Riedls Dax-Radar: Die EU zerfällt – und der Dax steigt trotzdem

kolumneRiedls Dax-Radar: Die EU zerfällt – und der Dax steigt trotzdem

Kolumne von Anton Riedl

Trotz wahrscheinlicher Zinserhöhung in den USA und europäischer Dauerkrisen steuern deutsche Aktien neue Höhen an. Die Chancen auf steigende Kurse bis Mitte Januar stehen gut. Warum der Dax die Krisen ignoriert.

Bemerkenswert nach der jüngsten EZB-Entscheidung war die Reaktion des Euro. Er sauste in wenigen Stunden von 1,08 auf 1,06 Dollar nach unten. Offensichtlich waren einige größere Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt worden, weil sie eigentlich auf einen steigenden Euro gesetzt hatten. Dahinter stand die Erwartung, dass die EZB nun vielleicht doch den Einstieg in den Ausstieg der extrem laxen Zinspolitik wagen könnte. Nun, genau das hat sie mit ihren jüngsten Maßnahmen nicht gemacht.

Das um 20 Milliarden Euro pro Monat geringere Anleihevolumen gleicht sie aus durch eine Verlängerung der Rückkaufaktion bis Ende 2017. Und auch danach kann sie spendabel bleiben: Indem sie etwa – wie die Commerzbank-Volkswirte schreiben – mit einem Fünfjahrestender die Banken so großzügig mit Zentralbankgeld versorgt, dass die ihrerseits Staatsanleihen kaufen um damit die Zinsen am Boden halten.

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Die Probleme der EU, das zeigt besonders die Entwicklung in Italien, sind so gravierend, dass auf absehbare Zeit nicht mit einer Änderung der Geldpolitik der EZB zu rechnen ist. Selbst wenn sich das eine oder andere Land zwischenzeitlich etwas besser entwickeln sollte – sei es der Sanierungsfall Griechenland oder die Lokomotive Deutschland – werden die Zinsen insgesamt auf sehr niedrigem Niveau bleiben. Wie dabei die Funktion des Zinses ausgehebelt wird, können Sie in der aktuellen WirtschaftsWoche 51 (wiwo.de/legenden) in einem grundlegenden Beitrag von Malte Fischer über die Bedeutung des Zinses für die Wirtschaft gut nachlesen.

EZB-Anleihekaufprogramm Draghi flutet weiter

Die EZB verlängert ihr Anleihekaufprogramm. Europa droht eine Abwärtsspirale aus Niedrigzinsen, Reformverweigerung und wirtschaftlichem Niedergang.

EZB-Chef Mario Draghi hält an seinem Kurs fest. Quelle: AP

Alles andere als eine Zinserhöhung durch die Fed wäre überraschend

Amerika hat es besser. Frühzeitig hat Janet Yellen signalisiert, dass sie die Zinsen heraufsetzen werde, wenn es Wirtschaft und Arbeitsmarkt erlaubten. Beides entwickelt sich in den USA derzeit so, dass eine Zinserhöhung kommende Woche ziemlich wahrscheinlich ist. Und bleibt die Fed bei ihrer Linie, könnte es 2017 bei einer soliden Konjunktur zwei weitere Zinsschritte geben.

Mit 2,4 Prozent haben die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen etwa das Top-Niveau von 2015 erreicht. Gut möglich, dass es hier beim Eintreten der Fed-Zinserhöhung eine Pause gibt, nach dem Motto: sell the fact. Danach dürfte mittelfristig der Anstieg auf 3,0 Prozent auf dem Programm stehen, das Zins-Top vom Jahreswechsel 2013/2014.

Bei alledem spielt der Einfluss der neuen Regierung Trump mit hinein. Aktuell hält sich die Notenbank bedeckt, und Janet Yellen ist auch noch bis Februar 2018 im Amt. Dass Trump massiv darauf hinwirkt, die Zinsen trotz Erholungskurs der Wirtschaft zu drücken, ist wenig wahrscheinlich. So gesehen dürfte sich am Normalisierungskurs der Fed, den Janet Yellen fährt, grundsätzlich nichts ändern. Allenfalls mag sich das Tempo unter einer neuen Fed-Leitung im Sinne Trumps beschleunigen; von Scharfmachern, die die Abschaffung der Notenbank fordern, einmal abgesehen.

Stelter strategisch Globaler Reset - unwahrscheinlich, aber denkbar

Die globale Verschuldung lastet auf dem Wirtschaftswachstum. Könnte die Politik zum großen Befreiungsschlag ansetzen? Zum globalen Reset? Wie ein radikaler Schnitt in den Währungsbewertungen wirken würde.

Währungen Quelle: dpa

US-Leitzins zieht langfristige Zinsen in Europa mit

An den US-Märkten sollten die Zinsen damit weiter nach oben tendieren. Dies hat auch indirekt Einfluss auf die Zinsen in Europa, die dadurch am langen Ende etwas mitgezogen werden. Dennoch dürfte der Abstand groß bleiben oder sogar noch weiter auseinandergehen. Schon heute ist der amerikanische Zinsvorteil von gut zwei Prozentpunkten so groß wie noch nie im vergangenen Vierteljahrhundert.

Den Euro wird das drücken. Er könnte dabei doch noch aus der Bandbreite rutschen, die er zwischen 1,05 und 1,16 gegenüber dem Greenback seit zwei Jahren markiert. Für das politische Schicksal der EU ist das alles andere als ein Vertrauensbeweis.

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