Märkte nach dem Brexit: Noch keine Schnäppchenkurse im Dax

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Märkte nach dem Brexit: Noch keine Schnäppchenkurse im Dax

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Händler an der Börse in Frankfurt. Trotz Abwertungen sind viele Dax-Aktien nicht billig

von Christof Schürmann

Auf welchen Niveaus die 30 Papiere im deutschen Elite-Index wirklich billig wären.

Zwischenzeitlich fast 30 Prozent unter ihrem Hoch vom April 2015 und ebenso viel unter dem Hoch vom März 2000 lagen die Kurse des Deutschen Aktienindex am Freitag nach dem Brexit. Zumindest dann, wenn man den Dax als reinen Kursindex betrachtet, ohne reinvestierte Dividenden. Diese Betrachtung gibt eigentlich einen besseren Aufschluss und zeigt, dass sich gerade für Langfristanleger Gelegenheiten bieten dürften, wenn die Kurse noch weiter rutschen sollten. Doch wie und wann auch immer der Dax sein Tief findet, sind nicht alle 30 Dax-Werte gleichzeitig auf dem tiefsten Punkt.

Anleger müssen auf die Einzelwerte schauen. Denn unabhängig vom Indexstand werden die einzelnen Dax-Titel auf individuellen Kursniveaus langfristig sehr attraktiv. Wir loten für Sie aus, bei welchen Kursen einzelne Dax-Papiere zu Schnäppchenpreisen zu haben wären und welche Dax-Aktien vor allem konservative Anleger lieber komplett meiden sollten:

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Adidas: Die Aktie ist nach der jüngsten Rally deutlich zu teuer. Zudem könnte es sein, dass sich angesichts der zahllosen Skandale in den Kernsportarten Verbraucher auch mit Neukäufen von Trikots, Schlägern und Schuhen zurückhalten. Erst zwischen 60 und 65 Euro wirklich übermäßig billig.

Allianz: An der Aktie gibt es schon auf aktuellem Niveau nicht viel zu meckern; ist als Marktführer gegen die Niedrigzinsphase am besten gewappnet, zudem politisch sakrosankt. Allerdings kann sich der Finanzwert dem Brexitsog schwer entziehen. Zwischen 100 und 120 Euro einsammeln.

Brexit-Schock an den Börsen Märkte in Aufruhr

Der Brexit schockt die Märkte. Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es. Diesmal droht den Märkten eine längere Phase der Unsicherheit.

Traders from BGC, a global brokerage company in London's Canary Wharf financial centre react as European stock markets open early June 24, 2016 after Britain voted to leave the European Union in the EU BREXIT referendum. Quelle: REUTERS

BASF: Die Ludwigshafener enttäuschten in den vergangenen Monaten auf ganzer Linie. Dürfte in einem schwachen Markt weiter deutlich nachgeben. Die gute Dividende rettet vorerst wenig. Sexy wären Kurse zwischen 40 und 45 Euro.

Bayer: Wurde jahrelang hochgejazzt. Äußerst bedenkliche abschreibungsgefährdete Positionen nach überzogener Einkaufstour wegen hoher bezahlte Übernahmeprämien (Goodwill). Auch nach 40 Prozent Kursverlust noch zu teuer, zumal die Monsanto-Übernahme eine Last wäre. Kurse von 60 bis 70 Euro könnten einladend sein, falls der Monsanto-Deal nichts wird.

Beiersdorf: Hat eine blitzsaubere Bilanz. Bei einem weiteren panikartigen Ausverkauf könnte aber auch Beiersdorf noch billiger als aktuell werden. Zwischen 60 und 65 Euro gute Langfristchance.

BMW: Mit die beste Unternehmensführung im Dax, sehr gute Bilanzqualität und beim E-Auto unter deutschen Herstellern die Nase vorn. Schon jetzt fast ein Kauf. Spätestens zwischen 62 und 66 Euro einsteigen.

Das sagen Ökonomen zum Brexit-Entscheid

  • Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF)

    „Wir müssen einen sanften Übergang in eine neue wirtschaftliche Beziehung sicherstellen. Der IWF unterstützt die Bank von England und die Europäische Zentralbank darin, für die nötige Liquidität des Bankensystems zu sorgen und Schwankungen nach der Abstimmung zu begrenzen.“

  • Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)

    „Der Brexit ist für die deutsche Wirtschaft ein Schlag ins Kontor.“

  • Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA

    „Die Briten werden die Ersten sein, die unter den wirtschaftlichen Folgen leiden werden.“

  • Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes BDI

    „Wir erwarten in den kommenden Monaten einen deutlichen Rückgang des Geschäfts mit den Briten. Neue deutsche Direktinvestitionen auf der Insel sind kaum zu erwarten.“

  • Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)

    „Nach einem EU-Austritt sollte niemand Interesse daran haben, mit Zollschranken zwischen Großbritannien und dem Festland den internationalen Warenverkehr zu verteuern.“

  • Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbandes VDMA

    „Es wird nicht lange dauern, bis unsere Maschinenexporte nach Großbritannien spürbar zurückgehen werden.“

  • Marijn Dekkers, Präsident des Chemieverbandes VCI

    „Weniger Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten und ein schwächeres Exportgeschäft werden die Konsequenzen sein.“

  • Ingo Kramer, Präsident des Arbeitgeberverbandes BDA

    „Die EU-Staats- und Regierungschefs müssen schnell die dringend erforderlichen Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Fairness im EU-Binnenmarkt in Angriff nehmen.“

  • Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

    "Es kommt jetzt darauf an, ob wir eine saubere oder eine schmutzige Scheidung bekommen. Es geht vor allem darum, ob Großbritannien nach einem Verlassen der EU den Zugang zum EU-Binnenmarkt behält. Wichtig ist, dass die EU jetzt nicht die beleidigte Leberwurst spielt. Sie sollte ein starkes Interesse daran haben, mit den Briten in den kommenden zwei Jahren eine saubere Trennung zu vereinbaren. Das Land ist zweitwichtigster Handelspartner der EU, nach den USA und vor China. Die EU hat ein großes wirtschaftliches Interesse daran, Zölle im Warenhandel zu vermeiden und das Land im Binnenmarkt zu behalten.

    Der Brexit stellt auch ein politischen Risiko für die EU dar. Denn das wird den Anti-EU-Parteien in vielen EU-Ländern Rückenwind geben. Die Regierungen werden noch weniger als bisher mehr Europa wagen, so dass die Probleme der Währungsunion weitgehend ungelöst bleiben. Was die EZB mehr denn je zwingt, die Probleme durch eine lockere Geldpolitik zu übertünchen.

    Der Brexit schafft Unsicherheit und ist insofern schlecht für die deutsche Wirtschaft. Aber wir erwarten nicht, dass der Euro-Raum in die Rezession zurückfällt. Das gilt auch für Großbritannien und erst recht für den Fall, dass sich allmählich eine saubere Scheidung abzeichnet."

  • Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank

    "Jetzt kommt eine große Phase der absoluten Unsicherheit. Denn etwas Vergleichbares hatten wir noch nicht. Unsicherheit ist schlecht für die Wirtschaft." Der Aufschwung in Großbritannien dürfte nun weitgehend zu Ende sein, in der Euro-Zone werde er sich abschwächen. Hersteller von Investitionsgütern wie Maschinen und Autos dürften die Folgen stärker spüren. "Deutschland ist also stärker betroffen als beispielsweise Spanien", sagte Schmieding.

  • Ifo-Präsident Clemens Fuest

    "Die Entscheidung der britischen Wähler für den Brexit ist eine Niederlage der Vernunft", sagte er. "Die Politik muss jetzt alles tun, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen. Dazu gehört es, sicherzustellen, dass Großbritannien so weit wie möglich in den Binnenmarkt integriert bleibt." Es sei wichtig, die Verhandlungen darüber möglichst schnell zum Abschluss zu bringen, damit die Phase der Unsicherheit über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen möglichst kurz bleibe.

  • Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea Bank

    "Die Finanzmärkte werden einige Tage brauchen, um den Schock zu verarbeiten. Die Politik muss jetzt versuchen, das Beste aus einer Entscheidung zu machen, die die EU schwächt. Das wird lange brauchen. Und so lange wird Unsicherheit das Geschehen prägen, zumal die Fliehkräfte in anderen EU-Ländern stärker zutage treten werden. Das Ergebnis kann auch die Nicht-Mainstream-Parteien in Spanien stärken, wo am Sonntag gewählt wird. Bis gestern hatte Europa ein Problem, jetzt ist erst mal Panik."

  • Henrik Enderlein, Direktor Jacques Delores Institut

    "Das Ergebnis des Referendums ist kein gutes Signal für Europa. Aber es ist vor allem kein gutes Signal für Großbritannien. Die politischen Strukturen der EU sind stark. Und anders als bei einem 'Grexit', also dem Ausscheiden eines Landes aus der Währungsunion, für das es keine rechtliche Grundlage gibt, ist die Prozedur für das Ausscheiden eines Landes aus der EU rechtlich klar geregelt. Die Folgen für den europäischen Integrationsprozess werden weniger gravierend sein, als jetzt oft vorschnell beschrieben. Auch wenn es schwierig wird: Die EU kann einen Austritt Großbritanniens verkraften.

