Emirates, Etihad und Qatar Airways: Wie die Emirate die Golf-Airlines pushen

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Emirates, Etihad und Qatar Airways: Wie die Emirate die Golf-Airlines pushen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Eine Studie der US-Fluglinien will der Konkurrenz vom Golf unzulässige Subventionen nachweisen. Das ist etwas scheinheilig. Doch der Blick in bislang unveröffentlichte Unterlagen zeigt viele überraschende Wege, wie die Regierungen der Emirate Geld in Emirates, Etihad und Qatar Airways gepumpt haben. Die fünf wichtigsten Fragen.

Beim zweiten Versuch hat Richard Anderson sein derzeitiges Lieblingsthema endlich richtig rübergebracht. Zusammen mit seinen heimischen Wettbewerbern American Airlines und United, sowie den Gewerkschaften von Piloten und Flugbegleitern stellte der Chef der US-Fluglinie Delta Air Lines eine Studie über die Subventionen der Fluglinien vom persischen Golf vor. Insgesamt gut 42 Milliarden Dollar an illegalen Hilfen, so Anderson, haben Emirates aus Dubai, Etihad aus Abu Dhabi und Qatar Airways aus Katar seit ihrer Gründung von ihren Regierungen bekommen. „Ohne die Hilfen wären sie keine bestehenden Unternehmen mehr“, lautet das Fazit der Übersicht der US-Unternehmensberatung Capital Trade aus Washington, einem Spezialisten für Wettbewerbsverstöße.

Die Reaktion in der Öffentlichkeit war positiv. Doch sie hätte noch besser sein können, wäre Anderson nicht im Februar sein erster Vorstoß in Sachen Subventionen am Golf daneben gegangen. Da wollte er Dampf ablassen, weil Emirates & Co. ihm und seinen Wettbewerbern das Leben schwer machen. Doch in einem Interview beim US-Nachrichtensender CNN verhedderte sich der sonst eher dröge und blasse Finanzfachmann in einer – mit Wohlwollen – unglücklichen Verbindung von den Golfairlines zu den ebenfalls aus der Golf-Region stammenden Urhebern der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die USA.

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Wie die Golf-Airlines vom Staat gefördert werden

  • Qatar Airways

    Regierungsdarlehen ohne Rückzahlungsverpflichtung: 8,4 Milliarden Dollar

    Subventionen von der Regierung durch Kreditbürgschaften: 6,8 Milliarden Dollar

    Befreiung oder Rabatte von der Flughafengebühr: 616 Millionen Dollar

    Freie Grundstücke: 452 Millionen Dollar

    Quelle: Partnership For Open & Fair Skies

  • Etihad Airways

    Regierungsdarlehen ohne Rückzahlungsverpflichtung: 6,6 Milliarden Dollar

    Staatliche Kapitalspritzen: 6,3 Milliarden Dollar

    Zusätzliche stille Regierungsfinanzierung: 3,5 Milliarden Dollar

    Regierungszuschüsse: 751 Millionen Dollar

    Befreiung von der Flughafengebühr: 501 Millionen Dollar

  • Emirates

    Subventionen bei Einkäufen von Waren oder Dienstleistungen von Staatsunternehmen: 11 Milliarden Dollar

    Übernahme von Verlusten aus Preissicherungsgeschäften für Treibstoff: 2,4 Milliarden Dollar

    Subventionierte Flughafen-Infrastruktur: 2,3 Milliarden Dollar

Solche emotionalen Ausrutscher bietet die Studie mit dem Titel „Beweise für strafbare Regierungssubventionen, empfangen von Etihad Airways, Qatar Airways und Emirates Airline“ nicht.

US-Airlines verschweigen eigene Staatshilfen

Das in zwei Jahren Arbeit erstellte Konvolut hat natürlich seine Fehler. Es ist unvollständig, denn es kümmert sich nur um die drei großen Fluglinien – nicht jedoch um andere aus der Region wie Saudia aus Saudi-Arabien oder Turkish Airlines. Zu guter Letzt ist der Vorwurf der US-Linien ein wenig scheinheilig. Denn mit Ausnahme von Indien sind die Golflinien keine direkte Konkurrenz und können den Linien somit kaum Passagiere stehlen.

Dazu verlieren Delta & Co. kein Wort darüber, dass auch sie Subventionen vergleichbare Hilfen bekommen haben, etwa weil sie in mehreren Gläubigerschutzverfahren Schulden und unbequeme Verträge mit Gewerkschaften oder Leasingnehmern abwerfen konnten. Und es ist kein unfairer Wettbewerb, wenn ein Land beschließt, den eigenen Airlines keine finanziellen Mühlsteine um den Hals zu hängen durch die im Westen üblichen Zusatzsteuern oder strengen Betriebsauflagen wie einem Nachtflugverbot.

Doch das mindert den Wert der Studie keineswegs. In zwei Teilen durchkämmt sie auf insgesamt weit mehr als 300 Seiten detailliert die Geldströme am Golf. Dabei belegen die Berater auch viel bekanntes, etwa die niedrigen Flughafengebühren sowie günstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen ohne Unternehmenssteuern und Mitbestimmung durch die Mitarbeiter.

Doch darüber hinaus kommen auch interessante Details über die oft recht findigen Finanzhilfen zu Tage. Einige Dinge kursierten in der Branche spätestens seit im Mai 2014 die Fachzeitschrift „Australian Financial Review“ und die Tageszeitung Sydney Morning Post eine nicht datierte Präsentation über Etihad veröffentlichten, bei der die Beratung Booz Allen (inzwischen Strategy&) Hilfen von mehreren Milliarden Dollar listete.

Golf-Airlines meiden die Diskussion

Nun legen die Ermittler mit vielen Details nach und zitieren kräftig aus internen Unterlagen. Zentral sind die Geschäftsberichte von Etihad und Qatar Airways, gegen deren Veröffentlichung sich die Fluglinien bislang nach Kräften gesträubt haben. Wie genau die Ermittler an die Unterlagen gekommen sind, erzählen sie nicht.

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Aber die Berichte dürften wohl echt sein. Zwar haben die Golfairlines die Unterlagen in Bausch und Bogen verdammt und Subventionsvorwürfe zurückgewiesen. „Dieser hitzige Austausch zwischen Airline-Chefs ist ungesund und könnte die Beziehungen zwischen den Nationen stören“, warnte der Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Sultan bin Saeed al-Mansouri diese Woche in Berlin.

Doch das überzeugt nicht so recht. Denn bislang hat noch keine der drei Fluglinien die Fakten diskutiert oder gar im Einzelnen wiederlegt. Das wäre sicher drin gewesen. Denn die Unterlagen kursierten bereits seit Ende Januar in der US-Hauptstadt Washington. Da ist sicherlich auch das ein oder andere Exemplar der Studie am Golf gelandet und fand dort aufmerksame Leser.

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