Investor General Atlantic: "Flixbus wird ein europäischer Verkehrsriese"

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InterviewInvestor General Atlantic: "Flixbus wird ein europäischer Verkehrsriese"

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General Atlantic sieht in Flixbus ein Paradebeispiel erfolgreichen Wachstums

von Christian Schlesiger

General Atlantic ist der große Investor hinter Flixbus. Die US-Beteiligungsgesellschaft kauft sich in vielversprechende Start-ups ein und sieht noch viel Potenzial für ähnliche Erfolgsgeschichten in Deutschland.

Herr Nikolay, Sie sind Deutschland-Chef von General Atlantic, einem der weltweit größten Wachstumsfinanzierer. Das Unternehmen ist in große US-Start-ups wie Uber, Airbnb und Buzzfeed und deutsche Unternehmen wie Flixbus, Axel Springer und Delivery Hero investiert. Wie gut ist der deutsche Gründerstandort?

Jörn Nikolay: Für Wachstumsinvestoren ist der deutsche Markt inzwischen extrem spannend. Die Zeit der Copy Cats, als deutsche IT-Start-ups vor allem Erfolgsmodelle aus den USA kopierten, ist weitestgehend vorbei. Viele junge Unternehmen aus Deutschland sind richtig innovativ. Deshalb fließt immer mehr Risikokapital in Metropolen wie Berlin, München, Hamburg und Düsseldorf.

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Aber warum kommen die so genannten Einhörner, also Start-ups mit Milliardenbewertung wie Uber, immer noch aus den USA?

Es gibt mehr deutsche „Einhörner“ als man denkt. Oftmals sind diese Unternehmen aber Dienstleister für Unternehmen, zum Beispiel Wirecard aus München als Zahlungsabwickler oder das Softwarehaus Hybris aus München. Viele dieser Unternehmen sind vergleichsweise unbekannt, wie auch viele der etablierten Weltmarktführer des deutschen Mittelstandes. Inzwischen gibt es aber auch mehr und mehr sehr erfolgreiche Unternehmen, die sich an den Privatverbraucher richten, etwa Zalando, Trivago (Ebay) und StepStone (Axel Springer).

Zur Person

  • Jörn Nikolay

    Nikolay, 37 Jahre, ist Deutschland-Chef des Wachstumsinvestors General Atlantic (GA). Zuvor war er Investmentbanker bei Morgan Stanley und Berater bei Bain.

Warum hat der Prozess von B2B zu B2C so lange gedauert? Verstehen deutsche Gründer den Endkunden nicht?

Typisch für den deutschen Gründer ist, dass er ein technisch perfektes Produkt anbieten will. Wie der schwäbische Tüftler. Amerikanische Start-ups schauen gezielter auf die Bedürfnisse des Marktes und sind besser im Marketing und dem Fokus auf Benutzerfreundlichkeit. Marketing steht bei US-Firmen oft über technischer Perfektion.

Das heißt, die deutschen Gründer entwickeln perfekte Produkte, aber finden keinen Markt?

Auch deutsche Gründer finden ihren Markt, wie die „Hidden Champions“ des Mittelstands das schon lange gezeigt haben. Bei Geschäftsmodellen mit Endkunden-Fokus ist aber Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit mindestens genauso wichtig wie die technischen Charakteristika. Hier hat sich die Grundhaltung vieler Gründer weiterentwickelt. Sie haben inzwischen verstanden, wie wichtig schnelles Wachstum ist, und sind bereit, ihre Geschäftsidee zügig in neue Märkte zu bringen.



So ein Unternehmen ist Flixbus aus München, an dem General Atlantic beteiligt ist. Das Busunternehmen hat im vierten Jahr der Liberalisierung einen Marktanteil von 80 Prozent in Deutschland und wächst stark im Ausland wie Frankreich und Italien. Die Deutsche Bahn hat angekündigt, sich mehr und mehr aus dem Busgeschäft zurück zu ziehen. Wächst Flixbus in der Geschwindigkeit, wie Sie sich das wünschen?

Flixbus ist ein gutes Beispiel für eine beeindruckende unternehmerische Erfolgsgeschichte aus Deutschland, die jetzt den europäischen Markt in Angriff nimmt. Aufgrund des hohen Anteils an grenzüberschreitendem Verkehr lässt sich das Geschäftsmodell sehr gut in andere Länder exportieren. Wir glauben an das Wachstum zu einem europäischen Verkehrsriesen. Allein im August hat Flixbus außerhalb Deutschlands fast eine Million Passagiere befördert. Im Übrigen bezieht sich der hohe Marktanteil nur auf den Fernbusmarkt. Der Fairness halber muss man den gesamten Fernverkehr mit individuellem Autoverkehr, Mitfahrzentralen, Bahn- und Flugreisen berücksichtigen. In diesem Gesamtmarkt ist Flixbus eher noch ein kleiner Spieler.

