Anton Schlecker: Showdown in Saal 18

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Anton Schlecker: Showdown in Saal 18

, aktualisiert 06. März 2017, 13:18 Uhr
von Henryk Hielscher und Stephan Happel

Der größte Wirtschaftsstrafprozess des Jahres beginnt: Drogeriepleitier Anton Schlecker und seine Familie sitzen ab heute auf der Anklagebank. Doch wer spielt in dem komplexen Fall welche Rolle? Die Protagonisten des Schlecker-Prozesses im Überblick.

Schon kurz nach 6 Uhr morgens warten die ersten Kamerateams vor dem grünlichen Fünfziger-Jahre-Bau. Wenig später geht es abwärts - ins Untergeschoss des Landgerichts Stuttgart. Kurz nach 8 Uhr werden die Schleusen zum Verhandlungssaal 18 geöffnet. Drinnen, in dem niedrigen Raum mit grauem Bodenbelag, baut sich prompt eine Wand von Kameras und Fotografen vor dem Halbrund des Verhandlungsbereichs auf. Dabei gibt es zunächst wenig zu sehen: Eine Strafprozessordnung ziert den Tisch eines Verteidigers und avanciert mangels Alternativen zum Fotomotiv. Schleckers Verteidiger Norbert Scharf plaudert mit seinen Co-Anwälten. Auch eine Handvoll Schleckerfrauen hat es in den rappelvollen Saal geschafft, darunter Christel Hoffmann, die frühere Betriebsratsvorsitzende von Schlecker.

Um  Punkt 9 Uhr kommt Bewegung in die Zuschauerschar: Anton Schlecker, seine Frau Christa und die beiden Kinder Lars und Meike betreten den Saal. Anton Schlecker, einst für seine bunten Oberhemden bekannt, kommt im schwarzen Anzug. Mit schlohweißem Haar wirkt er gealtert, seine Frau mit blonder Mähne fast unverändert.   

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Die Kameras klicken, Zuschauer erheben sich. Richter Roderich Martis eröffnet den wichtigsten Wirtschaftsstrafprozess des Jahres. Der wird sich lange hinziehen, möglicherweise bis ins kommende Jahr, glauben Experten. Klein beigeben will Schlecker nicht so schnell. Er lässt alle Vorwürfe zurückweisen.

Schlecker weist Vorwürfe zurück "Insolvenz war für ihn nicht vorstellbar"

Vor fünf Jahren ging das Schlecker-Imperium pleite. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Drogerie-König Anton Schlecker vor, das bereits vorhergesehen zu haben. Der bestreitet die Vorwürfe.

Anton Schlecker zu Prozessbeginn. Quelle: REUTERS

Doch wer spielt in dem komplexen Fall welche Rolle? Wer entscheidet über Wohl oder Wehe des Drogistenclans? Die Protagonisten des Schlecker-Prozesses im Überblick:

Die Angeklagten

Hauptangeklagter ist Drogeriepleitier Anton Schlecker. Ihm werden vorsätzlicher Bankrott, Meineid sowie das Beiseiteschaffen von Vermögenswerten in 36 Fällen vorgeworfen. Er hatte einst das Schlecker-Imperium aufgebaut - und später maßgeblich zu dessen Niedergang beigetragen.

Selbst die meisten der europaweit rund 55.000 Mitarbeiter kannten ihren Chef nur von einem Uralt-Foto aus der Mitarbeiterzeitung: Das Haar akkurat gestutzt, im Hemd mit flirrendem Muster posierte er darauf Seit‘ an Seit‘ mit Gattin Christa vor einer Europaflagge. Der Begleittext kündete von der „innovativen und expansiven Unternehmenspolitik“.

1965, mit 21 Jahren hatte Anton Schlecker als jüngster Metzgermeister Baden-Württembergs in der familieneigenen Fleischerkette angeheuert und schnell bemerkt, dass sich mit Shampoo und Spüli mehr verdienen ließ als mit Schinken und Jagdwurst. Er baute das Geschäft aus und trug den weißen Schlecker-Schriftzug auf blauem Grund bis in die hintersten Winkel der Republik.

