Werbesprech: Alles Werbegeld an Google und Facebook

Werbesprech: Das Versagen einer ganzen Branche

Alles Werbegeld an Google und Facebook

Das Geld werde von deutschen Websites abwandern und in noch höherem Maße als heute an Google und Facebook fließen, die von der Verordnung nicht betroffen sind. Dabei vereinnahmen die beiden Internet-Giganten bereits heute fast 80 Prozent aller weltweiten Werbegelder.

Insbesondere gegen Facebook werden jedoch immer wieder schwere Vorwürfe erhoben. Zuletzt rechnete Sean Parker, Ex-Investor mit seinem früheren Arbeitgeber ab: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg habe wissentlich ein Produkt kreiert, das sich die psychologische Verletzlichkeit seiner Mitglieder zunutze mache und immer weiter ausbeute.

Inzwischen, wenn nicht gar zu spät, steigen auch die Werbekunden auf die Barrikaden. Sie befürchten, dass sie journalistische Plattformen verlieren, mit denen sie werblichen Kontakt zu ihren Zielgruppen erhalten. Tina Beuchler, Vorsitzende des Werbekundenverbandes OWM fordert: „Die E-Privacy-Verordnung darf uns keine Werbeflächen kosten.“

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Die Digitalisierung unserer Welt ist großartig. Sie bringt uns zahlreiche Vorteile. Doch Marketing und Werbung machen daraus ein Monster, das uns überwachen und beherrschen will.

Facebook-Symbol. Quelle: REUTERS

Die Aussteuerung von Werbung und auch die Erfolgsmessung würden gefährdet. Daher appelliert Beuchler an alle Teilnehmer der Kommunikationsbranche. Sie sollten gemeinsam versuchen, "das Schlimmste bei dieser überzogenen Regulierung zu verhindern". Sonst würden die Verlage gegenüber den globalen Plattformen (Google, Facebook, Amazon), die als Anbieter ganzer Ökosysteme noch mächtiger würden, weiter ins Hintertreffen geraten.

Das Versagen der Lobbyisten

Dabei hatten die Lobbyisten der Online-Medien- und Werbeindustrie scheinbar ganze Arbeit geleistet. Mit allen Mittel bemühten sie sich, die Schutzbestimmungen in der geplanten EU-Verordnung aufzuweichen. Es sei einer der „schlimmsten Lobby-Kampagnen“ gewesen, die es jemals auf europäischer Ebene gegeben habe. Das besagt eine Analyse der Gruppe „Corporate Europe Observatory“.

Allein 2016 habe es zum Thema E-Privacy mindestens 41 Lobbytreffen mit den Kommissaren Ansip und Oettinger oder mit deren Kabinettsmitgliedern gegeben. Nach einem Treffen der Berichterstatter hätten mehrere Abgeordnete das Klima als "aggressiv", das Verhalten der Gäste als "rau" und "unhöflich" beschrieben, heißt es in einem Bericht über die „intensiven“ Bemühungen der Lobbyisten.

Drastische Übertreibungen der Lobbyisten haben nun dazu geführt, dass die Digitalwirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Regelung bekommt, die einerseits der Wirtschaft schadet, andererseits aber auch den Verbrauchern. Große wie kleinere Medien werden Online-Journalismus nicht mehr finanzieren und betreiben können. Die von der EU-Kommission zu schützende Medien-Vielfalt gerät damit in Gefahr.

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G+J-Chefin Julia Jäkel stößt eine Debatte um die Erhaltung von Qualitätsmedien an. Doch die Werbungtreibenden sind auf dem Ohr taub. Ihnen geht es einzig um Effizienz.

Quelle: dpa

Offensichtlich haben sie ihre Lobbyarbeit zu intensiv betrieben und dabei Kompromisslösungen vermissen lassen. Im Ergebnis haben sie das genaue Gegenteil erreicht: Die E-Privacy-Verordnung wurde in der strengst möglichen Variante verabschiedet. Nun bleibt nur noch wenig Zeit für Korrekturen.

In Werbers Brust schlagen zwei Herzen

Der Schutz der Verbraucher vor dem Missbrauch ihrer Daten ist nicht in Frage zu stellen. Schließlich sind die Werber selbst schuld an der Misere. Schütz (Horizont) schreibt: „Man macht es sich aber zu einfach, das drohende Desaster allein auf die Unwissenheit der Politiker zu schieben. Dass die Verordnung so radikal ausfällt, hat sich die digitale Werbeindustrie ein Stück weit selbst zuzuschreiben. Jahrelang wurden nach dem urkapitalistischen Motto ‚Nach mir die Sintflut‘ Menschen mit teilweise schrecklicher Werbung bombardiert. Nun schlägt, sozusagen, das Imperium der Werbefeinde zurück.“

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Die ganze Branche hat versagt. Sie hat es versäumt, respektvoll mit den Daten der Verbraucher umzugehen. Sie hat zuletzt auch versäumt, tragfähige Kompromisse zu formulieren. Nun stehen wir kurz vor dem Ende der Onlinewerbung. Manchen wird’s freuen.

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