Gründer: Vom Hörsaal in den Chefsessel

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Gründer: Vom Hörsaal in den Chefsessel

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Unternehmen: Fazua, Hochschule: HS München. Der Professor und seine Schützlinge: Klaus Sailer mit den Fazua-Gründern Philipp Kalläne, Sebastian Boß, Johannes Biechele und Marcus Schlüter (von links), die einen neuen Elektroantrieb für Mountainbikes entwickelt haben.

von Jens Tönnesmann

Von der Universität in den Chefsessel des eigenen Startups: Wie Deutschlands Hochschulen Studenten zum Gründen von Unternehmen animieren.

Am Fenster ein Tisch voller Werkzeug, gegenüber eine Sitzecke vor Bergpanorama, auf dem Schreibtisch Papierstapel, neben dem Kühlschrank leere Bierflaschen: Der ehemalige Hörsaal, in dem Johannes Biechele und Marcus Schlüter an ihrer Zukunft werkeln, ist Partyzone und Pausenraum, Büro und Werkstatt in einem. Mittendrin in dem 55 Quadratmeter großen Raum stehen Mountainbikes, deren Besonderheit man erst auf den zweiten Blick erkennt: Sie haben Motor und Batterien. Die armlangen Antriebssysteme, die sich in den Radrahmen einklinken lassen, haben Biechele und Schlüter mit drei Mitstreitern hier entwickelt. So verwandeln sie die Mountainbikes in Pedelecs – also Fahrräder, die mit Strom und Tretkraft fahren. „Unser Antrieb ist leicht, sexy, flexibel“, sagt Biechele, der mit Kommilitone Schlüter das Startup Fazua gegründet hat. „So etwas gibt es bisher nicht.“

Dass die Jungunternehmer so weit gekommen sind, haben sie der Hochschule München zu verdanken – denn die Gründung einer Firma wäre ihnen früher nie in den Sinn gekommen. Biechele hat Fahrzeugtechnik studiert, sein Mitgründer Schlüter Tourismusmanagement. Im Studium besuchte Schlüter einen Entrepreneurship-Kurs und erzählte seinem Kumpel davon. Der wurde beim Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) vorstellig, über das die Hochschule München Gründer fördert – mit einem Prototyp des Radantriebssystems aus Holz und Hartschaum, an dem er eine Woche lang in der Modellschreinerei des Großvaters getüftelt hatte. Das war im Frühjahr 2011.

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„Der Prototyp hat mich sofort überzeugt“, erinnert sich Herbert Gillig, Leiter der Gründungsförderung an der Hochschule. Zusammen mit Klaus Sailer, dem Geschäftsführer des SCE, nahm er die Studenten unter seine Fittiche – mit Beratung, Infrastruktur und einem kleinen Budget für Anschaffungen. „Ohne diese bedingungslose Nestwärme“, sagt Marcus Schlüter, „wäre aus der Idee wohl nix geworden.“

Stanford Gründen lernen

Wie die amerikanische Eliteuniversität aus Studenten Unternehmer macht.

Wie an kaum einer anderen Hochschule werden Studenten in Stanford angehalten, Startups zu gründen. Quelle: Fotolia

Deutsche Unis holen auf

Beratung und Budget, Netzwerke und Nestwärme: Universitäten können eine ganze Menge tun, um den Unternehmergeist ihrer Studenten zu entfachen und sie zu Gründern zu machen. Rund 49 Millionen Euro haben die deutschen Hochschulen im Jahr 2012 in die Gründungsförderung gesteckt, mehr als 4.200 Gründungsvorhaben betreut und 1.145 Startups angeschoben. Welche für Gründer die besten sind, zeigt der aktuelle Gründungsradar des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft (siehe Bildergalerie). 75 Prozent der 211 befragten privaten und öffentlichen Hochschulen halten Gründerförderung für relevant, mehr als 100 Lehrstühle sind auf dieses Thema spezialisiert.

Gemessen an der Einwohnerzahl, sind das inzwischen fast so viele wie in den USA, die mit Förderprogrammen wie etwa an der Eliteuniversität Stanford erfolgreiche Jungunternehmen fast wie am Fließband hervorbringen. Auch hierzulande haben viele erfolgreiche Startups die Basis ihres unternehmerischen Erfolgs schon an den Hochschulen gelegt – so auch Secomba, das kürzlich den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb gewonnen hat.

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