Fusion von Deutscher Börse und LSE: Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wird extrem kreativ

Fusion von Deutscher Börse und LSE: Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wird extrem kreativ

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Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse Group

von Yvonne Esterházy und Hauke Reimer

Zwei Konzernzentralen bietet er an und die Verlagerung von Geschäft weg von London. Er verlängert die Umtauschfrist , in der  Aktionäre ihre Papiere anbieten können und senkt die Quote,  bei deren Nicht-Erreichen der Deal platzen würde. Was will Börsenchef Carsten Kengeter sich noch alles ausdenken, damit er den Sitz der aus Frankfurt und London zu schmiedenden Super-Börse nicht nach Frankfurt legen muss?

Börsenchef Carsten Kengeter kämpft um den Deal seines Lebens: Weil das Brexit-Votum die geplante Megafusion der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE) gefährdet. Bisher soll erst rund ein Drittel der Deutsche-Börse-Aktien der Börse zum Tausch gegen Papiere der neuen Holding angeboten worden sein.
Jetzt hat Kengeter die Mindestannahmeschwelle von 75 auf 60 Prozent gesenkt. Wenn 60 Prozent der Aktionäre ihre Papiere anbieten, ist der Deal durch, soll das heißen.  Eigentlich war heute Stichtag für Aktionäre. Ist aber nicht mehr: Aktionäre und damit auch Kengeter bekommen auch mehr Zeit, die Annahmefrist des Tauschangebots verlängert sich um zwei Wochen, bis zum 26. Juli . Begründet wird die Verlängerung nicht mit der bisher mauen Annahmequote, sondern mit der Reaktion von Indexfonds, die stur die im Dax enthaltenen Aktien kaufen. Die könnten ihre Deutsche-Börse-Aktien erst anbieten, wenn der Deal schon durch ist. Indexfonds halten etwa 15 Prozent an der Börse – 15 Prozent, die Kengeter, das zeigt das Verschiebemanöver, offenbar dringend braucht.

Noch schwerer als bei den Aktionären wird Kengeter es bei den Aufsichtsbehörden und Politikern haben. Weil eine Konzernzentrale in London, demnächst also außerhalb der EU, kaum akzeptiert würde, hat Kengeter nun einen Doppelsitz für die geplante Dachgesellschaft oder eine Verlagerung des Holdingsitzes in ein anderes EU-Land ins Gespräch gebracht.

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Deutsche Börse Hürde für Fusion mit der LSE gesenkt

Die Deutsche Börse hat die erforderliche Zustimmungsquote der Aktionäre für eine Börsenfusion gesenkt. Offenbar gab es Bedenken, ob große Indexfonds der Fusion zustimmen würden.

Das Brexit-Votum hat die Fusionspläne des Deutsche Börse-Chefs Carsten Kengeter durchkreuzt. Quelle: dpa

Damit sollte den Bedenken der BaFin, des Betriebsrats und der deutschen Politik Rechnung getragen werden, die nicht wollen, dass London Sitz der neuen Superbörse wird, vor allem jetzt,  wo der Ausstieg der Briten aus der EU beschlossene Sache ist. Die neue Flexibilität ist allerdings sehr pikant. So steht im offiziellen Angebot, dem die Aktionäre der Londoner Börse mit nahezu plansozialistischen 99 Prozent zugestimmt haben, London als Hauptsitz, die neue Holding UK TopCo oder HoldCo soll eine Aktiengesellschaft britischen Rechts werden. Müssen die LSE-Aktionäre eventuell noch einmal abstimmen, wenn die Fusionspläne substantiell überarbeitet werden? Die rechtlichen Bedingungen des ursprünglichen Angebots hätten weiterhin Gültigkeit, hört man in London.

Aus deutscher Sicht wäre mit der neuen Lösung  eine wichtige Hürde für die Fusion etwas niedriger. Aber zu welchem Preis?
Zwei Sitze werden das Projekt verteuern, die Struktur der neuen Megabörse würde viel zu komplex und auch die Rivalität zwischen den beiden Standorten ist programmiert. Auch juristisch ist der Plan fragwürdig: „Ein Doppelsitz der Börse ist rechtlich nicht möglich“ konstatiert der angesehene Bankenrechtler Prof. Uwe H. Schneider in der „Börsenzeitung“. Grob vereinfacht unterscheidet er zwischen dem juristischen Sitz (Satzungssitz) und der operativen Konzernzentrale (Verwaltungssitz).

Zwei Satzungssitze für die Konzernholding, davon einer im Ausland, seien unmöglich, weil das „zu schwer zu lösenden Konflikten“ zwischen britischem und deutschem Recht führen würde. Und selbst wenn beide Sitze in Deutschland seien, sei es später immer noch möglich, dass die operative Konzernzentrale doch noch nach London ausweiche. Bisher hatte das LSE-Management den Standort London zur Bedingung für die Fusion gemacht, sollte es sich nicht bewegen, wird der Deal scheitern. Gefahr droht auch von anderer Seite: Aufgrund des Pfundverfalls wird das Angebot noch unattraktiver für Aktionäre der Deutschen Börse.

Deutsche Börse und LSE Karten auf den Tisch, Herr Kengeter!

Zwei Sitze, zwei Holdings – so komplex darf die Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange nicht werden.

Quelle: dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte unlängst gesagt, ihm komme es weniger auf den Sitz der neuen Superbörse an als darauf, wo das Geschäft gemacht werde. Kengeter scheint das aufgegriffen zu haben, ist doch jetzt in Frankfurt die Rede davon, dass das lukrative Abrechnen von Derivate- und außerbörslichen Geschäften (Clearing) komplett nach Frankfurt verlegt werden soll.

Das hätte auch den großen Vorteil, dass die Europäische Zentralbank, die schon einmal erzwingen wollte, dass die Clearinghäuser für alle Euro-Wertpapiere und –Produkte, eine physische Präsenz in der Eurozone haben, zufrieden gestellt wäre. Denn mit dem Austritt der Briten aus der EU wird diese Kontroverse, bei der der Europäische Gerichtshof zuletzt zu Gunsten Großbritanniens entschieden hatte, bestimmt erneut aufflammen. Diesmal aber stünden die Chancen der EZB mit diesem Ansinnen durchzudringen, deutlich besser. Auch das aber dürfte kaum reichen.

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Gebohrt wird immer: Mit Zahnarztausrüstung zeit Dentsply Sirona der Krise die Zähne Quelle: REUTERS

Deutsche Aufseher, allen voran BaFin-Präsident Felix Hufeld („Es ist schwer vorstellbar, dass der wichtigste Börsenplatz im Euroraum von einem Standort außerhalb der EU gesteuert wird“) werden es aufmerksam beobachten, dass die Nachricht von der Absenkung der Quote auf 60 Prozent und der Verlängerung der Annahmefrist wieder einmal vorab durchsickerte, ähnlich schon wie die Meldung von der geplanten Fusion, die auch via London ihren Weg in die Welt fand.

Das „Wall Street Journal“ hatte offenbar schon am Sonntag einen Hinweis bekommen, wie der der britische „Daily Telegraph“ berichtet. . Der „Daily Telegraph“ berichtet ferner, bis Freitag abend hätten 28,08 Prozent der Anteilseigner der Deutschen Börse ihre Papiere angedient. Passieren solche Lecks  bei möglicherweise kursbewegenden Meldungen auch in Zukunft, wären der BaFin, bei einem Konzernsitz in London künftig die Hände gebunden. Kein schönes Gefühl für einen Aufseher.

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