Hauptversammlungen: Aktionärsberater begehren bei SAP und Linde auf

Hauptversammlungen: Aktionärsberater begehren bei SAP und Linde auf

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Der SAP-Vorstand und der Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner bei der Hauptversammlung 2016.

Am Mittwoch stehen beim Softwareriesen SAP und beim Industriegasekonzern Linde turbulente Hauptversammlungen an. Aktionärsberater wollen bei SAP sogar dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern.

Millionenschwere Vorstandsgehälter oder Abstimmungsverbot bei einer Megafusion: Sowohl beim Softwareriesen SAP als auch beim Industriegasekonzern Linde stehen am Mittwoch turbulente Hauptversammlungen an, weil sich Aktionärsberater gegen Beschlüsse des Managements stemmen.

Der einflussreiche US-Stimmrechtsberater ISS hat etwa die Vergütung von Europas größtem Technologiekonzern im Visier und empfiehlt den Aktionären nun, dem Aufsichtsrat von SAP die Entlastung zu verweigern. Bei Linde sorgt das Vorgehen bei der geplanten 60 Milliarden schweren Fusion mit dem US-Rivalen Praxair für den Unmut der Berater. Denn die Aktionäre sollen zu dem Vorhaben erst gar nicht gefragt werden.

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Bei SAP empfiehlt ISS in einer Mitteilung an Aktionäre, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten, weil das Kontrollgremium einen "deutlichen Mangel an Aufsicht und guter Unternehmensführung" gezeigt habe. ISS kritisiert insbesondere die fehlende Bereitschaft für Änderungen des Vergütungssystems.

SAP Schon 2018 höhere Umsätze mit Cloud als mit herkömmlicher Software

Vorstandschef Bill McDermott stimmt seine Mitarbeiter im Vorfeld der SAP-Hauptversammlung am Mittwoch auf die nächsten Ziele des Software-Konzerns ein, wie aus einer internen Mail hervorgeht.

Der Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP, Bill McDermott. Quelle: REUTERS

Hans-Christoph Hirt vom britischen Investor Hermes kündigte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" ebenfalls an, gegen die Entlastung des Aufsichtsrats zu stimmen. Es gebe "rote Linien", die Konzerne nicht überschreiten sollten, sagte er. Bei SAP sei die maximal mögliche Vergütung unangemessen hoch.

SAP-Chef Bill McDermott hatte im vergangenen Jahr Daimler-Chef Dieter Zetsche als Spitzenverdiener unter den Dax-Konzernen abgelöst. Mit rund 15 Millionen Euro fiel seine Vergütung wegen mehrjähriger Bonusprogramme fast drei Mal so hoch aus wie im Jahr davor.

Quartalszahlen Personalkosten drücken bei SAP den Gewinn

Trotz des gestiegenen Erlöses verdiente SAP im Vergleich zum Vorjahr unterm Strich weniger. Grund sind die hohen Personalkosten: Viele Gehälter sind an den Aktienkurs gekoppelt – und der steigt.

Die Personalkosten setzten die Quartalszahlen des Softwarekonzerns SAP unter Druck. Quelle: dpa

Damit lag der Vorstandschef des Walldorfer Softwarekonzerns aber noch weit hinter seinem Kollegen Larry Ellison, der als Chef des SAP-Rivalen Oracle, umgerechnet knapp 40 Millionen Euro einstrich. Allerdings könnte auch McDermotts maximales Jahresgehalt durch einen in Aktienoptionen gezahlten Erfolgsbonus auf bis zu 41 Millionen Euro steigen.

SAP, derzeit wertvollster Dax-Konzern, teilte am Samstag mit, das Vergütungssystem stehe in Einklang mit der Praxis von Dax-Unternehmen und internationalen Wettbewerbern. Die Vorstandsvergütung orientiere sich sowohl an der Größe, der globalen Ausrichtung als auch der finanziellen Situation bei SAP sowie den Bezügen vergleichbarer Konzerne der Branche. SAP kündigte zugleich eine Stellungnahme des Aufsichtsrats zu der Kritik auf der Hauptversammlung an.

SAP-Chef McDermott neuer SpitzenverdienerVideo abspielen
Manager-VergütungSAP-Chef McDermott neuer Spitzenverdiener

Bei Linde hat der Aktionärsberater Ivox Glass Lewis dazu aufgerufen, sowohl dem Vorstand als auch dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Als Grund wird unter anderem das Vorgehen des Managements bei dem geplanten Zusammenschluss mit Praxair zum weltgrößten Industriegasekonzern genannt. Der Streit mit Aktionären über die fehlende Abstimmungsmöglichkeit sowie die starke Gegenwehr von Arbeitnehmern und Veränderungen beim Management während der Verhandlungen mit Praxair hätten Zweifel an der Unternehmensführung geweckt.

Vor Praxair-Fusion Linde wächst im Auftaktquartal

Der Industriegasekonzern Linde steigert den Umsatz und bestätigte seine Prognose für das laufende Jahr. Der potentielle Fusionspartner Praxair legt jedoch mehr zu.

Linde Quelle: dpa

Aktionärsberater konnten in der Vergangenheit bereits etliche Erfolge verbuchen, denn viele Investmentfonds aus den USA und Großbritannien folgen auf Hauptversammlungen den Empfehlungen von Stimmrechtsberatern wie ISS, Hermes oder Ivox Glass Lewis. Nach einer Ablehnungsempfehlung durch ISS waren etwa die Gehalts- und Bonus-Regelungen für die Vorstandsmitglieder der Münchener Rück bei den Aktionären durchgefallen.

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