    Innerhalb Europas sollte der Fokus der nächsten Monate auf der Vertiefung des Euro-Raums liegen. Die Euro-Krise ist immer noch nicht ausgestanden. Die EZB hat die Grenze ihres Mandats erreicht. Nun müssen sich die Euro-Länder so schnell wie möglich auf einen Stabilisierungsplan einigen, der sowohl mehr Risikoteilung (vor allem schwierig für Deutschland) als auch mehr Souveränitätsteilung (vor allem schwierig für Frankreich) umfasst. Allerdings ist für einen solchen Plan kaum Zeit."

  • Thomas Gitzel, VP Bank

    "Jetzt wird es turbulent an den Finanzmärkten. Das Pfund ist bereits auf einem 30-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar. In absehbarerer Zeit sollten wir aber wieder eine Erholung sehen. Die Finanzmärkte fragen sich jetzt: Wie sieht das neue Verhältnis zwischen EU und Großbritannien aus? Die Briten könnten künftig Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) werden, wie Norwegen. Ich gehe nicht davon aus, dass das Verhältnis EU-Großbritannien damit beendet ist. Die EU wird das Land nicht am langen Arm verhungern lassen.

    Mit dem heutigen Tag ändert sich erst einmal gar nichts. Es wird jetzt Verhandlungen mit der EU geben. So lange bleibt GB Vollmitglied der EU, also die nächsten zwei Jahre. Ich gehe nicht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage dramatisch verändern wird. Die Briten dürften es aber merken: Die dortigen Unternehmen dürften jetzt Investitionen überdenken. Aber ich denke nicht, dass das Land nun in eine Rezession fällt."

Commerzbank: Zweifellos eine der uninteressantesten Aktien auf dem deutschen Kurszettel. Crashkurse sind da was für Zocker, nicht für Anleger. Meiden, kein Shareholdervalue in Sicht.

Continental: Exzellent und zukunftsfähig aufgestellt, allerdings noch nicht günstig genug. Bei weiteren Absackern in Tranchen einsammeln. Erste Tranche um 155, zweite um 125 Euro.

Daimler: Die Stuttgarter präsentieren überzeugende Zahlen am laufenden Band. Die Aktie ist schon jetzt unterbewertet, könnte sich aber einem weiteren Dax-Einbruch nicht entziehen. Bei noch einmal deutlich niedrigeren Kursen sollte es sich langfristig lohnen, auch eine große Position einzugehen. 45 bis 50 Euro wären Schnäppchenkurse.

Deutsche Bank: Zahlt nach Rekordminus voraussichtlich frühestens 2018 wieder Dividende. Tiefe Kurse lassen noch Leichen im Derivatebuch vermuten, zudem Milliardenkosten aus Prozessen. Der geplante Verkauf der Postbank stockt. Bei einer weiteren Halbierung etwas für Zocker.

Brexit "Irgendwann wird die EZB Aktien kaufen"

Der Brexit versetzt die Aktienmärkte in Bewegung. Viele Kapitalmarkteilnehmer wurden böse überrascht, andere nutzen die Chance.

Quelle: dpa

Deutsche Börse: Die Aktien sind als Beimischung im jedem Depot gut geeignet, aber auch kein sicherer Hafen im Crash. Zumal die Fusion mit der Londoner Börse auf dem Prüfstand stehen dürfte. Niedrigere Kurse abwarten und dann gestaffelt einsteigen. Erste Tranche um 60 Euro, zweite um 50 Euro.

Deutsche Post: Das nicht zyklische und für Verbraucher teure Briefgeschäft rettet die Zyklik in der Logistik nur zu einem geringen Teil. Trotz Kursrutsch noch zu hohe Gewinnbewertung, zumal hohes Großbritannienengagement weiter belasten dürfte. Schnäppchenkurse bei 12 Euro.

Deutsche Telekom: Cashflows sollten relativ stabil bleiben und deshalb Bewertung nicht allzu massiv nachgeben. Finanzkrisen-Kurstiefs von unter acht Euro werden diesmal nicht erreicht. Bei 12 bis 13 Euro einsammeln.

E.On: Fundamental nicht bewertbar, solange die Atomlastenfrage nicht endgültig geklärt ist. Spekulanten kaufen oberhalb des 2015er-Tiefs und setzen bis auf weiteres auf das Prinzip Hoffnung und den Steuerzahler. Spekulativ um 7,50 Euro kaufen mit Stopp 6,90.

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