Werner knallhart: Lieferservice bullarbullar: Nie wieder Ikea online!

kolumneWerner knallhart: Lieferservice bullarbullar: Nie wieder Ikea online!

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Eine Ikea-Filiale

Kolumne von Marcus Werner

Hasst Ikea das Internet oder die Online-Kunden? Wer den Service von Online-Händlern wie Amazon gewohnt ist, fällt bei Ikea aus allen Wolken: riesige Lieferzeitfenster, abgeblockte Anfragen, Drohungen mit Mehrkosten.

Es tut mir in der Seele weh. Als Sohn einer Schwedin bin ich zwischen Ikea-Möbeln aufgewachsen. Billy gehörte für mich so selbstverständlich in ein richtiges Zuhause wie ein Kühlschrank. Und in meinem Kinderzimmer hing immer eine kugelrunde Ballonlampe aus Papier.

Ikea war für mich nicht billig, Ikea war für mich vernünftig und schick. Dass man Möbel auch in anderen Möbelhäusern kaufen und zusammengebaut anliefern lassen kann, das wurde mir erst als Teenager richtig klar.

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Heute kann man auch bei Ikea gekaufte Möbel liefern lassen. Kürzlich habe ich den Fehler gemacht, alten Kindheitserinnerungen an die Verlässlichkeit und Vernunft von Ikea zu erliegen und habe etwas bei Ikea online bestellt. Aber wenn man als erwachsener Mensch den Lieferservice anderer Möbelhändler längst kennengelernt hat, wenn man als Großstädter Amazon Prime und Amazon Fresh nutzt, dann merkt man: Wenn einige Dinge heute im modernen 21. Jahrhundert noch so sind wie in Kindheitstagen, dann sind sie einfach schlecht.

Studie Ikea sucht Streit

Worüber regen sich Menschen in den eigenen vier Wänden am meisten auf? Nicht die Nachbarn, sondern die Menschen, mit denen sie die Wohnung teilen. Ikea interessiert sich dafür. Warum eigentlich?

PrivatsphäreSo sehr die meisten Deutschen mit ihren Mitbewohnern grundsätzlich im Einklang stehen - jedes Miteinander produziert Konflikte. Die meisten werden im Wohnzimmer ausgetragen. Der persönliche Raum ist vielen Menschen sehr wichtig, selten ist er jedoch klar umgrenzt als eigenes Zimmer. Rückzugsorte in der gemeinsamen Wohnung fehlen. Designerin Klara Sprak illustriert den Wunsch nach privatem Raum im Miteinander mit einem dreisitzigen Sofa, in den jeder Sitz seine eigene Höhe hat. Wer welchen bekommt - das wäre doch auch hier Stein des Anstoßes. Denn Plätze haben "emotionale Besitzer", wie es der "Home Report" formuliert. Genau diese Privatsphäre aber verbinden Menschen mit Glück, Erleichterung und Ruhe. Quelle: PR

So, das war eine verklausulierte Anspielung auf den schlimmen Ikea-Lieferservice. Bei mir war das so:

Ein Freund bat mich, ihn zu Ikea zu begleiten, um dort mit ihm gemeinsam eine kleine Glasvitrine auszusuchen. Weil sein blödes Auto in der Werkstatt war (typisch), fuhren wir mit Bus und Bahn, bereuten dies aber im Ikea-Selbstbedienungslager, denn diese so luftig leicht designte Glasvitrine war flach verpackt in zwei Kartons, von denen jeder einzelne in der Lage war, einem beim Anheben die Bandscheiben zwischen den Wirbeln herauszuquetschen. Die im Bus mit zweimal umsteigen: nein!

„Die haben aber auch einen Online-Shop“, sagte ich und suchte die Vitrine im Internet heraus. „Ach, nicht noch ein Kundenkonto beim nächsten Versandhändler“, winkte mein Freund ab.

„Ach komm, das geht schnell“, sagte ich und tippte alle erforderlichen Daten ein.

„Wann sollen die liefern?“ Er entschied sich widerwillig für Freitagnachmittag in drei Wochen. Das System bot an: „14:00 bis 21:00“.  Ein Sieben-Stunden-Lieferfenster? Das war ja wie in Bundespost-Zeiten.

„Das können wir ja erstmal nehmen und dann mit denen sprechen, wenn es soweit ist“, sagte ich amazonverwöhnter Bengel.

„Okay.“ Klick. Schon kam die E-Mail: „Vielen Dank für Deine Bestellung.“ Was tut man nicht alles für seine Freunde. Ein herrlich erfolgreicher Tag!

Zwei Wochen später kam die zweite E-Mail. Jetzt war Ikea mit mir wieder per Sie. Scheißfreundlich im Ton, scharf im Diktat der Lieferregeln. Das Schreiben kam mir vor, als hätte ich gerade beantragt, meine eigene Hinrichtung auszusetzen.

Welche Möbel die Deutschen wollen

  • Rang 7

    Wenig gefragt sind hierzulande Esszimmermöbel. Nur 13 Prozent gaben an, in den nächsten Monaten neue anschaffen zu wollen.

    Befragt wurden 810 Deutsche – Mehrfachnennung war möglich.

  • Rang 6

    Auch die meisten Kinder gehen leer aus. Ebenfalls nur 13 Prozent wollen neue Kinderzimmermöbel kaufen.

  • Rang 5

    16 Prozent haben keine genauen Pläne, was den Möbelkauf betrifft, wollen aber zulangen.

  • Rang 4

    Wichtiger ist den Deutschen in diesem Jahr das Bad. Jeder Fünfte will hierfür neue Möbel erstehen.

  • Rang 3

    Vier von zehn Deutschen wollen in den nächsten Monaten Möbel für ihre Küche kaufen.

  • Rang 2

    36 Prozent planen neue Schlafzimmermöbel anzuschaffen.

  • Rang 1

    Mehr als jeder zweite Deutsche will sein Wohnzimmer neu einrichten. 53 Prozent der Befragten gab an, neue Wohnzimmermöbel kaufen zu wollen.

„Guten Tag, lieber IKEA Kunde.“ Andere Dienste bauen da den Namen des Kunden ein. Aber Ikea hat es ja nicht so mit Bausätzen. Da bauen die Kunden.

„Gerne bestätigen wir Ihre IKEA Bestellung.… Das Lieferzeitfenster kann nicht weiter eingeschränkt werden, jedoch meldet sich unser Spediteur telefonisch unmittelbar vor der Anlieferung bei Ihnen.“

Unmittelbar vor der Lieferung. Das kann ein Anruf sein wie: „Ich stehe vor Ihrer Tür, wo soll ich klingeln?“

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