Covestro-Börsengang, neuer Vorstand: Das neue Gesicht von Bayer

Covestro-Börsengang, neuer Vorstand: Das neue Gesicht von Bayer

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Das Werk der Bayer AG im Chemiepark in Leverkusen.

von Jürgen Salz

Konzernchef Marijn Dekkers baut den Leverkusener Konzern radikal um: Am 2. Oktober geht die Kunststoff-Sparte Covestro an die Börse. Bayer erhält eine neue Struktur. Und nach 152 Jahren rückt erstmals eine Frau in den Vorstand auf.

Ab Montag können Anleger Aktien der Bayer-Kunststofftochter Covestro zeichnen, die Preisspanne liegt zwischen 26,50 und 35,50 Euro. Sein Debüt an der Börse wird Covestro dann am 2. Oktober geben.

Bayer wird zunächst die Mehrheit behalten, sich aber später davon trennen. Für den nun anstehenden Börsengang rechnet Covestro mit Einnahmen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro – das Geld wird der Kunststoff-Spezialist dann vor allem zum Abbau der Schulden verwenden, die dem Unternehmen von Bayer aufgebürdet werden. Es ist der größte Börsengang in Deutschland seit dem Jahr 2000. Bayer trennt sich damit von seinen historischen Wurzeln. Die Entwicklung des heutigen Weltkonzerns hatte 1863 in Wuppertal mit der Herstellung von Teerfarben, eines Chemieproduktes, begonnen.

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Wer bei Bayer für Gewinn sorgt

  • Insgesamt

    Umsatz 2014: 42,2 Mrd. Euro
    Gewinn* 2014: 8,4 Mrd. Euro

    *vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda; Quelle: Unternehmen

  • Gesundheit

    Umsatz 2014: 19,834 Mrd. Euro (47 Prozent vom Umsatz insgesamt)
    Gewinn* 2014: 5,124 Mrd. Euro (61 Prozent vom Gewinn insgesamt)

    *vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda; Quelle: Unternehmen

  • Chemie und Kunststoffe

    Umsatz 2014: 11,816 Mrd. Euro (28 Prozent vom Umsatz insgesamt)
    Gewinn* 2014: 1,092 Mrd. Euro (13 Prozent vom Gewinn insgesamt)

    *vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda; Quelle: Unternehmen

  • Landwirtschaft

    Umsatz 2014: 9,284 Mrd. Euro (22 Prozent vom Umsatz insgesamt)
    Gewinn* 2014: 2,184 Mrd. Euro (26 Prozent vom Gewinn insgesamt)

    *vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Ebitda; Quelle: Unternehmen

  • Sonstige

    Umsatz 2014: 1,266 Mrd. Euro (3 Prozent vom Umsatz insgesamt)

Und das ist nur der Auftakt zu einem tiefgreifenden Umbau des Bayer-Konzerns. Bisher fußte das Unternehmen auf den Sparten Gesundheit, Pflanzenschutz und Kunststoffe. Weil sich mit Pharma und Pflanzenschutz höhere Gewinnmargen erzielen lassen, hinkte das Kunststoffgeschäft intern immer etwas hinterher.

Immer wieder hatte die Kunststoff-Sparte mit Überkapazitäten und Preisdruck zu kämpfen. Die Trennung ist daher durchaus konsequent. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sehr es Bayer-Chef Dekkers gelingt, den Aktionären Polyurethane und Polycarbonate schmackhaft zu machen. Die heutige Covestro setzte 2014 rund elf Milliarden Euro um, der Betriebsgewinn lag bei 1,16 Milliarden Euro. Mittelfristig gilt Covestro als Kandidat für die Börsen-Eliteliga Dax.

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Doch auch im nun verbleibenden Bayer-Konzern baut Dekkers nun munter um. Aus der vormaligen Sparte Gesundheit werden zum 1. Januar zwei – eine für verschreibungspflichtige Medikamente (Pharmaceuticals) und eine für rezeptfreie Medikamente (Consumer Health). Aus Sicht von Unternehmensberatern macht auch die Aufspaltung Sinn.

Während es bei verschreibungspflichtigen Präparaten vor allem auf Forschung und Entwicklung ankommt, sind bei rezeptfreien Mitteln (wozu bei Bayer etwa Aspirin, die Hautpflegemarke Bepanthen oder das Magenmittel Rennie) gehören) vor allem Fertigkeiten im Marketing und im Vertrieb gefragt. Die Trennung zwischen Pharma und Consumer Health praktiziert der Darmstädter Merck-Konzern schon lange. Hinzu kommt, dass sich Bayer im vergangenen Jahr durch die Übernahme der rezeptfreien Medikamente des US-Konzerns Merck – der mit der deutschen Merck nichts zu tun hat - für 14 Milliarden Dollar enorm vergrößert hat. Die Consumer Health-Sparte hat dadurch enorm an Gewicht gewonnen.

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Weitere Änderung: Die Vorstände der Divisionen Dieter Weinand (Pharmaceuticals), Erica Mann (Consumer Health) und Liam Condon (Crop Science, vulgo: Pflanzenschutz) rücken zum 1. Januar in den Bayer-Vorstand auf. Bemerkenswert ist vor allem die Berufung von Erica Mann: Die gebürtige Südafrikanerin ist damit nach 152 Jahren Historie die erste Frau im Bayer-Vorstand. Die 56-Jährige Chemikerin , die zudem den weltweiten Branchenverband World Self Medication Industry Association leitet, war vor ihrer Karriere bei Bayer, unter anderem für Pfizer tätig. Noch vor wenigen Jahren wollte sich Bayer-Chef Dekkers bei der Frage, ob eher Bayer 04 Leverkusen Deutscher Meister wird oder eine Frau in den Bayer-Vorstand kommt, nicht eindeutig festlegen. Nun ist die Frage entschieden.

Personalvorstand Michael König wird dagegen Bayer auf eigenen Wunsch verlassen. Sein Nachfolger wird der promovierte Chemiker Hartmut Klusik. Auch Bayer-Chef Dekkers hört Ende 2016 auf. Wenn nicht alles täuscht, läuft dessen Nachfolge auf den 52-Jährigen Werner Baumann zu, der im Vorstand bereits für Strategie und Portfolio-Management verantwortlich zeichnet.

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