Springer Nature, Apple & Co.: Wer in China Geschäfte macht, zahlt einen hohen Preis

Springer Nature, Apple & Co.: Wer in China Geschäfte macht, zahlt einen hohen Preis

, aktualisiert 06. November 2017, 11:29 Uhr
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Einer der ersten Käufer des iPhone X in einem Apple Store in Peking

von Niklas Dummer

Der Wissenschaftsverlag Springer Nature hat auf Druck der Regierung Chinas Teile seines Internetangebots zensiert. Der Fall zeigt symptomatisch, welchen Preis westliche Konzerne für Geschäfte in China zahlen.

Der deutsche Wissenschaftsverlag Springer Nature hat auf Druck der Regierung in Peking Teile seines Internetangebots in China zensiert. Wie der Verlag Anfang der Woche mitteilte, seien „weniger als ein Prozent der Inhalte“ gesperrt worden, um nicht in Konflikt mit lokalen Gesetzen zu geraten. Laut Medienberichten betrifft die Sperre vor allem Artikel über Themen, die in China als besonders heikel gelten – etwa Taiwan, das Massaker am Tian'anmen-Platz oder Tibet.

„Diese Maßnahme ist zutiefst bedauerlich, wurde aber getroffen, um weitaus größere Auswirkungen auf unsere Kunden und Autoren zu verhindern“, hieß es in der Erklärung des Verlags, der zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehört. „Würden wir nicht handeln, bestünde das sehr reale Risiko, dass sämtliche unserer Inhalte geblockt würden.“

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Der Fall steht symptomatisch für den rigiden Umgang der Volksrepublik mit westlichen Verlagen und Anbietern von Onlinediensten und macht deutlich, welch hohen Preis sie für den Marktzugang in China zahlen. Bereits im August hatte der britische Verlag Cambridge University Press (CUP) kurzzeitig Fachartikel in China gesperrt. Nach heftiger Kritik von Wissenschaftlern in aller Welt nahm CUP seine Entscheidung jedoch zurück.

Die neuen starken Männer in China

  • Xi Jinping

    Nach fünf Jahren im Amt der einflussreichste Parteichef seit Staatsgründer Mao Tsetung. Pragmatismus und Wirtschaftsreformen spielen unter dem 64-Jährigen nicht mehr so eine große Rolle, dafür die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei.

  • Li Keqiang

    Kümmert sich als Premierminister vor allem um die Wirtschaft, musste aber viel Macht an den Präsidenten abgeben. Der 62-Jährige galt im Frühjahr noch als Wackelkandidat, weil er einer anderen politischen Strömung als Xi Jinping angehört.

  • Li Zhanshu

    Einer der engsten Verbündeten und langjähriger Weggefährte von Xi Jinping. Der 67-Jährige ist derzeit Stabschef des Präsidenten und wurde schon oft mit diplomatischen Missionen im Ausland betraut. Er soll möglicherweise Parlamentspräsident werden

  • Wang Yang

    Der 62 Jahre alte Vizepremier ist versiert in Wirtschafts- und Handelsfragen. Er ist das einzige neue Mitglied im Ständigen Ausschuss, das kein enger Vertrauter von Präsident Xi Jinping ist. Er wird dem Lager von Premierminister Li Keqiang zugeordnet.

  • Wang Huning

    Der Denker. Der 62-jährige diente drei Präsidenten als Berater und hat ein enges Verhältnis zu Xi Jinping entwickelt. Vermutlich steckt er hinter dessen Idee vom „chinesischen Traum“. Er wird Propaganda, Ideologie und Parteiorganisation verantworten.

  • Zhao Leji

    Organisationschef der Partei. Als ehemaliger Parteichef von Shaanxi?, der Heimatprovinz von Xi Jinping, werden dem 60-Jährigen enge Verbindungen zum Präsidenten nachgesagt. Er wird das Amt des obersten Korruptionsbekämpfers übernehmen.

  • Han Zheng

    Arbeitete als Bürgermeister von Shanghai eng mit Xi Jinping zusammen, als der vor zehn Jahren Parteivorsitzender in der Metropole war. Ist heute selbst Parteichef Shanghais. Der 63-Jährige könnte neuer Vorsitzender der beratenden Konsultativkonferenz werden.

Welche Konsequenzen daraus folgen, ist bislang offen. „Das Verlagswesen ist kein Geschäftsfeld, in dem China von der Teilhabe ausländischer Unternehmen unbedingt abhängig ist. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass China solche Unternehmen künftig von seinem Markt ausschließt“, sagt Kristin Shi-Kupfer, Leiterin des Forschungsbereichs für Politik, Gesellschaft und Medien am Mercator Institut for China Studies.

Unter Xi Jinping, dem Parteichef der Kommunistischen Partei (KP), hat sich China in den vergangenen fünf Jahren von der Reform- und Öffnungspolitik verabschiedet, die Deng Xiaoping verfolgte. Stattdessen heißt das oberste Credo nun: totale politische Kontrolle. „Ich beobachte seit der Machtübernahme Xi Jinpings eine zunehmende Gleichschaltung der Informationen, die verbreitet werden, aber ebenso der Interpretation dieser Informationen“, sagt Shi-Kupfer. „Heute hat die Partei den Anspruch alles zu kontrollieren – bis in die Köpfe ihrer Bürger hinein.“

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Xi Jinping hat beim Parteitag seine Position an der Spitze des Landes weiter gestärkt. Chinas Präsident ist nun mächtiger denn je. Für die Wirtschaft ist das keine gute Nachricht.

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Dafür ist es aus Sicht der KP vonnöten, die Verbreitung unliebsamer Informationen – etwa über Menschenrechte, Pressefreiheit oder die Vorzüge eines liberalen, demokratischen Systems – zu unterbinden. Die Internetzensur wurde in den vergangenen Jahren immer weiter verstärkt. Es solle keine Inhalte geben, die die Macht der Partei infrage stellen könnten, sagte Xi Jinping auf dem Parteitag im Oktober.

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