Bild: Picture-Alliance/dpaRalph Wollburg
Der Jurist der Kanzlei Linklaters, der sich gern im Hintergrund hält, ist einer der wichtigsten Wirtschaftsanwälte des Landes. Er arbeitete unter anderem für ThyssenKrupp, RWE, den Nivea-Hersteller Beiersdorf und den Medizinkonzern Fresenius. Vor allem bei Unternehmensübernahmen ist sein Rat gefragt. Wollburg hat sich auch als Abwehrspezialist einen Namen gemacht.
Bild: dpaAnn-Kristin Achleitner
Die BWL-Professorin und ehemalige McKinsey-Beraterin sitzt in den Aufsichtsräten des Handelskonzerns Metro und des Industriegase-Spezialisten Linde. Sie ist verheiratet mit Paul Achleitner, dem Künftigen Oberaufseher der Deutschen Bank. Beide gelten als das Power-Paar der deutschen Wirtschaft.
Bild: dpaHenning Kagermann
Der einstige SAP-Chef bestimmt in den Aufsichtsräten von Deutsche Bank, Deutsche Post und Munich Re über die Geschicke von Großunternehmen mit.
Bild: APMichael Vassiliadis
Der Chef der Chemie-Gewerkschaft IG BCE agiert nicht so auffällig wie etwa Verdi-Chef Frank Bsirske. Dabei verfügt der Sohn eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter über hohen Einfluss. In den Aufsichtsräten von BASF, Henkel oder beim Düngemittelkonzern K+S zieht Vassiliadis an den Strippen. In der RAG-Stiftung, der Eigentümerin des Chemiekonzerns Evonik, entscheidet er über die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaus und den Evonik-Börsengangs mit.
Bild: Frank Reinhold für WirtschaftsWocheMichael Hoffmann-Becking
Der Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt von der Kanzlei Hengeler Mueller berät zahlreiche Dax-Konzerne wie Siemens, Linde oder Deutsche Bank. Auch bekannte deutsche Familiendynastien wie Quandt, Boehringer oder Stihl hören auf das Wort des 69-Jährigen. Dabei beschränkt sich Hoffmann-Beckings Rat nicht nur auf die juristische Expertise. Der Anwalt, der in zahlreichen Bei- und Aufsichtsräten sitzt, beeinflusst auch Unternehmensstrategien und Entscheidungen über Vorstandsposten.
Bild: dpaGerhard Cromme
Der Aufsichtsratsvorsitzende von ThyssenKrupp und Siemens zieht viele Fäden hinter den Kulissen. Er löste den durch die Siemens-Korruptionsaffäre angeschlagenen Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich v. Pierer ab und gewann den Österreicher Peter Löscher, einen ehemaligen Pharmamanager, als neuen Siemens-Vorstandschef. Den aktuellen ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger holte er von Siemens. Schon wird gemunkelt, dass beide Konzerne in Zukunft künftig enger zusammenrücken könnten.
Bild: Picture-Alliance/dpaManfred Schneider
Der einstige Bayer-Chef führt die Aufsichtsräte von gleich drei Dax-Konzernen: Bayer, RWE und Linde. Dem Bayer-Konzern verordnete der Oberkontrolleur den ersten Ausländer an der Spitze des Unternehmens – den Holländer Marijn Dekkers. Bei RWE setzte er nach einer turbulenten Aufsichtsratssitzung den Holländer Peter Terium als Nachfolger des noch amtierenden Vorstandschefs Jürgen Großmann durch.
Bild: Picture-Alliance/dpaHermann Josef Abs
Hermann Josef Abs (†1994), rechts, 1971 zusammen mit dem damaligen Chef des Stahlproduzenten Hoesch, Josef Fischer. Abs war von 1957 bis 1967 Chef der Deutschen Bank. Paradebeispiel für Verquickung von Industrie und Banken. Zeitweise 20 Aufsichtsratsposten. 1965 beschließt der Bundestag die „Lex Abs“, die mehr als zehn Mandate verbietet.
