Schwarmforschung: Was wir von Tieren lernen können

Schwarmforschung: Was wir von Tieren lernen können

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Pilger auf der Hadsch

Ob beim Betreten eines Flugzeugs, gemeinsamen Entscheidungen oder dem Verhindern einer Massenpanik: Wir können viel von Tieren lernen, schreibt Peter Miller in seinem neuen Buch „Die Intelligenz des Schwarms“.

Zwei Wochen nach dem tragischen Unglück auf der Duisburger Loveparade bleibt noch immer unklar, wie es zu der Massenpanik kommen konnte. Viele rätseln auch darüber, ob und wie sich solche Katastrophen künftig vermeiden lassen. Peter Miller konnte davon nichts wissen, aber sein Buch, das diese Woche erscheint, geht exakt dieser Frage nach. In „Die Intelligenz des Schwarms. Was wir von Tieren für unser Leben in einer komplexen Welt lernen können“ widmet sich der langjährige Wissenschaftsjournalist des US-Magazins „National Geographic“ zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Insektenwelt und wie sich diese in den Alltag übertragen lassen.

Dabei beschäftigt er sich einerseits mit den positiven Aspekten der Rudelbildung – etwa, wie geschickt Ameisen kooperieren und wie diverse Konzerne diese Lehren bereits für ihre Zwecke nutzen. Gleichzeitig behandelt er auch die negativen Wirkungsketten, die Menschenmassen ebenso fördern können – die unintelligente Seite des Schwarms eben.

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Die Verantwortlichen der Hadsch in Saudi-Arabien mussten diese bereits mehrfach miterleben. 2004 kamen bei einer Massenpanik 249 Menschen ums Leben, 2006 sogar 363. Als die Organisatoren ein neues Sicherheitskonzept aufstellten, profitierten sie ausgerechnet vom Beispiel der Heuschreckenschwärme – wie, das beschreiben die Auszüge aus Millers Buch, die die WirtschaftsWoche exklusiv abdruckt.

Die Erkenntnisse tragen nicht nur dazu bei, Gruppen und Teams besser zu verstehen und zu führen – sondern auch, das Risiko solcher Katastrophen wie der in Duisburg künftig zu minimieren.

Pilgermassen auf der Hadsch

Peter Miller

Peter Miller

Die Pilger, die an der alljährlichen Hadsch in Saudi-Arabien teilnehmen, erwarten gar keinen erholsamen Urlaub. Mehrere Millionen reisen Jahr für Jahr mit dem Bus, dem Flugzeug und zu Fuß an, um an dem fünftägigen Ritual in und um Mekka teilzunehmen, ihres Urahnen Abraham zu gedenken und ihre Solidarität mit den muslimischen Brüdern und Schwestern in aller Welt zum Ausdruck zu bringen.

Die Stadt ist heiß und überfüllt, und vor allem für ältere Menschen ist es ein körperlich und emotional kräftezehrendes Erlebnis. Doch jedes Jahr kommen mehr Pilger, um von einer heiligen Stätte in der Wüste zur anderen zu ziehen.

249 Tote bei Pilgerreise

Am 12. Januar 2006 hatten sich mehrere Hunderttausend Wallfahrer in der staubigen Zeltstadt bei Mina, fünf Kilometer östlich von Mekka, versammelt, um an dem letzten Ritual der Hadsch, der rituellen Steinigung der drei Säulen von Dschamarat, teilzunehmen.

Diese Säulen stellen den Teufel dar, der Abraham versuchte und davon abbringen wollte, seinen Sohn zu opfern, wie Gott dies von ihm verlangt hatte. Um an die Säulen heranzukommen und Kieselsteine nach ihnen zu werfen, mussten die Pilger über breite Rampen auf eine Betonplattform steigen, die um die Säulen herum errichtet worden war.

Zwei Jahre zuvor waren auf dieser Rampe, der sogenannten Dschamarat-Brücke, 249 Menschen zu Tode gequetscht worden. Verantwortliche suchten die Schuld bei Händlern, die mit ihren Essens- und Souvenirständen den Pilgerstrom behindert hätten. Andere deuteten auf Pilger, die ihr Gepäck dort abgelegt hätten. Viele beklagten das Fehlen von Schildern, die den Pilgern die Richtung wiesen, aber andere hielten dagegen, die Menge habe die vorhandenen Schilder ignoriert, weil sie die Sprache nicht verstand. Man konnte den Eindruck bekommen, dass die Offiziellen die Lage nicht unbedingt unter Kontrolle hatten.

Massive Veränderungen

In Erwartung eines massiven Ansturms nahmen die Organisatoren im Jahr 2006 einige Veränderungen vor. Sie hatten die schlanken Säulen mit elliptischen Wänden verkleidet, um den Pilgerstrom zu optimieren und mehr Pilger gleichzeitig vorbeischleusen zu können. Daneben setzten sie Videokameras ein, um die Bewegung der Menge zu beobachten, und stellten Absperrungen auf, um die Besucherströme zu lenken. Schließlich hatten sie zehntausend Soldaten aufgeboten, die für Ordnung sorgen sollten. Aber würde das ausreichen?

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