweißer Walrossbart. Es ist Dieter Zetsche, Vorstandschef von Daimler, Boss von 273.000 Menschen, einer der prominentesten Manager des Landes – und ein IAA-Besucher, der sein Ticket vergessen hat. Kein Ticket, kein Einlass. Die junge Frau am Drehkreuz ist kompromisslos. Zetsches Begleiter reden auf die Frau ein, versuchen ihr zu erklären, wer vor ihr steht. Zetsche? Sie guckt ahnungslos. Der Daimler-Chef zückt sein Handy, auch die Begleiter telefonieren, Minute um Minute verstreicht. Dann endlich die Erlösung: Jemand bringt Zetsche eine Eintrittskarte und er hastet in Richtung Daimler-Stand davon.

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Es läuft irgendwie nicht rund für Dieter Zetsche in diesen Wochen. Das Drehkreuz am Messeeingang war eine winzige Hürde im Vergleich zu dem, was den Manager auf der Messe erwartete. Ob er sich an der Spitze von Daimler halten könne, musste er sich von Journalisten fragen lassen. Wie schlimm es wirklich um den Konzern bestellt sei, wollte man wissen und ob Daimler nach Opel der nächste Autobauer sein werde, der in Berlin um Staatshilfe betteln muss.

Der Mercedes-Stern, die einst so strahlende Ikone der deutschen Industrie, ist ermattet. Trotz schwarzer Quartalszahlen schreibt Daimler im Gesamtjahr hohe Verluste, mehr als 27.000 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, und die Verkaufszahlen der neuen E-Klasse, einem Brot-und-Butter-Auto des Konzerns, liegen Insidern zufolge rund ein Drittel unter dem angepeilten Niveau. Die Führungsrolle im Premiummarkt mussten die Stuttgarter an Audi und BMW abgeben, beim CO2-Ausstoß zählt der Konzern zu den Schlusslichtern in der Branche und bei den dringend benötigten Kooperationen mit anderen Autobauern tritt Zetsche auf der Stelle.

Daimler schreibt tiefrote Zahlen

Im wachsenden Kompakt- und Kleinwagensegment hat Daimler wenig zu bieten. Und wenn es um Beliebtheit der Marke, Design der Fahrzeuge und innovative Technik geht, spielt Mercedes nach Ansicht von Verbrauchern allenfalls im Mittelfeld. Neue Qualitätsprobleme ramponieren das Image zusätzlich: Ausgerechnet bei der neuen E-Klasse versagen zahlreiche Dieselmotoren, bei der A- und B-Klasse rosten oft nach wenigen Jahren Türen und Heckklappen.

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93 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.04.2010, 20:05 UhrGottlieb

    Ja, man muss sich Sorgen um Daimler machen. Nicht, weil es zuwenig Knowhow bei Daimler gibt, sondern weil das Management in verkrusteten Strukturen und veralteten Denkmustern verharrt. Dafür trägt Mr. Z. die volle VErantwortung. Er hat es nicht geschafft dafür zusorgen, dass seine intelligenten Mitarbeiter ein intelligente Management bekommen. Deshalb wird Daimler scheitern. Dazu kommen noch die kläglichen Versuche, das Senioritätsprinzip auszuhebeln. Wie wenn berufserfahrung und technischer Sachverstand keine Rolle mehr spielen würden. Die Folgen kennt man: Fehleinschätzungen, Missmanagement, Rückrufaktionen, Frustration und fortdauernder Niedergang...

  • 17.01.2010, 11:48 Uhrstarwalker

    Die Zusammenarbeit mit Renault bei der künftigen A-Klasse wird Mercedes sicher helfen, die Qualitätsprobleme zu lösen. Die Franzosen kennen sich damit sehr gut aus ;-) Eine gute Entscheidung von Dieter Z. -- eine Kooperation mit bMW hätte die eigenen Schwächen nur zu deutlich vor Augen geführt. Die beendigung der Gespräche mit den Münchnern ist da nur konsequent.

  • 17.01.2010, 11:45 Uhrfrother

    Niemandem sollte mit dem Artikel die Freude an seinem Mercedes vergällt werden. Tatsache aber ist, dass Mercedes vor großen Problemen steht und Herr Zetsche offenbar große Probleme hat, diese zur Zufriedenheit seiner Kunden in den Griff zu kriegen. Wer dies nicht glaubt, sollte mal bei www.motortalk.de vorbeischauen und im Mercedes-Forum die Stichworte Dieselinjektor und Rost eingeben. Mercedes hat sich in Jahrzehnten einen exzellenten Ruf als Premiumhersteller erarbeitet. Aber die Übernahme des maroden Unternehmens Chrysler führte dazu, dass bei Mercedes Gelder und Managementkapazitäten abgezogen wurden. Diese Sparrunden und Engpässe führten geradewegs zu den heutigen Problemen. Das weiß man auch in Stuttgart. Viele wollen es aber nicht wahrhaben und betrachten konstruktive Kritik als Majestätsbeleidigung.

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