Stationen der Schlecker-Insolvenz

  • 23. Januar 2012

    Schlecker meldet Insolvenz an.

  • 28. März 2012

    Das Verfahren wird eröffnet. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hofft noch auf die Rettung von Teilen der Drogeriekette.

  • 27. Juni 2012

    Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein zweites Grundstück soll sein Sohn bekommen haben.

  • 18. Juli 2012

    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker ein.

  • 19. Juli 2012

    Die Schlecker-Gläubiger fordern mehr als eine Milliarde Euro.

  • 30. November 2012

    Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will 2013 bis zu 600 ehemalige Schlecker-Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederbeleben.

  • 19. März 2013

    Gut ein Jahr nach der Pleite zahlt die Familie Schlecker dem Insolvenzverwalter 10,1 Millionen Euro. Hintergrund ist der Streit um übertragenes Vermögen aus dem Unternehmen.

  • 9. April 2013

    Haberleitner will einstige Schlecker-Filialen unter dem Namen Dayli wiederbeleben und Testläden in Deutschland eröffnen.

  • 4. Juli 2013

    Noch vor dem geplanten Deutschland-Start ist der Schlecker-Nachfolger Dayli pleite.

  • 13. April 2016

    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erhebt Anklage gegen Anton Schlecker wegen vorsätzlichen Bankrotts.

  • Sommer 2016

    Der Insolvenzverwalter reicht Klage gegen ehemalige Schlecker-Lieferanten ein. Sie sollen Schlecker wegen illegaler Preisabsprachen um viel Geld gebracht haben. Geiwitz will Schadenersatz in Millionenhöhe.

  • 7. Dezember 2016

    Es wird bekannt, dass das Landgericht die Anklage zulassen will. Der Schlecker-Prozess soll im März 2017 beginnen.

  • 6. März 2017

    Der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart beginnt.

„Wenn du in den Urlaub fährst“, spotteten Handelsleute damals, „dann schließ die Wohnungstür gut ab, sonst sitzt der Schlecker drin, wenn du wiederkommst“. Der Seifenkönig von der schwäbischen Alb nahm so ziemlich alle Standorte, die er kriegen konnte – und die niemand anders wollte. Hauptsache die Miete war niedrig. Dass Rivalen wie dm und Rossmann lieber größere Märkte in hochfrequentierten Fußgängerzonen eröffneten als auf dem Dorfanger in der Provinz zu siedeln, interessierte ihn nicht. Solange die Umsätze stiegen, schien das System ja zu funktionieren.

Doch ab dem Jahr 2000 zeigten sich erste Risse. Mit ihren lichten und großzügigen Märkten saugten die Wettbewerber Schleckers Kundenströme auf wie Schwämme - ein Niedergang begann, der zur Pleite führte. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem heute 72-jährigen Ex-Milliardär bis zu zehn Jahre Haft.

PremiumSchlecker Die Anatomie einer Milliardenpleite

Der Drogistenclan Schlecker steht vor Gericht. Hat die Familie im großen Stil Geld beiseitegeschafft? Recherchen der WirtschaftsWoche zeigen, ab wann die Kernschmelze im Schlecker-Reich einsetzte - und wie sie ablief.

Schlecker: Der Prozess gegen den Pleite-Clan. Quelle: dpa

Mit auf der Anklagebank sitzen Schleckers Ehefrau Christa sowie die Kinder Lars (45) und Meike (43). Alle drei sollen sich der Beihilfe schuldig gemacht haben, Lars und Meike Schlecker zudem der Untreue sowie der Insolvenzverschleppung.

Auch zwei Wirtschaftsprüfer sind angeklagt. Ihnen werfen die Strafverfolger vor, falsche Bilanzierungen im Schlecker-Reich zwar erkannt, aber trotzdem attestiert zu haben, dass ihre Prüfung zu keinen Einwänden geführt habe. (Die Vorwürfe im Detail.)

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