Werner knallhart: Das deutsche Abendbrot lebt - mittags!

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Kolumne von Marcus Werner

Abends essen wir heute Pizza und Nudeln. Aber dafür mampfen wir plötzlich mittags im Restaurant Stullen. Das ist die goldene Post-Starbucks-Ära in Deutschlands Bäckereien.

Es gibt Trends, die sind so dämlich, dass sie schon wieder vorbei, bevor sie die Provinz erreicht haben. Ich sage nur: "Bubble Tea". Nennen wir sie hysterische Hypes. Ich nehme an, bis über die Knöchel hochgekrempelte enge Jeans, unter denen dann haarige Storchenbeinchen rausgucken, wird mit Ende der Sommersaison 2016 von den Großstädten aus ebenfalls die langsame Welle des Todes überrollen.

Dann gibt es Trends, die halten sich gut und gerne ein Jahrzehnt. So wie die Gelkamine in den Nullerjahren. Heute findet man sie gerade noch in Baumärkten. Und auch dunkle Chilli-Schokolade mit Salz und Pfeffer und Kümmel und so war mal eine "Wie? Du kennst das noch nicht?"-Phase.

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Und ich finde, Hipsterbärte sollten sich langsam auch mal erledigen. Aber das ist nur meine Meinung. Die riesigen Hipster-Retrobrillengestelle hat es aber schon erwischt, hihi.

Ernährung Kampf um die Veganisierung der Wurst

Veggie-Schnitzel, vegane Fleischwürste und Soja-Frikadellen erobern die Kühltheken der Supermärkte. Doch in der Metzgerzunft regt sich Widerstand: Darf vegane Wurst überhaupt Wurst heißen?

Bockwurst mit Kartoffelsalat ist bei den deutschen sehr beliebt. Diese vegane Variante der Bockwurst ist nicht mehr vom Original zu unterscheiden. Jedenfalls äußerlich. Quelle: meetlyke

Und dann gibt es Entwicklungen, die bleiben lange. Tattoos zum Beispiel. Die bleiben sehr, sehr lange, aber das liegt in der Natur der Sache. Spätestens wenn die ersten Geckos ihren Trägern von der Schulter unter die Achsel gewandert sind, werden es sich die jungen Leute aber überlegen mit Tattoos. Naja, egal.

Ich wollte ja eigentlich auf was ganz Anderes hinaus. Es gibt einen Trend, der hat sich in unserem Leben derart manifestiert, der ist schon kein Trend mehr, der ist ein nicht mehr wegdenkbarer Standard. Ich meine unsere Kaffeekultur. Und dabei spielt es keine Rolle, ob diese ganzen Karamell-Macchiatos mittlerweile ein oller Hut sind und ob der gute, alte Filterkaffee wieder salonfähig wird. Starbucks und seine Konkurrenten haben uns vor gut zwölf Jahren neben Espressokaffee aus der Litertasse zu Mondpreisen auch etwas anderes beigebracht: Brot zum Mittagessen.

Bagels mit Thunfisch oder Curryhuhn. So ging es los. Dann kamen die italienisch angehauchten Ketten mit Panini mit Parmaschinken oder Putenpastrami oder Tomate und Mozzarella.

2002 plakatierte der Billigburger-Imbiss McDonalds noch: "Butterbrot ist tot." Und zeigte einen Bagel. Und das deutsche Bäckerhandwerk schäumte.

Doch dann trumpften die ersten Berliner Cafés so um 2005 auf mit ihren rustikalen Sauerteigstullen mit Butter, dick Käse, Schwarzwälder Schinken oder Ei. Das belegte Brot war mit einem Mal nicht mehr alte Tradition, sondern richtig originell. Solange man es eben zu Bio-Apfelschorle in der Mittagspause aß.

Und danach ging alles richtig los und durcheinander. Panini, Oliventapenade, Baguette, Münsterkäse, Stulle, Kichererbsencreme, Bagel, vegetarisches Mett, Wraps, Kapern, Smørrebrød, Krabben.

Doch die Bäckereien, unsere Bäckereien mit dem weltweit berühmten Brot, machten schon wieder lange Gesichter und sagten: och, Menno.

Denn kein Mensch unter 50 setzte sich fortan mehr mit nem Pott Kaffee und Streuselkuchen in die altbackenen Sitzecken mit Blick auf das Rollregal mit den abgeräumten Tabletts. Und Brot für abends war auch nicht mehr so gefragt. Zwei Brotmalzeiten? Dann abends doch lieber Pasta, Sushi oder Salat.

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