Und welches Ziel verfolgen Sie?

Unsere Philosophie lautet: Wir investieren langfristig in Unternehmen, meist zwischen 25 Millionen und 400 Millionen Euro, und erzielen Rendite hauptsächlich durch das Umsatzwachstum unserer Beteiligungen. Wir investieren in erprobte Geschäftsmodelle und helfen den Gründern, ihre Produkte und Dienstleistungen zu skalieren. Neben Gründern arbeiten wir auch mit Konzernen zusammen, wie wir das sehr erfolgreich zusammen mit Axel Springer gemacht haben.

"Die heutigen Gründer sind pragmatischer geworden"

Und am Ende verkaufen Sie das Unternehmen über die Börse?

Ein Börsengang ist eine Möglichkeit genauso wie der Verkauf an einen Investor. Entscheidend ist, dass wir den Wachstumsprozess begleiten. Wir helfen dabei, Start-ups groß zu machen. Denn irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo ein erfolgreiches Unternehmen Strukturen benötigt. Die Gründer können nicht alles selber machen. Ein Großteil des Erfolgs eines Unternehmens hängt davon ab, wie man Wachstum organisiert. Wir helfen ihnen dabei.

Verliert der Gründer dadurch an Bedeutung?

Es geht um Arbeitsteilung. Ein Unternehmen braucht irgendwann beispielsweise ein funktionierendes Reporting, eine gute IT oder gutes Personalwesen, aber nicht bei jeder Aufgabe ist der Gründer die Idealbesetzung. Irgendwann kann ein Gründer nicht mehr alles selber machen, selbst wenn er das Unternehmen weiterhin führt.

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Flixbus Quelle: dpa

Das heißt, Gründer müssen loslassen können. Funktioniert das?

In Deutschland war es lange Zeit verpönt, Anteile des eigenen Unternehmens abzugeben. Die Devise der Gründer lautete: Entweder mir gehört alles oder ich verkaufe das komplette Unternehmen. Das hat sich stark verändert. Die heutigen Gründer sind pragmatischer geworden. Sie holen sich Externe dazu, wenn sie überzeugt sind, dass es für das Unternehmen das Beste ist.

Wachstumskapital gilt als Achillesferse der deutschen Gründerszene. Sehen Sie das auch so?

An Startkapital mangelt es nicht. Es gibt viele deutsche Business Angels und Venture-Capital-Firmen, die bereit sind, in eine gute Idee ein paar Hunderttausend Euro zu investieren. Auch ab einer Größenordnung von 50 Millionen Euro steht genügend Kapital zur Verfügung. Aber wenn der Kapitalbedarf bei einer Summe zwischen fünf und 50 Millionen Euro liegt, funktioniert der deutsche Markt noch nicht gut.

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Und wie finden Sie die Unternehmen, in die Sie investieren?

General Atlantic ist ein wirklich globaler Wachstumsfinanzierer mit 12 Büros in den wichtigen Märkten weltweit. Und wir setzen Branchenschwerpunkte wie zum Beispiel Online-Payment und neue Mobilität. In unser Portfolio gehören deshalb Unternehmen wie Adyen, Klarna, Uber und Flixbus. Selbstverständlich beobachten wir Trends, screenen Medien und Messen. Manchmal werden uns Unternehmen empfohlen. Manchmal werden auch wir empfohlen. Das ist ein iterativer Prozess.

Wenn ein Geschäftsmodell funktioniert, dürften auch andere Unternehmen ein Interesse haben, einzusteigen…

Das ist richtig. Es gelingt uns auch nicht immer, dabei zu sein. Unternehmen wie Zalando, Wirecard, Hybris, ImmoScout und Teamviewer sind interessante Firmen, in die wir aus unterschiedlichsten Gründen nicht investiert haben oder nicht investieren konnten.

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Ein Regionalzug der Bahn in Berlin Quelle: dpa

Berlin gilt als europäische Start-up-Hochburg. Wie stehen die anderen deutschen Städte im Vergleich da?

Berlin ist beeindruckend und ganz sicher die derzeit führende deutsche Start-up-Metropole in Deutschland. Aber die anderen Städte brauchen sich nicht zu verstecken. Von den eben erwähnten sehr etablierten Start-ups kommen immer noch eher wenige aus Berlin, sondern auch aus München, Düsseldorf oder Stuttgart.

General Atlantic hat vor ein paar Jahren ein Büro in München aufgemacht. Wenn Berlin so spannend ist, warum dann nicht in Berlin?

Wir sehen weiterhin sehr viel Potenzial in München. Und ein Kriterium für unsere Standortwahl war sicherlich auch, dass es hier einen gut funktionierenden Flughafen gibt.

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