Riedls Dax-Radar: Europas Börsen stecken im Währungs-Dilemma

kolumneRiedls Dax-Radar: Europas Börsen stecken im Währungs-Dilemma

Euro-Stärke ist den Anlegern ein Dorn im AugeVideo abspielen
Euro-Stärke ist den Anlegern ein Dorn im Auge
Kolumne von Anton Riedl

Der Euro ist kurz davor, die große Wende nach oben zu schaffen. Für europäische und deutsche Aktien ist das eine Belastung. Die stabilen US-Börsen werden zum Rettungsanker.

Die wichtigste Kurve an den weltweiten Kapitalmärkten ist derzeit der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro. Fast bis auf 1,17 Dollar ist der Euro mittlerweile gestiegen. Im Dezember stand er noch bei 1,04 Dollar. Diese Entwicklung ist für viele Marktteilnehmer umso überraschender, da sie gerade im vergangenen Jahr kaum noch etwas auf den alten Kontinent und seine Währung gegeben haben.

Hinzu kamen Spekulationen, dass der Nachholbedarf der EZB gegenüber der amerikanischen Fed die Zinsdifferenz zwischen Amerika und Europa verkleinern dürfte – ebenfalls ein Vorteil für den Euro. Genau das aber hat die EZB in ihrer jüngsten Entscheidung nicht gemacht. Im Gegenteil: Mario Draghi fährt weiterhin einen extrem expansiven Kurs.

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Warum steigt dann der Euro trotzdem so massiv gegenüber dem Dollar? Offensichtlich spiegelt sich in den Wechselkursen nicht nur die Politik der Notenbanken wider. Die spielt zwar auch eine Rolle, aber derzeit eher in der Erwartung, dass die EZB trotz der aktuellen Verzögerung irgendwann einfach dazu übergehen müsse, die Zügel anzuziehen.

Die Aktien-Dauerbrenner der letzten 10 Jahre

  • Airports of Thail.

    Branche: Touristik

    Land: Thailand

    Jährlicher Gesamtertrag: 57 Prozent

    (Jeweils der Gesamtertrag für Aktionäre u. a. aus Kursgewinnen und Dividenden von 2001 bis 2016 und 2006 bis 2016. Unternehmen über zehn Milliarden Dollar Börsenwert)

    Quelle: BCG

  • Netflix

    Branche: Medien

    Land: USA

    Jährlicher Gesamtertrag: 42 Prozent

  • Tencent

    Branche: Medien

    Land: China

    Jährlicher Gesamtertrag: 41 Prozent

  • TransDigm Group

    Branche: Luftfahrt

    Land: USA

    Jährlicher Gesamtertrag: 33 Prozent

  • Mastercard

    Branche: Finanzen

    Land: USA

    Jährlicher Gesamtertrag: 27 Prozent

    Gehört zu den Empfehlungen der WirtschaftsWoche

  • Skyworks Solutions

    Branche: Technologie

    Land: USA

    Jährlicher Gesamtertrag: 27 Prozent

  • AAC Technologies

    Branche: Technologie

    Land: China

    Jährlicher Gesamtertrag: 26 Prozent

  • First Gulf Bank PJSC

    Branche: Finanzen

    Land: Vereinigte Arabische Emirate

    Jährlicher Gesamtertrag: 20 Prozent

  • Amorepacific

    Branche: Konsumgüter

    Land: Südkorea

    Jährlicher Gesamtertrag: 19 Prozent

Zudem aber macht sich die politische und wirtschaftliche Realität bemerkbar. Seit Mitte Dezember, nur wenige Wochen nach der Wahl Trumps zum Präsidenten, ist der Dollar gegenüber dem Euro auf dem Rückzug. Das kann man zum einen auf Trump zurückführen, der den Dollar generell weiter unten sehen möchte; zum anderen auch auf den schrittweisen Rückzug der USA von der internationalen Bühne.

Die wirtschaftliche Entwicklung passt dazu. Seit Monaten ist die US-Wirtschaft nicht so stark, wie von zahlreichen Marktteilnehmern angenommen. Kein Wunder, dass die Töne der Fed leiser werden – und die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsstraffungen sinkt. Egal ob von Janet Yellen oder von ihrem Nachfolger.

Die Aktien-Dauerbrenner der letzten 10 Jahre

  • Netease

    Branche: Medien

    Land: China

    Jährlicher Gesamtertrag: 61 Prozent

    (Jeweils der Gesamtertrag für Aktionäre u. a. aus Kursgewinnen und Dividenden von 2001 bis 2016 und 2006 bis 2016. Unternehmen über zehn Milliarden Dollar Börsenwert)

    Quelle: BCG

  • Kotak Mahindra Bank

    Branche: Finanzen

    Land: Indien

    Jährlicher Gesamtertrag: 47 Prozent

  • Axis Bank

    Branche: Finanzen

    Land: Indien

    Jährlicher Gesamtertrag: 37 Prozent

  • Amazon

    Branche: Handel

    Land: USA

    Jährlicher Gesamtertrag: 42 Prozent

  • Jiangsu Hengrui Med.

    Branche: Pharma

    Land: China

    Jährlicher Gesamtertrag: 28 Prozent

  • Reynolds Amer.

    Branche: Konsumgüter

    Land: USA

    Jährlicher Gesamtertrag: 22 Prozent

Daran gemessen ist der aktuelle Zinsunterschied zwischen den USA und der EU sogar groß: Bei den zehnjährigen Staatsanleihen immerhin 2,3 Prozent gegenüber 0,5 Prozent. Die Politik Trumps, die konjunkturellen Entwicklungen und die möglichen Aktionen der Notenbanken könnten dazu führen, dass diese Differenz in den nächsten Monaten geringer wird. Und das hebt den Euro.

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