Auswanderer: Arbeiten im Krisengebiet

Auswanderer: Arbeiten im Krisengebiet

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Korrupte Eliten, willkürliche Verhaftungen, Entführungen, Terroranschläge – was treibt deutsche Expats dazu, in Ländern wie Irak, Afghanistan, oder Turkmenistan Geschäfte zu machen?

Nichts läuft ohne die Stammesältesten– das war die erste Lektion für Markus Schulz, als er mit der Expansion des Mobilfunk Netzes in den afghanischen Provinzen begann. Bevor der Betriebswirt aus München für seine Kabuler Telefonfirma Afghan Wireless Mobilfunkmasten am Hindukusch aufstellt, lässt er einen seiner Mitarbeiter beim Stammesältesten vor Ort um Erlaubnis fragen.

"Meistens schenken wir den Dorfbewohnern ein paar Handys, die wollen ja auch telefonieren", sagt Schulz. Die Prepaid-Karten müssen sie aber selbst aufladen.

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Seit drei Jahren macht Markus Schulz Geschäfte in Afghanistan - zunächst als Business-Developer für Nokia Siemens Networks. Inzwischen lebt er in Kabul und kümmert sich um den Geschäftsaufbau des lokalen Telekomunternehmens Afghan Wireless, das dem im US-Exil lebenden Geschäftsmann Ehsan Bayat gehört.

Für ihn reist Schulz quer durchs Land, überzieht den Hindukusch mit Handy-Shops und Sendemasten, verkauft Blackberrys und Internetrouter. Von den 25 Millionen Afghanen, die häufig noch in Berghütten leben, kennt nur jeder Vierte die Segnungen moderner Kommunikation.

Schulz reibt sich natürlich die Hände: "Der Markt ist da."

Angst vor Anschlägen verdrängt

Und die Gefahr. Erst Ende Februar kamen bei einem Selbstmordattentat in einem Einkaufszentrum neun Menschen ums Leben.

Doch Markus Schulz hat die Angst vor Anschlägen abgelegt oder zumindest verdrängt. "Als ich hierher kam, hat es mehrmals am Tag geknallt. Inzwischen ist es in Kabul relativ friedlich geworden."

Es gebe aber noch gezielte Anschläge auf Botschaften, Ministerien und das Luxushotel Serena, wo ausländische Staatsgäste untergebracht sind. "Wer sich von diesen Orten fernhält, lebt in Kabul genauso sicher wie anderswo auch."

Das Auswärtige Amt sieht das anders. In Reisehinweisen raten die Diplomaten dringend von Aufenthalten in Afghanistan ab. Wer sich dennoch dorthin wagt, heißt es auf der Web-Seite, müsse mit "terroristisch oder kriminell motivierten Gewaltakten" rechnen.

Für Länder wie den Kongo, Irak oder Somalia, wo Geiselnahmen und Bombenanschläge zum Alltag gehören, gilt das erst recht. Doch davon lassen sich Tausende deutscher Expats nicht abhalten, die an den heißesten Punkten der Welt unterwegs sind.

Was sind das für Manager, die in afghanischen Unruheprovinzen, im Gefechtsfeuer von Bagdad, im autoritären Turkmenistan, im abgeschotteten Myanmar oder im politisch geächteten Iran ihre Geschäfte machen? Treibt sie die Abenteuerlust ins Risiko oder die deutsche Langeweile? Bleiben sie der Gefahrenzulage wegen, oder machen sie einfach nur gute Geschäfte?

Vermutlich von allem etwas. Ein "ganz bestimmter Schlag Mensch" müsse man sein, um in Kriegs- und Krisenregionen freiwillig sein Leben zu riskieren, sagt Arndt Fritsche.

Der 39-Jährige arbeitet seit sieben Jahren als Lobbyist in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Er knüpft im Auftrag deutscher Unternehmen Kontakte zur irakischen Regierung und leiert humanitäre Projekte an.

Abenteuerlust sei schon dabei, erzählt Fritsche. "Zumindest am Anfang." Doch der Reiz am Risiko ist ihm gründlich vergangen, als Mitte 2006 zwei enge Freunde bei einem Terroranschlag in Bagdad ums Leben kamen. "Damals stand es Spitz auf Knopf", blickt Fritsche zurück, "beinahe hätte ich die Koffer gepackt."

Warum er trotzdem im Irak blieb, lässt sich schwer in Worte fassen. Irgendwie habe er den Eindruck, dass seine Arbeit Sinn hat: Das Rebuild Iraq Recruitment Program, das Arndt Fritsche leitet, baut Kliniken und bildet Krankenschwestern aus. Unter seiner Federführung entstehen mit Geldern aus den Töpfen internationaler Organisationen neue Wohngebäude, wo der US-Krieg "gegen den Terror" rauchende Ruinen hinterlassen hat.

Fritsche ist so sehr Teil seines Projekts geworden, dass er nicht von heute auf morgen aussteigen kann.

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