Ebay und Thalia planen Allianz: "Diese Zusammenarbeit hat echte Handschlag-Qualität"

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InterviewEbay und Thalia planen Allianz: "Diese Zusammenarbeit hat echte Handschlag-Qualität"

von Peter Steinkirchner

Ebay-Deutschland-Chef Eben Sermon und Michael Busch, geschäftsführender Gesellschafter des Buchhändlers Thalia, über E-Bücher bei Ebay, Deutschland als Testmarkt und die Konkurrenz zu Amazon.

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Ebay-Deutschland-Chef Eben Sermon (links) und der geschäftsführende Gesellschafter des Buchhändlers Thalia, Michael Busch.

WirtschaftsWoche Online: Herr Sermon, warum führt Ebay sein ausgebautes Plus-Angebot als erstes ausgerechnet in einem schwierigen Markt wie Deutschland ein?
Eben Sermon: Grundsätzlich ist es ja so, dass es unser Premium-Programm Ebay Plus bis dato ausschließlich in Deutschland gibt. Wir sehen im Markt einerseits einen großen Bedarf nach Komfort, wenn es um Versand und Rücksendung von Waren geht. Und besonders in Deutschland ist es für Kunden sehr wichtig, im Netz sehr einfach und bequem einkaufen und Artikel zurückgeben zu können. Vor diesem Hintergrund haben wir Ebay Plus in Deutschland gestartet. Andererseits sehen wir derzeit großes Wachstum bei Abonnement-Modellen und Streaming-Angeboten. Dadurch verändert sich die Art und Weise, wie Medieninhalte konsumiert werden. Bei Ebay Plus verbinden wir nun diese beiden Trends. Wir bieten unseren Plus-Kunden zunächst für die kommenden sechs Monate Zugang zum E-Book-Abonnement Tolino Select unseres Partners Thalia.

Herr Busch, Thalia ist im Vergleich zu einem Riesen wie Ebay ein eher kleiner Player – haben Sie keine Sorge, dass sich Ihr neuer Partner mit Wissen vollsaugt und dann später das Geschäft lieber allein macht?
Michael Busch: Nein, die Sorge habe ich ganz und gar nicht. Wir profitieren von einander und stehen nicht im direkten Wettbewerb. Sollte Ebay jemals E-Books einführen wollen, könnte die Weiterführung der Partnerschaft sicher schwierig werden. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Die Zusammenarbeit insgesamt hat über das konkrete Projekt hinaus für uns eine große Bedeutung.

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Inwiefern?
Busch: Bislang herrschte in Deutschland doch bei vielen das ungute Gefühl, da rücken riesige Konzerne aus dem Silicon Valley an, die keinerlei Interesse an fairen Partnerschaften mit lokalen Unternehmen haben und stattdessen die komplette Wertschöpfungskette für sich haben wollen. Dieser Ansatz verändert sich gerade – wir haben in der Zusammenarbeit mit Ebay sehr viel Offenheit und Vertrauen erlebt.

Ebay und Thalia verbünden sich Wie diese Allianz Amazon besiegen soll

Im Konkurrenzkampf der globalen Online-Handelsplattformen bietet der Silicon Valley-Konzern Ebay erstmals Medieninhalte an und geht dazu ein Bündnis mit Deutschlands größtem Buchhändler ein: Thalia aus Hagen.

Ebay, Thalia Quelle: dpa

Worin machen Sie das fest?
Busch: Wir wurden mit vielen Informationen versorgt, die für unsere Partnerschaft wichtig sind – diese Zusammenarbeit hat echte Handschlag-Qualität. Und das können Sie  wörtlich nehmen: Ebay-CEO Devin Wenig und ich haben den Deal im März im Silicon Valley innerhalb weniger Minuten quasi per Handschlag besiegelt.

Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?
Busch: Ebay und wir kombinieren unsere Stärken, um dem Kunden ein völlig neues Angebot machen zu können. In unserem Tolino-Select-Abonnement, das wir gerade zur Buchmesse vorgestellt haben, kann der Kunde pro Monat aus 40 ausgewählten E-Büchern vier aussuchen. Die Zusammenstellung der Titel ändert sich von Monat zu Monat.

Vier Fakten zum deutschen Online-Buchhandel

  • Buchhandlungen in Deutschland

    In Deutschland gibt es rund 4900 Buchhandlungen. Rund 3200 von ihnen bieten gleichzeitig auch einen Online-Shop an.

    Stand: Juni 2017

  • Marktführer

    Beherrscht wird das Online-Geschäft zu geschätzten 50 bis 70 Prozent vom Großhändler Amazon. Das Unternehmen gibt aber keine Zahlen bekannt.

  • Umsatz

    Durchschnittlich macht ein normaler Buchhändler rund drei Prozent seines Umsatzes über seinen Online-Shop, manche schaffen bis zu zehn Prozent.

  • Wachstum

    Seit 15 Jahren wächst der Online-Verkauf von Büchern. Nach zwei schwachen Jahren hat er 2015 mit einem Zuwachs von 6,0 Prozent rasant an Fahrt aufgenommen.

Und Sie glauben, dass den Kunden vier Bücher im Monat reichen?
Busch: Ja, wir haben durch verschiedene Untersuchungen festgestellt, dass für den Kunden nicht die riesige Auswahl im Vordergrund steht, sondern eine gute Mischung aus aktuellen Titeln und Longsellern, die wir zuvor für ihn zusammengestellt haben. Kein Mensch möchte sich durch hunderte von Titeln wühlen auf der Suche nach der passenden Lektüre. Und mehr als vier Titel schafft ohnehin kaum jemand im Monat zu lesen. Wenn der Kunde das E-Book am Ende des Monats noch nicht durch hat, hat er natürlich auch danach noch Zugriff auf den Titel.

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