VW-Komponentenwerke: Was sich Müller von den US-Riesen abschaut

VW-Komponentenwerke: Was sich Müller von den US-Riesen abschaut

, aktualisiert 16. Juni 2016, 06:19 Uhr
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Konzernchef Matthias Müller will den hauseigenen Zulieferbereich bündeln.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Die neue Strategie von Volkswagen sieht wohl auch eine Bündelung aller eigenen Zulieferwerke vor. Ganz so weit wie die Vorbilder GM und Ford dürfte Konzernchef Matthias Müller allerdings nicht gehen.

WolfsburgDie Bündelung des hauseigenen Zulieferbereichs ist eine bewährte Strategie in der Automobilindustrie. Einen solchen Schritt dürfte Volkswagen-Chef Matthias Müller am Donnerstag bekanntgeben. Sollte sich der Volkswagen-Konzern tatsächlich zu diesem Schritt entschließen, dann kommt diese Entscheidung allerdings vergleichsweise spät.

Wichtige Konkurrenten sind diesen Schritt schon vor Jahren gegangen, allen voran die großen Autokonzerne aus den USA. Die Fertigungstiefe haben sie damit deutlich reduziert und konzentrieren sich auf das Geschäft als Autohersteller.

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Schon vor mehr als 15 Jahren haben General Motors (GM) und Ford den Schritt der Ausgliederung beschlossen. GM fasste damals den konzerneigenen Zulieferbereich unter dem neuen Namen Delphi zusammen und brachte diese neue Tochtergesellschaft auch an die Börse. Fast deckungsgleich war das Konzept von Ford; dort trägt das Zuliefergeschäft heute den Namen Visteon.

Beide großen US-Zulieferkonzerne haben schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Weil die amerikanische Autobranche nach der Finanzkrise von 2008 in eine große Krise geriet, bekamen auch Delphi und Visteon gewaltige Probleme. Beide Unternehmen mussten Insolvenz anmelden und deutlich schlanker werden. Die Neuausrichtung reichte, um sowohl Delphi als auch Visteon wieder aus der Insolvenz herauszuführen.

Delphi ist immer noch vergleichsweise groß und als weltweiter Zulieferer anerkannt. Im vergangenen Jahr kam der Konzern auf einen Umsatz von 15,2 Milliarden US-Dollar, mehr als 160.000 Beschäftigte stehen auf den Lohn- und Gehaltslisten. Im Unterschied dazu ist die frühere Ford-Tochter Visteon deutlich kleiner. Sie zählt heute gut 10.000 Mitarbeiter, der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden US-Dollar. Visteon konzentriert sich heute stark auf den Bereich Fahrzeug-Elektronik.


Experten loben den Schritt

Auch in Japan beim weltgrößten Autohersteller Toyota gibt es die Ausgliederung des eigenen Zuliefer- und Komponentengeschäfts, dort firmiert das Unternehmen unter dem Namen Denso. Der Zulieferer hat die frühere Muttergesellschaft bei ihrer weltweiten Expansion begleitet und ist deshalb ebenfalls rund um den Globus vertreten.

Der börsennotierte Konzern Denso ist deutlich größer als seine beiden US-Konkurrenten. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei fast 34 Milliarden Euro, ungefähr 150.000 Mitarbeiter gehören zu Denso. In Europa hatte Peugeot seinen Zulieferbereich unter dem Namen Faurecia ebenfalls als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert.

Für Experten aus der Autobranche sind die Wolfsburger Pläne zur Ausgliederung des eigenen Komponentengeschäfts nur ein logischer Schritt. „Alles ist extrem sinnvoll“, sagt Arndt Ellinghorst, Analyst beim Investmentberater Evercore ISI in London. Der Komponentenbereich müsse als eigenständige Einheit geführt werden, um diese Sparte endlich transparent zu machen. Der VW-Zulieferbereich könne nicht mehr nur als ein reiner Kostenblock behandelt werden.

Volkswagen wird bei seiner Bündelung des Komponentenbereichs allerdings nicht so weit gehen wie die großen US-Konkurrenten. Einen Börsengang wie bei Delphi und Visteon dürfte es nicht geben. Besonders mit dem mächtigen Betriebsrat wäre das wohl nicht zu machen. Denkbar erscheint es allerdings, dass der künftig gebündelte VW-Zulieferbereich einzelne Teile an andere Zulieferkonzerne verkaufen könnte. Das Ersatzteilgeschäft im Volkswagen-Konzern ist groß: Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei fast 15 Milliarden Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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