Bild: Picture-Alliance/dpaDieter Spethmann
Dieter Spethmann, 86, war von 1973 bis 1991 Chef von Thyssen. Neben Krupp-Verweser Berthold Beitz einer der großen Stahlbarone. Vater der Magnetbahn Transrapid. 1969 Architekt des Restbergbaus in der Ruhrkohle AG, später RAG und Evonik.
Bild: Picture-Alliance/dpaKlaus Liesen
Klaus Liesen, 80, rechts, zusammen mit dem damaligen VW-Chef Ferdinand Piëch. Liesen fädelte als Ruhrgas-Chef Anfang der Siebzigerjahre den Gashandel mit Russland ein. Ex-Aufsichtsratschef von VW und Allianz. Sorgte als Kontrolleur von Preussag für die Verwandlung des Stahlund Technologiekonzerns in das Touristikunternehmen TUI.
Ralph Wollburg
Der Jurist der Kanzlei Linklaters, der sich gern im Hintergrund hält, ist einer der wichtigsten Wirtschaftsanwälte des Landes. Er arbeitete unter anderem für ThyssenKrupp, RWE, den Nivea-Hersteller Beiersdorf und den Medizinkonzern Fresenius. Vor allem bei Unternehmensübernahmen ist sein Rat gefragt. Wollburg hat sich auch als Abwehrspezialist einen Namen gemacht.
Der Fall sorgte für Furore in der gesamten deutschen Wirtschaft. Michael Hoffmann-Becking, Staranwalt aus Düsseldorf, sollte für Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme prüfen, ob der Münchner Konzern seine Ex-Chefs für die Schäden durch die Korruptionsaffäre vor gut fünf Jahren belangen könne. Hoffmann-Becking beriet sich mit vier Kollegen, schrieb ein Gutachten – und kam zu dem Schluss, dass Siemens ein Recht dazu habe. Am Ende zahlten der frühere Vorstandsvorsitzende Heinrich v. Pierer fünf Millionen und sein Nachfolger Klaus Kleinfeld zwei Millionen Euro in die Konzernkasse.
Seitdem verstummt in deutschen Vorstandsetagen nur langsam das Tuscheln: Wie es denn angehen könne, dass ausgerechnet ein solcher Vertrauter der deutschen Chefetagen den einstigen Größen des wichtigsten deutschen Industriekonzerns dermaßen zusetze.
Strippenzieher im Hintergrund
Der sich das herausnahm, zählt zu jenen Männern und Frauen hierzulande, die vieles bewegen, am wenigsten aber sich selbst in der Öffentlichkeit, die den Takt geben, aber nur ganz selten Interviews, die Fäden ziehen, doch nie selber vor die Kameras: Deutschlands heimliche Herrscher, Einflüsterer und Drahtzieher, ohne die weder Konzernlenker noch Unternehmerdynastien wichtige Dinge entscheiden.
Die Trupps der Schattenmänner und -frauen sind so bunt wie verschwiegen. Viele sind Juristen wie der Linklaters-Anwalt Ralph Wollburg, der unter anderem für die Dax-Konzerne Fresenius und die Deutsche Börse arbeitete, oder Hoffmann-Becking von Hengeler Mueller, auf den Superreiche mit klangvollen Namen wie die BMW-Erben Quandt, der Pharma-Clan Boehringer oder die schwäbischen Motorsägenbauer Stihl horchen.
Andere üben ihre Macht, die sie einst als Konzernchefs besaßen, nun über Kontrollorgane der Unternehmen aus, die zur Geheimhaltungspflicht verpflichtet sind. Henning Kagermann etwa, der frühere Chef des deutschen Softwareriesen SAP, bestimmt heute in den Aufsichtsräten von Deutsche Bank, Deutsche Post und Munich Re über die Geschicke von Großunternehmen mit.
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