Holzkonzern in Nöten: Wie Pfleiderer den Holzweg verlassen will

Holzkonzern in Nöten: Wie Pfleiderer den Holzweg verlassen will

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Pfleiderer-Chef Hans Overdiek

von Christian Schlesiger, Henning Krumrey und Harald Schumacher

Eine harte Restrukturierung soll den bayrischen Holzkonzern vor der Pleite retten. Ein Geheimplan zeigt, wie.

Dem Tod entkam Hans Overdiek nur knapp. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren schlitterte sein Auto von der Fahrbahn und prallte gegen mehrere Bäume. Sein Bruder Jürgen starb bei dem Unfall, Overdiek und sein Chauffeur überlebten schwer verletzt. Nach Koma und halbjähriger Reha kämpfte sich Overdiek zurück ins Leben - und kehrte zurück an die Spitze des Holzkonzerns Pfleiderer.

Overdiek hat gezeigt, dass er Kraft und Willensstärke besitzt. Beides braucht er für seinen nächsten Kampf. Es geht um das Überleben des weltweit drittgrößten Herstellers von Spanplatten und Laminatböden mit Sitz im bayrischen Neumarkt. Overdiek hat sich mit teuren Zukäufen im Ausland verzockt, hohe Verluste haben fast die Hälfte des Grundkapitals aufgefressen. Nun will er selbst mit einem Rettungsplan der drohenden Insolvenz entkommen.

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Traditionsunternehmen vor hartem Einschnitt

Wie die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen erfuhr, steht dem im SDax börsennotierten Konzern ein harter Schnitt bevor: Geplant sind der Verkauf wichtiger Tochtergesellschaften sowie ein Kapitalschnitt. Zugleich will Overdiek in Wachstumsmärkte investieren. Die Zeit drängt — Billigkonkurrenz aus Asien setzt das Unternehmen massiv unter Druck. Am Ende könnte auch der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden.

Ginge Pfleiderer pleite, wäre ein weiteres deutsches Traditionsunternehmen am Ende. 1894 in Heilbronn gegründet, beschäftigt Pfleiderer heute 5400 Mitarbeiter, davon 40 Prozent in Deutschland, und setzte 2010 rund 1,5 Milliarden Euro um. Die Gründerfamilie ist noch mit ein paar Prozent beteiligt, Großaktionär ist mit 23 Prozent der Finanzinvestor One Equity Partners. Auch mit schnöden Spanplatten und Laminatböden lässt sich ein Milliardenimperium aufbauen. Doch die Ergebnisse sind seit Jahren tiefrot, der Börsenwert stürzte von 1,4 Milliarden Euro 2006 auf heute 86 Millionen Euro ab.

Bis 2016 soll die Wende klappen

Seit ein paar Wochen durchleuchten nun Berater von Roland Berger den Holzkonzern. Zudem bat Overdiek die Investmentbank Lazard um Lösungsvorschläge für den Schuldenberg von mehr als 900 Millionen Euro. Overdiek, der den Konzern mit Zukäufen im Ausland zu einem Global Player formen wollte, muss sein Werk nun auf kleinere Größe stutzen. So sehen es die geheimen Pläne vor, die der Vorstand auf Basis der Beraterempfehlungen den rund 30 Gläubigerbanken jüngst präsentierte und der WirtschaftsWoche bekannt sind. Bis 2016, so sehen es die Pläne vor, soll die Wende geschafft sein.

Kurzfristig stehen folgende Maßnahmen an: 

Die Tochter Thermopal steht zum Verkauf. Das Unternehmen aus Leutkirch im Allgäu mit rund 480 Beschäftigten baut Dekorspanplatten und feuerfeste Holzvertäfelungen etwa für den Schiffsbau. In Unternehmenskreisen ist zu hören, dass es für Thermopal ein konkretes Kaufangebot geben soll, Banken müssten nur noch die Kredite für die Finanzierung freigeben. Der Verkauf stehe kurz bevor und soll 30 bis 40 Millionen Euro einbringen.Geprüft wird auch der Verkauf der verlustreichen US-Sparte von Pfleiderer. Umgerechnet rund 400 Millionen Euro setzt der Konzern in Nordamerika um, das ist fast ein Viertel des Konzernumsatzes. Das US-Geschäft stammt aus Akquisitionen der beiden Wettbewerber Pergo aus Schweden und Kunz aus Holland für insgesamt rund 780 Millionen Euro. Bis heute verursachen die Werke in Kanada und den USA nur Verluste. Die Berger-Berater gehen offenbar davon aus, dass es mindestens drei Jahre dauern würde, das US-Geschäft in die Gewinnzone zu bringen. „So viel Zeit haben wir nicht“, heißt es im Konzern. Der Verkauf soll laut Restrukturierungsplan rund 100 Millionen Euro Erlös bringen, der Käufer soll alle Verluste übernehmen. Offenbar gibt es bereits einen Interessenten. Entscheiden müssen die Gläubigerbanken.Mit dem Geld aus den Verkäufen soll das Geschäft in Osteuropa gestärkt werden. Pfleiderer plant Investitionen in Höhe von rund 500 Millionen Euro. Allein der 2008 begonnene Bau eines Werks im russischen Novgorod erfordert eine Finanzspritze von 90 Millionen Euro für die Fertigstellung. Zusätzliches Geld für die Investition soll die börsennotierte Pfleiderer-Tochter Grajewo aus Polen beisteuern. Sie soll Investoren gewinnen, die am Erfolg beteiligt würden.Ein neues IT-System soll die weltweit zusammengekauften Firmen besser verzahnen. Auch das Zusammenlegen von Vertriebseinheiten vor allem in Europa gilt als ausgemachte Sache.Um die Verschuldung in den Griff zu bekommen, denken die Berater auch an einen Kapitalschnitt: Dabei würden die Verluste aus dem Jahr 2010 mit Eigenkapital des Unternehmens verrechnet. Der buchhalterische Kunstgriff würde verhindern, dass frisches Geld aus einer Kapitalerhöhung automatisch frühere Verluste decken müsste. Einen Kapitalschnitt müsste die Hauptversammlung beschließen.

Aufschub bis Ende März

Grafik: Geschäftsergebnisse von Pfleiderer 2006-2010

Grafik: Geschäftsergebnisse von Pfleiderer 2006-2010

Ohne Unterstützung der Gläubiger geht das alles nicht. Die rund 30 Banken stecken derzeit die Köpfe zusammen, um aus der Nummer mit einem blauen Auge herauszukommen. Ein Forderungsverzicht von 30 Prozent ist im Gespräch. Bislang haben sie dem Unternehmen einen Aufschub bis Ende März gewährt, um Zinsen zu zahlen und Kredite zu tilgen. Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass dieses Stillhalteabkommen um mehrere Monate verlängert werden soll.

Andere Banken wie die ING-Diba und die Royal Bank of Scotland haben ihre Geduld bereits verloren und Forderungen an Hedgefonds wie die britische Strategic Value Partners verscherbelt. Ein Drittel aller Forderungen soll bereits in den Händen von Hedgefonds liegen. Laut Finanzkreisen konnten die Banken ihre Forderungen teilweise für 70 Prozent des Nominalwerts verkaufen — üblich seien in schwierigen Umstrukturierungsverfahren rund 40 bis 50 Prozent. Die Hedgefondsmanager sehen offenbar "eine Perspektive für das Unternehmen", heißt es aus Beraterkreisen.

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