Ryanair will 90 Alitalia-Flugzeuge: Die undurchsichtige Logik des Michael O'Leary

Ryanair will 90 Alitalia-Flugzeuge: Die undurchsichtige Logik des Michael O'Leary

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Was will Ryanair-Chef Michael O'Leary mit 90 Alitalia-Flugzeugen?

von Sebastian Schaal

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat kein Interesse mehr an Air Berlin. Der Blick des umtriebigen Managers richtet sich jetzt nach Italien – eine Teil-Übernahme von Alitalia wäre aber ein großer Strategiewechsel.

Das war deutlich. „Wir mischen uns nicht in dieses Verfahren ein, weil es ein abgekartetes Spiel ist.“ Mit diesen Worten hatte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Mittwoch sein Interesse an einer Teil-Übernahme von Air Berlin zurückgezogen. Er wagt nicht einmal den Anlauf. Weil es sich um ein „offensichtliches Komplott“ von Regierung, Lufthansa und Air Berlin handle. O'Learys Meinung: Air Berlin, oder zumindest die attraktiven Teile, gehen ohnehin an die Lufthansa.

Diese Ansicht hat der Ire auch bei einem weiteren Auftritt untermauert – und gleich über ein neues Übernahmeziel geredet. Bei der ebenfalls insolventen Alitalia rechnet sich O'Leary bessere Chancen aus.

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„Wir werden für insgesamt 90 Flugzeuge von Alitalia einschließlich ihrer Piloten und Streckenrechte ein Gebot abgeben“, kündigte der Ryanair-Chef bei einer Veranstaltung in London an. Als „besonders attraktiv“ bezeichnete er das Langstreckengeschäft nach Nordamerika. Das berge noch „Potenzial für starkes Wachstum“.

Umsatz der Fluggesellschaften abseits des Ticketverkaufs

  • Ryanair

    1587 Millionen Euro

    Angaben jeweils für 2015 ohne Vielfliegerprogramm.

    Quelle: IdeaWorks, Unternehmensangaben, teilweise geschätzt

  • Air-France-KLM

    850 Millionen Euro

  • Lufthansa

    800 Millionen Euro

  • Wizzair

    534 Millionen Euro

  • British Airways

    250 Millionen Euro

  • Easyjet

    82 Millionen Euro

Insgesamt tragen derzeit rund 120 Flugzeuge das grün-rote Alitalia-Logo. Die Italiener fliegen in den USA unter anderem New York City, Miami und Los Angeles an. Die Nordamerika-Routen sind begehrt – dem Vernehmen nach hat die Lufthansa ein starkes Interesse, die US-Flüge von Air Berlin von Düsseldorf und Tegel aus zu übernehmen. Und da kommt O'Leary wohl nicht zum Zug. Deshalb Alitalia.

Strategiewechsel bei Ryanair?

Doch die Interessensbekundung verwundert zugleich. Der Plan kommt einem fundamentalen Strategiewechsel gleich – und das sogar in doppelter Hinsicht. In der Vergangenheit ist Ryanair organisch gewachsen und eben nicht durch große Übernahmen. Das hatte O'Leary nur bei dem irischen Konkurrenten Aer Lingus inklusive deren Langstreckenverbindungen versucht – und scheiterte prompt an den Wettbewerbshütern. Aer Lingus ist inzwischen Teil von IAG.

Eine Übernahme von 90 Flugzeugen ist in der Luftfahrtbranche keine Kleinigkeit. Zumal die Art der Flugzeuge nicht zur aktuellen Ryanair-Ausrichtung passt. Die gesamte Flotte der Iren besteht aus einem einzigen Flugzeugtyp – der Boeing 737-800. Das ist ein zentraler Punkt in der Strategie O'Learys: Das gesamte Personal – Piloten, Kabinenbesatzung, Techniker – müssen nur auf einen Flugzeugtyp trainiert und zugelassen werden. Das senkt nicht nur die Schulungskosten, sondern erhöht auch die Flexibilität – jeder Mitarbeiter kann in und an jedem Flieger in der Flotte arbeiten. Und bestellt man nur Ersatzteile für einen Typ, sind die Kosten niedriger.

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Ryanair-Chef Michael O’Leary . Quelle: imago

Alitalia hat aber keine einzige 737-800 in der Flotte. Die Mittelstrecken bedienen die Italiener mit unterschiedlichen Varianten der A320-Familie von Airbus, bei Regionalflügen kommen zwei unterschiedliche Modelle des brasilianischen Herstellers Embraer zum Einsatz. Und die Langstreckenflotte besteht aus mehreren Exemplaren des Airbus A330-200 und der Boeing 777-200ER. Also nichts, mit dem Ryanair etwas anfangen kann.

Die Flexibilität ist einer der großen Vorteile des Ryanair-Konzepts. Droht eine Maschine auszufallen, kann einfach gleichwertiger Ersatz bereitgestellt werden. Fällt aber eine Boeing 737 aus und es steht in der Flotte nur ein Airbus A320 als Ersatz bereit, können Besatzung und Passagiere nicht 1:1 in den neuen Flieger wechseln. Immerhin, so kündigte O'Leary gleich mit an, werde Ryanair die auf die Airbus angelernten Alitalia-Techniker weiterbeschäftigen.

Standard-Sitzabstände ausgewählter Fluglinien (Kurzstrecke)

  • Iberia

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 71,1 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 43,2 cm

  • Tap

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 71,1 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 45,7 cm

  • British Airways

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 73,7 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 43,2 cm

  • Air Berlin

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 73,7 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 45 cm

  • Easyjet

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 73,7 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 45,7 cm

  • Germanwings

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 73,7 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 45,7 cm

  • Austrian

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 76,2 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 43,2 cm

  • Condor

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 76,2 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 43,2 cm

  • KLM

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 76,2 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 43,2 cm

  • Brussels

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 76,2 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 44,5 cm

  • Eurowings

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 76,2 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 45,7 cm

  • Lufthansa

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 76,2 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 45,7 cm

  • Swiss

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 78,7 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 43,2 cm

  • Ryanair

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 81,3 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 43,2 cm

  • Air France

    Abstand von einem Punkt eines Sitzes zum gleichen Punkt am Sitz dahinter: 81,3 cm

    Breite zwischen Armlehnen: 45,7 cm

Auch der Einstieg in das Langstreckengeschäft verwundert. O'Leary kokettiert zwar bereits länger mit Transatlantik-Flügen, hat am Ende aber immer die Finger davon gelassen. Aus guten Grund: Zum einen ist die Konkurrenz schon da, so bieten zum Beispiel Eurowings, Norwegian und die IAG-Tochter Level US-Flüge an. Level lockt sogar mit Preisen ab 149 Euro für Flüge an die Westküste.

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